Christian Loose
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! An Bahngleisen gibt es nachts ein neues Spiel. Es heißt „Findet den Geisterzug“. Ich erkläre Ihnen das einmal. Die Bahn war nämlich so clever, mehr ICEs zu kaufen, als sie Parkplätze hat. Weil man diese Züge nicht irgendwo abstellen kann, fahren sie jetzt in Deutschland nachts durch die Gegend. Wenn Sie Glück haben, dann sehen Sie einen solchen Zug und können sich etwas wünschen. Aber pst! Bitte den Wunsch nicht verraten; sonst geht er nicht in Erfüllung. Das ist der ganz normale Wahnsinn in Deutschland. Die Folge ist, dass die Lokführer, die nachts diese Geisterzüge fahren, tagsüber für die normalen Fahrten fehlen, weil sie ihre Nachtschichten abfeiern müssen. Nun gut. Wie sieht denn der normale Alltag zum Beispiel im Ruhrgebiet aus? In der Regel wohnen und arbeiten Sie ja nicht am Hauptbahnhof. Das heißt, Sie müssen morgens erst mal zum Beispiel mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof fahren. Dann steigen Sie dort aus und spielen jeden Tag das neue Glücksspiel: Funktioniert die Rolltreppe oder nicht? 03.12.2024 Am Montag hatte ich das schöne Erlebnis, dass ein blaues Licht anzeigte, dass die Treppe funktioniert. Man geht hin und stellt fest: Nein, sie ist trotzdem kaputt. Nun gut. Nachdem man zwei Stockwerke hochgelaufen ist, fährt die dritte Rolltreppe dann doch. Das Prinzip „rechts stehen, links gehen“ haben leider nicht alle verstanden, sodass Sie sich irgendwie durchmogeln müssen, wenn Sie es eilig haben. Oben angekommen, latschen Sie fast in ein halbes Schnitzelbrötchen, wie auch immer es dort auf den Boden gekommen ist. Am Bahngleis angekommen – offen bei bitterer Kälte –, denken Sie sich, Sie wärmen sich ein bisschen in dem Wartehäuschen auf, und machen die Tür auf. Allerdings bewegen sich Ihre Füße aufgrund der olfaktorischen Erlebnisse in diesem Wartehaus plötzlich rückwärts, und Sie stehen dann doch auf dem Bahnsteig. Na gut, dann lieber in der Kälte warten. In zehn Minuten soll ja der verspätete Regional-Express kommen. Der Zug rollt ein. Aber halt! Er kommt nur mit einem einzigen Wagen. Die Menschen stehen darin schon wie die Ölsardinen zusammen. Jedoch begehen Sie jetzt den klassischen Anfängerfehler, wenn Sie Pech haben – das ist mir auch passiert –: Sie steigen nicht ein, sondern warten auf den fünf Minuten danach folgenden angeblich pünktlichen nächsten Regionalzug. Der kommt dann aber nicht nach fünf Minuten, sondern nach fünfundzwanzig Minuten. Allerdings erfahren Sie immer in Fünf-Minuten-Schritten, dass sich die Ankunft wieder und wieder und wieder verzögert. Sie denken, Sie sind in einer Zeitschleife. Nein, Sie sind einfach nur bei der Deutschen Bahn. Der nächste Zug rollt ein – und wieder Pech gehabt: nur ein Wagen statt zwei. Jetzt quetschen Sie sich aber rein, weil Sie ja mal zur Arbeit müssen, und genießen das Leben in vollen Zügen. In Düsseldorf endlich angekommen – übrigens nachdem Sie einen ICE überholen lassen mussten und weitere zehn Minuten verloren haben –, steigen Sie aus und denken sich: Heute nehme ich bequem den Seitenausgang, der etwas ruhiger ist. – Was erleben Sie dort? Das Drogenmobil, das gerade saubere Spritzen verteilt. Ein ganz normaler Tag bei der Deutschen Bahn! Für den, der mit dem Auto oder in der ersten Klasse im ICE fährt, was wir Politiker ja häufig genug dürfen, mag Bahnfahren etwas schöner sein. Heute habe ich nur drei Züge von Bochum gebraucht, um endlich in Düsseldorf anzukommen. Herr Röls-Leitmann hatte das ähnliche Problem. Da fiel nämlich der erste ICE aus, dann der zweite, und dann ging es weiter. Doch der Malocher erlebt das jeden Tag in den Regionalzügen. Es fehlen Milliarden bei der Infrastruktur der Deutschen Bahn – Milliarden, die Sie für die Subvention des Deutschlandtickets ausgegeben haben; Milliarden, die Sie lieber für die Infrastruktur in Landtag anderen Ländern, beispielsweise für Radwege in Peru, ausgeben. (Zurufe von der SPD und den GRÜNEN: Och! – Norwich Rüße [GRÜNE]: Ihnen ist auch gar nichts peinlich! – Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]) – Ja, meine lieben Damen, Sie schmeißen das Geld mit vollen Händen raus und beschweren sich dann, dass das Geld nicht da ist. Doch das Geld ist da. Sie verschwenden es halt nur, liebe Kollegen. (Beifall von der AfD) Aber wenigstens gönnen sich die Bahnvorstände Millionenboni für die Erfüllung von Klima- und Diversity-Zielen. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Peinlich! – Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Wahrscheinlich liegt es am Gendern!) Dass das Geld fehlte, lieber Herr Kollege, wusste schon der Grüne Horst Becker, der in der letzten Legislaturperiode hier saß, der aber 2011 Staatssekretär im Verkehrsministerium war und dem schon das Geld für den RRX ausging. Er verkündete damals kämpferisch, dass er jetzt massiv die Förderung des RRX beim Bund einfordern würde. 13 Jahre später fehlt Ihnen immer noch das Geld, wie das bei den Sozialisten halt immer ist. Wir brauchen aber keinen Sozialismus, sondern eine Politik für Freiheit, Wohlstand und Vernunft. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD – Gordan Dudas [SPD]: Die Rede wurde von Wladimir Putin geschrie- ben!)
