Dietmar Brockes
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Studien zeigen, dass Hundebisse nicht zwingend von gelisteten Rassen ausgehen, sondern oft auch von anderen Rassen oder Mischlingen. Eine pauschale Einstufung bietet daher keinen ausreichenden Schutz. Die Rasselisten fördern Vorurteile gegenüber bestimmten Hunderassen und deren Haltern, was zur Diskriminierung beitragen kann. Mehrere Studien unterstützen das Argument, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Hunderasse und Aggressivität besteht. So haben Untersuchungen am Canine Behavioral Assessment & Research Questionnaire, kurz: C-BARQ, gezeigt, dass innerhalb einer Rasse große Verhaltensunterschiede bestehen können. Diese Untersuchung zeigte, dass die individuelle Sozialisation und Erziehung sowie das Temperament des Hundes oft einen größeren Einfluss auf das Verhalten haben als die Rassezugehörigkeit alleine. Wir Freie Demokraten sprechen uns dafür aus, dass Züchter nur körperlich und geistig gesunde Hunde verpaaren und die dringend notwendige Sozialisierung im Welpenalter erfolgt. Der erste Kontakt des Welpen zum Menschen sollte positiv konnotiert sein. Leider gibt es immer noch viele – in Anführungszeichen – Züchter, die bei der Aufzucht auf Masse statt auf Klasse setzen. Ein großes Problem sind Importeure von Welpen aus Welpenfabriken aus dem Ausland. Dort werden unter tierschutzwidrigen Bedingungen Rassehunde gezogen und hier in Deutschland für einen niedrigeren Preis als beim heimischen Züchter angeboten. Momentan muss nach dem Landeshundegesetz ein Sachkundenachweis für die Hunde erbracht werden, die unter die 40/20-Regelung fallen. Das sind Hunde, die entweder höher als 40 cm oder schwerer als 20 kg sind. Natürlich gilt der Sachkundenachweis auch für alle gefährlichen Hunde und Hunde der Rasselisten. Der Sachkundenachweis fragt das grundlegende Wissen über Hundehaltung und Sozialverhalten von Hunden ab. Das sind Grundlagen, die jeder Hundehalter wissen muss. Viele Beißvorfälle, egal ob zwischen Hund und Mensch oder zwischen Hund und Hund, rühren Landtag daher, dass die Besitzer die Körpersprache der Hunde nicht verstehen und nicht lesen können. Die allerwenigsten Hunde beißen ohne Vorwarnung zu. Mit Augenmerk auf die Hinweise des Hundes könnten viele Vorfälle vermieden werden. Bei einer Ablegung des Sachkundenachweises bei einem Tierarzt oder einem staatlich anerkannten Hundetrainer sollte das Gespräch auch auf die Rasse des jeweiligen Hundes, der angeschafft werden soll, gelenkt werden. Insofern sehen wir Handlungsbedarf beim Landeshundegesetz. Aber die Vorschläge der AfD gehen in einigen Bereichen deutlich in die falsche Richtung. Trotzdem stimmen wir der Überweisung zu. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
