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Eileen Woestmann

GRÜNE 10.10.2024 Sitzungen 18/77

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Mit diesem Zitat von Ludwig Wittgenstein beginnt unser Antrag, und ich finde ihn wirklich zentral. Warum? Sprache bedeutet, sich ausdrücken zu können, sich mitzuteilen, in Interaktion zu treten und Beziehung zu gestalten. Kinder lernen in ihren ersten Lebensjahren, zu sprechen, und sie dabei begleiten zu dürfen, ist spannend, teilweise herausfordernd, manchmal ein bisschen lustig und immer wieder aufs Neue beeindruckend. Denn Kinder lernen – anders als wir Erwachsene, wenn wir eine neue Sprache lernen – nebenbei im Alltag, durch Nachahmung und Interaktion. Dabei ist klar festzuhalten: Mehrsprachig aufzuwachsen, ist für Kinder ein großes Plus. In NRW haben wir in den Kitas eine alltagsintegrierte Sprachförderung, und das ist ein wichtiger Baustein der frühkindlichen Bildung. Durch Vorlesen, Singen, Spielen und beim Unterhalten wird die Sprache in den Kitas gefördert. Aber in den Kitas geht es eben nicht nur um die Förderung, sondern leider auch sehr viel um Dokumentation. Da läuft in Nordrhein-Westfalen einiges parallel. Die BeDo-Studie hat ergeben, dass in einer Kita teilweise vier Verfahren zur Bildungs- und Entwicklungsdokumentation gleichzeitig laufen. Es gibt allein in Nordrhein-Westfalen 44 verschiedene Dokumentationsverfahren, und dabei wird Bildungs- und Entwicklungsdokumentation munter durcheinandergebracht. Es hört sich sehr ähnlich an und wird gern synonym verwendet, es ist aber nicht synonym. Bei der Bildungsdokumentation geht es zum Beispiel um eine Portfolioarbeit. Es werden die Werke der Kinder in einer Mappe zusammengestellt. Es werden Fotos festgehalten. Das Ziel soll sein, dass die Kinder mitgestalten und deutlich wird: Das hast du schon geschafft, das hast du hier erlebt. – Es geht um einen ressourcenorientierten Blick auf das Kind. Bei der Entwicklungsdokumentation ist es anders. Da sprechen wir von einer hochstandardisierten Form der Beobachtung. Es geht um Basic-Bögen beispielsweise. Das ist ein fester Katalog mit 25 Seiten mit Fragen zum Ankreuzen: Spricht das Kind vollständige Sätze? Ja oder nein? Fakt ist, dass diese sehr unterschiedlichen Verfahren dazu führen, dass es bei den Fachkräften Verunsicherung gibt, weil nicht klar ist, mit welchem Blick gerade auf das Kind geschaut wird. Geht es darum, welche Stärken ein Kind mitbringt, oder wird ein Können oder ein Nichtkönnen diagnostiziert? Diese Dokumentation frisst viel Zeit. Dabei stellt sich auch die Frage, wofür denn eigentlich dokumentiert 10.10.2024 wird. Diese Verunsicherung führt dazu, dass tendenziell zu viel erhoben wird und unklar ist, welche Instrumente für was geeignet sind. Ist es sinnvoll, für alle Kinder die gleiche Entwicklungsdokumentation anzusetzen oder wäre es nicht eigentlich sinnvoller, bei den Kindern genauer hinzuschauen, bei denen Fachkräfte einen besonderen Bedarf, feststellen? Es lief die BeDo-Studie von 2018 bis 2020, und dann ist sie leider in der Versenkung verschwunden. Es ist gut, wenn diese Punkte, die da herausgearbeitet wurden, jetzt umgesetzt werden. Das Ziel muss sein, dass sich der Dokumentationsaufwand in den Kitas reduziert, dass Verfahren vereinfacht werden, dass Erzieherinnen und Erzieher mehr Zeit am Kind verbringen können und nicht bei der Dokumentation. Ja, auch der Übergang von Kita zur Schule braucht Optimierung, damit die bestehende Dokumentation nicht einfach unter den Tisch fällt, sondern in Schule weiter damit gearbeitet werden kann. Dennoch braucht es auch für den Erwerb von Sprache weitere Netzwerke, denn allein die Kita soll und kann es nicht auffangen.

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