Sven Werner Tritschler
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer von 1933 bis 1945 dazugehören und seine Treue zu den Herrschenden signalisieren wollte, der sprach von „Volksgenossen“, „Ostmark“ und „Gefolgschaft“ anstatt von „Mitbürgern“, „Österreich“ und „Mitarbeitern“. Wer von 1949 bis 1989 nicht in Schwierigkeiten geraten wollte, der sprach im Osten Deutschlands von „Genossen“, „Werktätigen“ und „nichtsozialistischem Ausland“ anstatt von „Kollegen“, „Arbeitnehmern“ und dem „Westen“. Wer heute in Russland seine Regimetreue zeigen möchte, der spricht von einer „militärischen Spezialoperation“ anstatt von „Krieg“ oder gar „Angriffskrieg“ in der Ukraine. Sprachregeln – geschrieben oder ungeschrieben –, mit denen man, vorsichtig ausgedrückt, seine Zugehörigkeit zu irgendeinem Mainstream signalisieren kann, sind also weder eine deutsche Besonderheit noch eine Besonderheit unserer Zeit. Wer in Deutschland 2024 anzeigen will, dass er ein besonders guter woker, gerechter und aufrichtiger Staatsbürger ist, sagt zum Beispiel „Redepult“ statt „Rednerpult“. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Das sagt wirklich niemand!) Er sagt „Mitgliederinnen“ statt „Mitglieder“ oder, wie unlängst ein WDR-Moderator, „Krankenschwester*innen“. Jetzt kann man das belächeln oder sich darüber freuen, dass sich die intellektuell nicht Satisfaktionsfähigen selbst markieren, und natürlich darf jeder reden wie er möchte. Sanskrit, Esperanto, Platt oder sonst etwas: Alles ist erlaubt, (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) wenn – das ist die ausdrückliche Bedingung – man das in eigener Sache und eben nicht als Hoheitsträger tut. Deshalb ist auch das vermeintliche Gegenargument, das der eine oder andere sicher schon auf seinem Zettel hat, (Zuruf von Elisabeth Müller-Witt [SPD]) dass wir hier die Verbotspartei seien, weil wir etwas verbieten wollen, Blödsinn. Wer für diesen Staat tätig ist, muss sich eben an Verbote und an Gebote halten, wenn er mit den Bürgern unseres Landes umgeht. Er darf den Menschen nicht ein ideologiegetriebenes Projekt irgendeiner Pseudoelite aufzwingen, das keinerlei Rückhalt in der Bevölkerung hat. Umfrage über Umfrage zeigt: 70 % bis 80 % der Menschen im Land lehnen die Gendersprache bzw. gendergerechte Sprache ab. Im Übrigen ist darunter auch stets eine große Mehrheit an Frauen, denen dieses Projekt angeblich dienen soll. Landtag Aber das ficht Sie nicht an. Schritt für Schritt wird es in staatliche Schriftstücke, in Formulare und in Verlautbarungen eingeschleust und so mehr und mehr normalisiert. Sie werden gleich sagen, dass das ja niemand machen muss. So einfach ist es aber nicht. Auch von 33 bis 45 und von 49 bis 89 gab es kein Sprachgesetzbuch, und auch hier hat man die politisch korrekte Sprache Schritt für Schritt informell in die Köpfe der Menschen verpflanzt. Wer sich nicht als Regimegegner, als Ewiggestriger oder gar als Reaktionär markieren wollte, hat brav nachgebetet, was ihm von oben vorgegeben wurde. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Sie haben echt Angst vor dem Genderstern! Das ist echt pein- lich! – Elisabeth Müller-Witt [SPD]: Ja!) Schülerinnen, Schüler und Studenten erleben das schon heute schon landauf, landab. Wer keinen Punktabzug von seiner feministisch bewegten Deutschlehrerin oder seinem Dozenten an der Universität haben möchte, der gendert besser seinen Aufsatz oder seine Hausarbeit. Deshalb noch einmal und in aller Klarheit: Wir wollen keine Einmischung des Staates in den Sprachgebrauch der Menschen. Genau deshalb wollen wir auch, dass diejenigen unter uns, die für diesen Staat handeln, die deutsche Sprache in der Form verwenden, die hergebracht ist und von anerkannten Instanzen wie dem Rat für deutsche Rechtschreibung empfohlen wird. Eigentlich ist das selbstverständlich, aber in Deutschland 2024 muss man das vielleicht noch einmal festhalten. (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Dieser Auffassung sind offenbar nicht nur gesicherte Rechtspopulisten wie ich, (Elisabeth Müller-Witt [SPD]: Ach, das ist doch schön!) sondern zum Beispiel auch die bayerische Landesregierung, die im vergangenen März das Gendern in den Behörden des Freistaats untersagt hat. Jetzt können Sie zu Recht einwenden, dass das bei Markus Söder nicht viel heißen muss und im nächsten Jahr wieder anders sein kann. (Elisabeth Müller-Witt [SPD]: Jetzt kommt Hessen!) Dann schauen wir halt einmal nach Hessen. Dort regiert Schwarz-Rot, und dort gibt es seit diesem Jahr auch entsprechende Regeln. Nur die NRW-CDU rührt sich nicht, während Friedrich Merz, der auch Angehöriger der NRW-CDU ist, öffentlich gegen die Gendersprache agitiert. Man wirft sich lieber vor dem grünen Koalitionspartner in den Staub. Wir hingegen stehen zur Pflege und zum Erhalt unserer Sprache und gegen ideologisch totalitäre Sprach-10.10.2024 vorschriften und bitten um Unterstützung für diesen Antrag. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD – Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Ihre Anträge werden immer lang- weiliger! Angst vor dem Genderstern sagt viel über Sie aus! – Gegenruf von Sven Werner Tritschler [AfD])
