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Susanne Schneider

FDP 03.12.2024 Sitzungen 18/80

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ein bisschen schräg ist das Ganze bis jetzt; Jugendliche würden wahrscheinlich sagen: cringe. (Beifall von Franziska Müller-Rech [FDP]) Die CDU steht hier mit einer Rede nach dem Motto: Die Neunziger haben angerufen und möchten ihre Argumente wieder haben. (Heiterkeit von der SPD) Die Grünen argumentieren, der Antrag sei nicht schlecht, und hängen sich dann daran auf, dass keine Jugendpolitiker unterschrieben haben. (Beifall von der FDP und der SPD) Wenn wir solche Argumente suchen, um hier im Haus Politik zu machen, dann weiß ich auch nicht weiter. Ich habe mich mit diesem Antrag beschäftigt. Ich finde ihn – das kann ich gleich sagen – gut. (Beifall von der SPD) 03.12.2024 Ich habe dann Wumpus kennengelernt. Wumpus kannte ich bisher nicht; den kennen wahrscheinlich sehr wenige – einige Jugendliche mit Sicherheit. Er ist das Maskottchen von Discord; einer Internetplattform, auf der sich ursprünglich Gamer per Message oder Sprachkonferenz ausgetauscht haben. Hier tummeln sich viele junge Menschen, genauso wie bei Instagram, TikTok, Reddit, Jodel usw. Wo man sich lange aufhält, spricht man auch einmal Probleme an: Ich habe Stress in der Schule. Ich glaube, mir wächst gerade alles über den Kopf. Meine Alten nerven nur noch. Wer hat ein paar Tipps für mich? Ein solcher Beitrag steht oft am Anfang von Digital Streetwork. Wenn alles gut läuft, wird ein Streetworker anhand einer Suche von Signalwörtern aufmerksam. Er kann dann antworten und auf Hilfsangebote hinweisen. Manchmal gibt es auch noch einen direkten Austausch per Chat oder Telefonat, und dann geht alles hoffentlich den richtigen Weg. Man muss junge Menschen dort abholen, wo sie sind. Darauf habe ich an dieser Stelle schon in anderen Zusammenhängen hingewiesen. Junge Menschen sind sehr zeitintensiv in digitalen Räumen unterwegs. In der Coronapandemie sind die Onlinezeiten aufgrund fehlender Alternativen gestiegen. Nach der Pandemie gab es zunächst einen Rückgang. Die Jugenddigitalstudie der Postbank weist aber nun auf, dass die durchschnittliche Onlinegesamtzeit pro Woche um gut 1,5 Stunden auf rund 70 Stunden gestiegen ist. Das wird man kritisch sehen können, vor allem muss man es aber als Realität anerkennen. Wer junge Menschen nicht mehr im Jugendtreff, im Skaterpark, auf dem Bahnhofsvorplatz antrifft, der muss seine Art der Ansprache anpassen. Die klassische Sozialarbeit muss daher auch den digitalen Raum und damit weiterhin möglichst viele junge Menschen erreichen. Digitale Sozialarbeit wird dabei die klassische Sozialarbeit nicht verdrängen, sondern vielmehr weiterentwickeln und sinnvoll ergänzen. Viele Ansätze der digitalen Sozialarbeit gibt es bereits. Das von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderte Projekt „pre:bunk“ wendet sich gegen Desinformation: Junge Menschen sollen Sachverhalte besser hinterfragen lernen. „Streetwork@online“ wendet sich gegen religiös begründeten Extremismus. Mit Unterstützung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gehen Onlinestreetworker hier in den Dialog mit jungen Menschen, um extremistischem Inhalt etwas entgegenstellen zu können. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich das bereits mehrfach erwähnte Projekt „Digital Streetwork Bayern“ des Bayerischen Jugendrings. Der Erfolg des seit 2021 laufenden Projekts spricht für sich. Allein im Landtag ersten Halbjahr 2024 haben die digitalen Streetworker in Bayern mit 2.000 Menschen Kontakt gehabt. Rund 1.700 Beratungsgespräche oder Chats wurden geführt. Bei einer solchen Bilanz ist es nicht überraschend, dass es aus Deutschland und aus dem Ausland Anfragen von Akteuren der Jugendarbeit gibt, die vergleichbare Angebote planen. Die Zielgruppe des bayerischen Projekts sind junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren. Sie sollen Hilfe und Unterstützung in ihrem Alltag finden, sei es bei familiären Streitigkeiten, schulischem Stress, Drogenproblemen oder Liebeskummer. Besonderen Bedarf gibt es vor allem beim Thema „psychische Gesundheit“. Die digitalen Streetworker stehen natürlich unter Schweigepflicht. Sie sind zusätzlich geschult zur Onlineberatung und im Umgang mit Krisen. Digital Streetwork ist ein innovativer Ansatz, der es wert ist, ihn sich genauer anzuschauen. Vielen Fragen wird man sich noch annehmen müssen, wenn wir ein ähnliches Projekt in Nordrhein-Westfalen einführen wollen. So ist die klassische Sozialarbeit in der Regel an kommunale Träger gebunden. Die digitale Sozialarbeit hingegen wird vorrangig überregional agieren. Da werden wir uns neu organisieren müssen, und auch die Finanzierung der digitalen Sozialarbeit muss geklärt werden. Ich finde diesen Antrag, wie gesagt, ausgesprochen spannend, freue mich auf die Diskussion im Ausschuss und danke Ihnen für das Zuhören.

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