Inge Blask
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren der AfD-Fraktion, Sie haben hier einen, ich nenne es mal, interessanten Antrag zum Thema „Straußwirtschaft“ eingebracht. Für alle, die sich wundern: Es geht hier nicht um den Vogel Strauß, sondern um saisonale Gastwirtschaften, Landtag die vor allem in Weinregionen existieren und auch als Besenwirtschaften bekannt sind. So weit, so gut. Nun geht es mit der Verwunderung aber weiter, denn eigentlich hat die rot-grüne Landesregierung das Thema 2012 damit abgeräumt, dass sie Winzern und insbesondere auch den Obstbauern in Nordrhein-Westfalen den Betrieb ebendieser Schrankwirtschaften erlaubt und die Verordnung hierzu in Nordrhein-Westfalen umgesetzt hat, (Beifall von Gordan Dudas [SPD] und Julia Kahle-Hausmann [SPD]) und zwar als Reaktion auf eine damalige Petition der Obstbauern genauso, wie es dieses Modell traditionell vorsieht: saisonal, einfach und unkompliziert. (Beifall von der SPD) Das ist übrigens gelebte und funktionierende Demokratie, aber damit haben Sie es ja nicht so. Nun fordert die AfD in ihrem Antrag satte zwölf Jahre später, das Angebot in diesen Besen- oder Straußwirtschaften auf – Zitat – „komplexere Speisen“ auszudehnen und die geltende Landesverordnung auf alle möglichen Betriebe anzuwenden. Dabei machen Sie direkt das ganz große Fass der Regionalvermarktung, der Pflege bäuerlicher Kultur und der Stärkung der heimischen Landwirtschaft im Zuge der Globalisierung auf. (Gordan Dudas [SPD]: Kartoffeln verkaufen!) Ich kann mir das nur so erklären: Jemand von der AfD war im Süden Nordrhein-Westfalens in einem Weinbaugebiet unterwegs, hat dort etwas bei einem Winzer verkostet und großen Hunger bekommen. Die ansässige Straußwirtschaft konnte ihm aber, wie es das Konzept dieses Betriebes nun mal vorsieht, statt der gewünschten Schweinshaxe nur eine kalte Platte und eine Stulle anbieten. Die Enttäuschung war so groß, dass Sie das Ganze nun in einem Antrag verarbeitet haben. Mal ganz im Ernst, meine Dame und Herren von der AfD: Was Sie da fordern, ist entweder ein Hofcafé in einem Hofladen oder schlicht und einfach ein Restaurant. Wenn Sie sich mal auf Höfen und landwirtschaftlichen Betrieben in unserer Region umschauen würden, dann hätten Sie dort gesehen, dass viele Bäuerinnen und Bauern genau mit solchen Hofcafés und Läden Direktvermarktung betreiben und ihre Produkte direkt vor Ort an die Konsumenten bringen. (Beifall von der SPD) Ihr Antrag ergibt leider keinen Sinn. Deswegen lehnen wir ihn selbstverständlich ab, aber wir werden der Überweisung natürlich zustimmen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kollegen bei der nächsten Weintour mehr Glück bei der Auswahl der Gastronomie. – Herzlichen Dank. 10.10.2024 (Beifall von der SPD – Heiterkeit von Christian Dahm [SPD])
