Susanne Schneider
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Als ich meine beiden Landtag Vorrednerinnen hörte, erinnerte mich das an den Politiker-Bingo-Klassiker: Haben wir schon, brauchen wir nicht, Berlin zuständig. – Das sagen wir dann den Frauen, die genau mit den Problemen der Wechseljahre oder des Klimakteriums kämpfen. Die hören dann immer: Stell dich nicht so an. – Das werden wahrscheinlich die meisten Frauen hören, die sich überhaupt trauen, über dieses Thema „Wechseljahre“ zu sprechen. Gerade Männer reagieren vielfach mit Unverständnis. Sie sind eben nicht in gleicher Weise betroffen. Zwar erleben auch sie mit ungefähr 40 eine Hormonumstellung, aber etwas Vergleichbares wie die Wechseljahre müssen Männer nicht durchleben. Und dann kommt die Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft, Dr. Katrin Schaudig, auch zu dem provokanten Urteil, dass wir in der Sache längst viel weiter wären, wenn Männer auch in die Wechseljahre kämen. Die Beschwerden, die Frauen in den Wechseljahren haben, sind ganz unterschiedlich. Wir haben es zum Teil schon gehört: Sie treten meist im Alter zwischen 45 und 55 Jahren auf; die Wechseljahre können aber auch früher eintreten und länger dauern. Typische Symptome sind Ängste, Schlafstörungen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Abgeschlagenheit und das Gefühl, nicht mehr attraktiv und vollwertig zu sein. Es sind also nicht nur die Hitzewallungen, die meistens mit der Thematik in Verbindung gebracht werden. Das Klimakterium stellt eine bedeutende Phase im Leben vieler berufstätiger Frauen dar. Diese Phase geht oft mit körperlichen und psychischen Veränderungen einher, die sich auf das Arbeitsleben auswirken. Die Folgen der Beschwerden in den Wechseljahren spüren daher nicht nur die Betroffenen, sondern die gesamte Volkswirtschaft. Nach einer britischen Studie gaben 99 % der Frauen an, dass sich die Beschwerden negativ auf ihren Beruf auswirken. Als Reaktion darauf denkt fast die Hälfte darüber nach, beruflich kürzerzutreten oder ganz auszusteigen. Beides können wir uns selten leisten. Berechnungen aus den USA zeigen einen enormen Schaden für die Volkswirtschaft, der unmittelbar auf Beschwerden aufgrund der Wechseljahre zurückzuführen ist. So verliert die US-Wirtschaft durch den Arbeitsausfall von Frauen im Klimakterium jährlich einen Milliardenbetrag. Nach einem Bericht, den ich für meine Kleine Anfrage zur Thematik genutzt habe, sind es sogar 27 Milliarden US-Dollar im Jahr und damit noch deutlich mehr, als die SPD es in ihrem Antrag annimmt. Die erste deutsche Studie zu diesem Bereich kommt jedenfalls zu ähnlichen Ergebnissen. Nach der Studie MenoSupport muss etwa jede vierte Frau in den Wechseljahren beruflich kürzertreten. Die Studie zeigt vor allem auch, dass die Menopause in Unternehmen 09.10.2024 immer noch ein Tabu darstellt. Betroffene Frauen scheuen sich davor, am Arbeitsplatz über die Symptome zu sprechen. Sie haben Angst, dass ihre Beschwerden nicht ernstgenommen werden, dass sie stigmatisiert werden und womöglich gemobbt werden. Mehr als die Hälfte der Befragten stuften Beschwerden aufgrund der Wechseljahre als Tabuthema ein. Offenkundig fehlt in den Unternehmen vielfach noch das Bewusstsein, dass sich die Wechseljahre auf die Arbeitsfähigkeit auswirken können. Vor allem Führungskräfte sind kaum für das Thema sensibilisiert. 96 % der befragten Frauen hatten das Gefühl, dass Führungskräfte die Problematik übersehen. Als ich kürzlich die Antwort auf meine Kleine Anfrage gelesen habe, drängte sich mir doch der Eindruck auf, dass die Thematik in der Landesregierung ebenfalls noch nicht so richtig angekommen ist. Dabei werden mittlerweile auch in Deutschland erste Unterstützungsangebote gemacht. Dazu zählen unter anderem Awareness-Vorträge, E-Learning-Angebote zur Aufklärung für Angestellte und Führungskräfte sowie die Ausbildung von Beschäftigten zu einer Art Wechseljahrs- oder Menopausen-Beauftragten. Konkrete Maßnahmen können flexiblere Arbeitszeiten und Rückzugsmöglichkeiten am Arbeitsplatz wie auch atmungsaktive Berufskleidung sein. Ventilatoren, Klimaanlagen und Wasserspender können bei auftretenden Hitzewallungen für Abkühlung sorgen. Eine adäquate Unterstützung und Sensibilisierung am Arbeitsplatz können auch dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen für betroffene Frauen zu verbessern und ihre berufliche Entwicklung zu fördern. Angesichts des akuten Fachkräftemangels ist es für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zudem ein echter Gewinn, gut ausgebildete und berufserfahrene Frauen im Unternehmen zu halten. Das gilt auch für die in der Landesverwaltung beschäftigten Frauen. Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich sehr, dass die SPD-Fraktion meine Kleine Anfrage für ihren Antrag aufgegriffen hat, und stimme dem natürlich sehr gerne zu. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD)
