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Dr. Ralf Nolten

CDU 13.11.2024 Sitzungen 18/78

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Ein Winzer, der am Tode lag, Rief seine Kinder an und sprach: ‚In unserm Weinberg liegt ein Schatz: Grabt nur danach!‘“ (René Schneider [SPD]: Bitte keine Bütten- rede!) So beginnt die Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Ballade „Die Schatzgräber“ von Gottfried August Bürger. Menschen begannen damals mit der Bodenverbesserung durch Entwässerung, Lockerung, Umbruch, Aufsanden und anderes mehr. Bis dato war Boden einfach Boden: Träger von Häusern, Windmühlen, Betriebsstätten und von einem selbst. Wo er nicht standsicher war wie im Moor, da war er fremd und feindlich. „Mit Hacke, Karst und Sparten ward Der Weinberg um und um gescharrt.“ Erst mit der zunehmenden Merkantilisierung, der wachsenden Bevölkerung, der Entwicklung der Agrar- und Bodenwissenschaften setzte man sich mit dem Boden und seiner Struktur auseinander. Man wurde sich der unterschiedlichen Bodentypen mit ihrem jeweils spezifischen Ausgangsgestein und Eigenschaften wie Kapillarvolumen, Belebtheit, Wasserhaltefähigkeit, Bearbeitbarkeit bewusst. Man spricht je nach Sand-, Schluff- und Tongehalt von leichten, schweren und fetten Böden, von Minuten- und Stundenböden und von Erosionsgefährdung. Der Bodenwert, der die natürliche Ertragsfähigkeit widerspiegelt, zeigt die große Varianz; ein 90er-Boden ist etwas anderes als ein 20er-Boden. Ich entsinne mich noch der aufgegrabenen Boden-13.11.2024 profile von Braunerde, Gley und Podsol, der A-, Bund C-Horizonte, der unterschiedlichen Durchwurzelbarkeit, des Humusgehalts und der Belebtheit in den bodenkundlichen Übungen. Die Varianz spiegelt auch die Härte der Arbeit im Ringen um Ertrag und damit das Mensch-Boden-Verhältnis wider. Dabei ist manches durch die Technisierung und Analytik verloren gegangen. Eine Schweizer Agrarsoziologin sprach mit Landwirten über ihre Beziehung zum Boden. Die einen beschäftigen sich nur mit der chemischen Bodenanalyse hinsichtlich des NPK-Bedarfs. Die anderen reiben, riechen, fühlen, betrachten ihn. Afrikanische Studierende berichteten mir vom Springen auf Böden, um deren Elastizität, ihre Durchwurzelung, Belüftung und Belebtheit abzuschätzen. Es gibt in der Praktikantenausbildung den Hinweis, immer mit dem Spaten auf den Acker zu gehen. Viele Erfahrungszugänge sind verloren gegangen. Wer weiß noch um die Kälte des Bodens und den richtigen Zeitpunkt zum Legen von Kartoffeln oder Bohnen? Wer macht sich im Garten noch die Finger schmutzig? Grünpflanzen stehen mit Bewässerungssystem im Substrat, und der natürliche Boden ist dem Hochbeet gewichen. Die Einführung eines Planzeichens „Landwirtschaft“ zur Kennzeichnung und zum Schutz besonders ertragreicher Böden diskutieren wir erst jetzt. Boden, überwiegend landwirtschaftlich genutzt, ist Freiraum und Restkategorie in der Landesplanung. Warum sage ich das? Weil sich die Große Anfrage, begründet durch den Inhalt der Fragen, im Wesentlichen nicht mit der natürlichen Ressource „Boden“ auseinandersetzt, wie es im Titel angeführt wird, sondern vor allem mit der Flächennutzung. Man kann durchaus einen Fokus auf Brachen legen und ihr Potenzial für die Wiedernutzung zu Wohnund Gewerbezwecken beleuchten. Brachen haben aber nicht nur Trägerfunktion für Neues, sondern auch eine Funktion für den Erhalt innerstädtischer Erlebnisräume, für das Mikroklima, die Biodiversität und die Biotopvernetzung. Es gibt sogar die Forderung, diesen Naturschutz auf Zeit, die sogenannten Eh-da-Flächen, als gesetzlich geschützte Biotope auszuweisen. Ich war entsetzt, als ich gestern Abend den Entschließungsantrag der SPD gelesen habe. Für diese zum Teil phrasisch vorgebrachten Feststellungen und Forderungen bedurfte es der Großen Anfrage und der immensen Arbeit der Verwaltung für deren Beantwortung, für die ich herzlich danke, nicht. (Beifall von der CDU und Norwich Rüße [GRÜNE]) Landtag Als „… jede Rebe dreifach trug Da wurden erst die Söhne klug Und gruben nun jahrein, jahraus Des Schatzes immer mehr heraus.“ Die Große Anfrage bietet einen Schatz an Zugängen und Informationen zu vielen Fragen an den Erhalt und die Nutzung von Böden und auch zur Umsetzung der erwarteten EU-Bodenüberwachungsrichtlinie. Graben wir sorgfältig und nicht oberflächlich vom Küchenfenster aus! – Vielen Dank. (Beifall von der CDU)

Protokoll ↗