Guido Görtz
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem SPD-Antrag zu Digital Streetwork habe ich überlegt, ob ich digital erwidere. Aber jetzt stehe ich hier ganz analog und zur Primetime, (Zuruf: Sehr gut! – Zurufe von der SPD) und dann kommt so etwas. Was sich vermeintlich gut und ambitioniert anhört, erweist sich bei näherem Hinsehen als mehr Schein als Sein, als politischer Schnellschuss und als mit heißer Nadel gestrickt. Symptomatisch ist Ihr kurz vor Toresschluss nachgebesserter Antrag bezüglich des Beratungsverfahrens. Immerhin haben Sie aber noch gemerkt, dass weitere Fachausschüsse beteiligt werden müssen. Landtag Es geht um Digitalisierung, Jugendarbeit und den Kinder- und Jugendförderplan des Landes Nordrhein-Westfalen. Es sind zwei weitere Fachausschüsse und zwei weitere Ministerien hinzuzuziehen. Niemand bestreitet, dass die Digitalisierung in vielen Bereichen der Sozialen Arbeit eine unterstützende Rolle spielen kann. Digitale Tools können sicher auch dazu beitragen, Menschen in schwierigen Lebenssituationen und insbesondere junge Menschen, die sich häufig auf sozialen Medien bewegen, schneller zu erreichen. Allerdings haben die sozialen Medien und digitale Plattformen eine ambivalente Wirkung. Einerseits können sie Kontakte erleichtern. Andererseits fördern sie oft ein isolierendes Verhalten. Paradoxerweise kann die intensive Nutzung sozialer Medien das Gefühl von Einsamkeit verstärken, da virtuelle Kontakte den zwischenmenschlichen Austausch nicht ersetzen. Die Soziale Arbeit lebt von Vertrauen, Empathie und persönlichem Austausch. Diese essenziellen Elemente lassen sich nur bedingt in den digitalen Raum übertragen. Insbesondere in einem dicht besiedelten Bundesland wie Nordrhein-Westfalen mit vielen bestehenden Angeboten vor Ort ist die persönliche Ansprache, anders als bei den Strukturen in dem von Ihnen angeführten Land Bayern, leicht zugänglich und effizient. Eine Verlagerung hin zu digitalen Formaten könnte sogar kontraproduktiv sein, denn es besteht die Gefahr, dass die direkte Beziehungsebene geschwächt und damit das Problem „Einsamkeit“ verstärkt wird. Ihr Antrag bleibt in den entscheidenden Punkten unkonkret. Meinen Sie den Aufbau neuer Plattformen, Apps oder Social-Media-Angebote, oder sollen bestehende Strukturen dynamisch ergänzt werden? Letzteres geschieht bereits vielerorts durch Träger Sozialer Arbeit, die digitale Tools wie Onlineberatungen oder Social-Media-Präsenz längst nutzen. Was Sie vorschlagen, wirkt wie ein teurer Versuch, das Rad neu zu erfinden. Sie fordern zusätzliche Strukturen und Programme, die zwangsläufig neue Bürokratie und Kosten verursachen. Dabei sind die Ressourcen in der Sozialen Arbeit bereits knapp; Personalmangel und finanzielle Engpässe prägen den Alltag der Träger. (Zuruf von der CDU) Ein weiterer Punkt, der im Antrag zu kurz kommt, ist der Datenschutz. Viele Menschen, die soziale Angebote in Anspruch nehmen, befinden sich in sensiblen Lebenssituationen. Deshalb sind ihre Daten von Gesundheitsinformationen bis hin zu persönlichen Konflikten besonders schützenswert. Wie kann sichergestellt werden, dass diese sensiblen Informationen im digitalen Raum nicht missbraucht werden? 03.12.2024 Ohne klare Antworten auf diese Fragen gefährdet der Antrag der SPD nicht nur den Erfolg des Projekts, sondern er gefährdet auch das Vertrauen in die Soziale Arbeit insgesamt. Die Digitalisierung in der sozialen Arbeit muss ein Werkzeug und sie darf kein Selbstzweck sein. Das Ziel der CDU ist die Stärkung der sozialen Arbeit. Dafür braucht es durchdachte; realistische Ansätze, die bei den Menschen vor Ort direkt ankommen. Eine überhastete Verlagerung ins Digitale ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen (Zuruf von der SPD) wird diesem Ziel nicht gerecht. Die CDU-Fraktion empfindet Ihren Antrag als überhastet und unausgegoren. Dennoch stimmen wir dessen Überweisung in die drei Fachausschüsse selbstverständlich zu. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
