Zacharias Schalley
Vielen Dank. – Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Der Wolf gehört zu Deutschland – als sagenumwobenes Tier in den Grimm’schen Märchen. Der Wolf als großer Beutegreifer ist ein herrliches Wildtier – in der Wildnis. Nur, wo in Deutschland haben wir noch Wildnis? Selbst der Wald ist Forst oder Naherholungsgebiet, aber er besteht nirgendwo aus ausgedehnten und unverschnittenen Urwäldern. Nur hier könnte der Wolf eigentlich Wolf sein. Echter Tier- und Artenschutz, der einem Wolf gerecht würde, müsste ehrlicherweise einpreisen, dass ein so wildes Raubtier große Streifgebiete bräuchte, Beutetierdichte hin oder her. Ein Wolf braucht unbesiedeltes, unverschnittenes Land, damit er nicht in Konflikt mit den Menschen gerät. Aber genau das haben wir in Deutschland nicht. Wir kommen nicht umhin, zuzugeben: Der Wolf passt bei aller Liebe nicht zu einem so dichtbesiedelten Land wie Deutschland. Es gibt noch einen anderen Grund, aus dem ein wilder Beutegreifer, der Wildnis braucht, nicht zu Deutschland passt: Unser Land besteht aus Kulturlandschaften, die durch Schäfer und ihre Schafe, durch Rinder-14.11.2024 züchter und ihre Weidetiere erhalten werden. Nutztiere sind nämlich die beste Gewähr dafür, dass die über Jahrhunderte durch Menschenhand gewachsene Biodiversität auf Streuobstwiesen oder heckenumstandenen Weiden erhalten bleibt, und nicht das ökotechnokratische Landschaftsmanagement von NABU und BUND, das auf Brachlegung und landwirtschaftliches Reenactment setzt, und erst recht nicht das kostenintensive Wolfsmanagement, das nur ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für grüne Parteigänger ist. Der Antrag „Wolfsmanagement in NRW weiterentwickeln“ heißt vor allem, dem grünen Vorfeld die Pfründe zu sichern. Sie geben in Ihrem Antrag ja sogar zu, dass es – Zitat –: „Durch Zunahme der Wolfspopulation […] jedoch stellenweise zu Übergriffen von einzelnen Wölfen auf Weidetiere“ kommt. Lassen wir uns das auf der Zunge zergehen: „stellenweise“, „von einzelnen Wölfen“. Alles nur Einzelfälle. Das Muster kennen wir aus anderen Politikbereichen zur Genüge. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Oh Gott!) Dunkelgrün gibt sich generös: Obwohl alles nur Einzelfälle sind, tun wir trotzdem was für die Geschädigten. – Es stimmt, die Regierung tut tatsächlich was. Sie baut eine große Bürokratiekulisse auf, die den Schafshalter dazu bringt, dass er davor kapituliert, und dem Bürger den Eindruck vermitteln soll: Die tun tatsächlich was gegen die zunehmende Zahl der Wolfsübergriffe. – Aber das bürokratische Prozedere ist bewusst so angelegt, dass es so gut wie ausgeschlossen ist, dass ein Wolf geschossen werden kann. Der Fall „Gloria“ in Schermbeck zeigt es exemplarisch. Es kann erst zur letalen Wolfsvergrämung kommen, wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: Es müssen mehrere Nutztierrisse ein und desselben Wolfes zweifelsfrei durch genetische Zuordnung im Labor nachgewiesen sein. Es muss ein und derselbe Wolf nachgewiesenermaßen mehrmals und in kurzen Zeitabständen Herdenschutzmaßnahmen überwunden haben. Nun prüfte der Kreis Wesel im Fall „Gloria“ sogar erstmals eine Wolfsentnahme und erließ nach langer Prüfung eine Allgemeinverfügung. Die muss – wir ahnen es – eng mit dem Umweltministerium abgestimmt sein, das seinerseits eine Sondergenehmigung zu erteilen hat. Müßig ist, zu erwähnen, dass so eine Allgemeinverfügung, wenn sie endlich erlassen wird, befristet ist. Müßig ist auch, zu erwähnen, dass Tierschützer gleich den Klageweg vor Gericht bestritten. Ebenfalls müßig ist, zu erwähnen, dass auch noch ein Jäger für die letale Vergrämung gefunden werden muss, der sich dazu bereit erklärt. Das wiederum ist leichter gesagt als getan, weil die meisten Jäger be-Landtag rechtigte Angst vor Tierschutzfanatikern haben und weil ein Problemwolf dummerweise oft nur schwer von einem anderen Wolf zu unterscheiden ist. Wer möchte schon mit einem Bein im Knast stehen oder von militanten Tierschützern zu Hause besucht werden? Wir sehen, Wolfsmanagement besteht für die Landesregierung vor allem darin, Management zu simulieren. Es wird ein Papiertiger gegen den sehr realen und hungrigen Wolf aufgebaut, der als Scheinlösung fungiert und den unversöhnlichen Gegensatz zwischen Abschussgegnern und Abschussbefürwortern auflösen soll. Schlussendlich werden jedoch nur Betroffene entmutigt und unsere wertvollen Kulturlandschaften langsam vom Nutzvieh entvölkert. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Sie hängen der De- batte seit Jahren hinterher!) Unter diesem Nutzvieh gibt es oft genug seltene und vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Solche vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen ziehen den Kürzeren gegenüber einem Wolf, der erstens einen höheren Schutzstatus, zweitens eine höhere Gesamtpopulation und drittens die bessere Lobby hat. Da klingt das angekündigte Vorhaben, den – Zitat –: „angestoßenen Prozess zur Anpassung des Schutzstatus des Wolfes“ voranzutreiben, zwar ganz schön, aber in feinstem Politsprech auch unverbindlich genug, sodass am Ende alles so bleiben wird, wie es ist. Und mal Hand aufs Herz: Die Herabsetzung des Schutzstatus wird in Brüssel entschieden, nicht in Düsseldorf. Minister Krischer hat schon auf den dortigen Sündenbock gezeigt. Darum heult er im Landtag hin und wieder gegen den Wolf und fordert etwas, das er eigentlich überhaupt nicht will, nämlich den Wolfsabschuss. Aber auch hier hetzt der Wolf die Meute. Dem grünen Vorfeld ist der Wolf näher, als es die Weidetiere sind. Des Ministers Lösung: eine bürokratische Wolfsgrube, mit der die Wolfsentnahme zwar theoretisch ermöglicht, praktisch jedoch unmöglich gemacht wird. Selbstverständlich klingen die im Antrag genannten Forderungen auf dem Papier gut. Allerdings muss sich die Praktikabilität in der Realität erst noch erweisen. Wir stimmen der Überweisung selbstverständlich zu. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
