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Lisa-Kristin Kapteinat

SPD 09.10.2024 Sitzungen 18/76

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für die SPD-Fraktion kann ich insbesondere im Namen mei-09.10.2024 nes Kollegen Herrn Bakum sagen, dass die Sache aus der Welt ist. Vielen Dank für Ihre offenen Worte. Ich möchte jetzt kurz auf Ihre Rede eingehen. Wir sind gar nicht so, dass wir sagen, es dürfe nicht mehr kommen und wir nicht erhöhen müssten. Sie können mit uns gerne über eine Vermögensteuer, eine Erbschaftsteuer reden. Das alles können wir gerne diskutieren. Sie können sich dafür gerne auch Berlin stark machen. Da sind wir mit einer Bundesratsinitiative – alles, was Sie wollen – an Ihrer Seite. (Beifall von der SPD und Arndt Klocke [GRÜNE] – Thorsten Klute [SPD]: Wir spre- chen auch mit Herrn Merz darüber!) – Genau. Herrn Merz dürfen wir gerne zu dem Termin auch dazu laden. Zum anderen haben Sie natürlich recht. Das kostet alles Geld, und damit muss man umgehen. (Zuruf von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales) – Herr Minister, jetzt versuche ich, auf Ihre Rede einzugehen. Aber gerade weil Gesundheit Geld kostet und Sie schon so lange dabei sind, wissen Sie auch, wie viele Kosten wir im Gesundheitssystem mit einer vernünftigen und funktionierenden Prävention einsparen können. Genau das ist einer der Punkte, auf die wir hier eingehen. Wir sprechen auch darüber, dass es nicht nur darum geht, dass seelische Erkrankungen etwas ganz Schreckliches für die Betroffenen, aber auch für deren Angehörige sind, sondern wir haben auch darüber gesprochen, dass es eine dramatische Auswirkung auf die finanzielle Situation von Unternehmen, des Staates hat. Wir wissen, ganz viele Krankheitstage sind auf seelische Erkrankungen zurückzuführen. Wir wissen, viele Gesundheitskosten hängen mit seelischer Erkrankung zusammen, übrigens alles steigend. Entsprechend müssen wir schauen, welche Voraussetzungen wir schaffen können, um frühzeitig anzufangen und dafür zu sorgen, dass diese Kosten sinken, aber insbesondere, damit es den Bürgerinnen und Bürgern besser geht, die an seelischen Erkrankungen leiden. Ich zitiere aus Erfahrungsberichten der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: „Anfang 1996 merkte ich, dass mit mir etwas nicht stimmte: Schlaflosigkeit, überall Schmerzen. Der Tag erschien zerknüllt wie eine alte Zeitung. Ich wusste nur noch, dass ich zum Arzt musste. Ich hatte eine Depression. Ich spürte das körperlich: Die Adern brannten, die Nervenenden zappelten förmlich in der Gegend herum, und nichts machte diesem Spuk ein Ende.“ – Evi, 54 Jahre. Landtag „Alles fing damit an, dass bei mir im April/Mai 2016 Schlafstörungen auftraten. Anfangs waren die noch leicht. Dazu kamen dann nach einiger Zeit noch Panikattacken. Während eines zweiwöchigen Urlaubs konnte ich mich nicht erfreuen, geschweige denn erholen – im Gegenteil. Nach dem Urlaub wurden die Schlafstörungen und Panikattacken so stark, dass ich höchstens noch auf eine Stunde Schlaf pro Nacht kam.“ – Etienne, 32 Jahre. Und ein weiteres Zitat aus dem t3n Backstage Blog, das sich insbesondere mit Depressionen rund um den Arbeitsplatz beschäftigt. „Ich hatte versucht, alles zu tun, frühestmöglich Bescheid zu sagen – nicht nur, weil es mit meiner Performance gefühlt massiv bergab ging, sondern auch, damit eventuell Vorbereitungen getroffen werden können. Können wir etwas ändern, damit ich mich bis zum Therapiestart nicht komplett abschmiere? Können wir nach meiner Rückkehr langfristig etwas ändern? Stichwort Stundenreduzierung. Wie lange werde ich ausfallen? Sowohl da als auch bei meiner Rückkehr war ich so krass erleichtert, dass niemand Erklärungen forderte, keine Rechtfertigung, keine Beteuerung, dass ich wirklich krank bin. Meine Kolleginnen habe ich durch meine verzerrte Depressionsbrille als perfekte Menschen gesehen, die die krassesten Texte in zwei Stunden schreiben, eine healthy Work-Life-Balance wahren und die kreativsten Ideen ever haben. In keinem Leben könnte ich so gut schreiben wie sie.“ Das ist eine klassische depressive Denkverzerrung, die einsam macht. Alle können das, nur ich nicht! Diese Berichte unterstreichen das, was mein Kollege Rodion Bakum zu Beginn der Debatte schon deutlich gemacht hat: wie wichtig dieses Thema ist und wie sehr es die Menschen beschäftigt. Trotzdem noch einmal ein paar Fakten, die gerade rund um die Woche der seelischen Gesundheit immer wieder zu Recht in unseren Fokus geraten. Ausweislich des AOK-Gesundheitsatlas „Depressionen“ leiden alleine in Westfalen 1 Million Menschen an Depressionen. Dabei ist dieser Wert seit fünf Jahren stetig steigend. Kein gutes Zeichen für die Betroffenen, ihre Familien, aber auch kein gutes Zeichen für Kolleginnen und die Unternehmen. Frauen sind dabei stärker gefährdet, an Depressionen zu erkranken. Auch die Zahl der Suizide bei Frauen ist deutlich steigend. Ein Zuwachs – er umfasst ein Fünftel in NRW – ist auffällig und besorgniserregend. Es geht hier – wörtlich – um Leben und Tod. Entsprechend darf Politik sich nicht wegducken. Es ist vielmehr wichtig, dass die Landesregierung 09.10.2024 dieses Thema auch für sich erkennt und entsprechende präventive Maßnahmen ergreift. Weil uns bewusst ist – wir haben gerade schon darüber gesprochen –, dass der eine oder andere hier im Saal besonders für fiskalische Argumente empfänglich ist: Die durchschnittliche Krankheitsdauer bei seelischen Erkrankungen liegt bei 36 Tagen, mehr als dreimal so hoch wie bei allen anderen Erkrankungen. Bereits jetzt waren es im Jahre 2024 mehr Krankentage aufgrund von seelischen Erkrankungen als im ganzen Jahr 2023. Dabei wird als einer der Gründe neben der globalen Krise auch ganz eindeutig die Verdichtung in der Arbeitswelt genannt. Die Kosten alleine für Depressionen sind mit 9,5 Milliarden Euro höher als bei Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus. Insbesondere bei der Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz ist das Land am Zug. Wir haben hier eine klare Sammlung an Maßnahmen vorgelegt, die die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes fördern und schützen können. Sowohl die Rede des Kollegen Klocke als auch Ihre Rede, Herr Minister, haben uns gerade durchaus Hoffnung gegeben, dass wir rund um die Anhörung, rund um die Beratung im Ausschuss gemeinsam weiterkommen werden und die Situation für die Betroffenen verbessern können. Liebe Frau Kollegin Schneider, vieles von dem, was Sie gesagt haben, hätte ich unterschreiben können. Aber es geht bei unseren Forderungen nicht darum, mehr Bürokratie zu schaffen, sondern wir wollen schlicht dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden. Ich vermute, das ist auch im Interesse von den allermeisten hier im Saal. (Beifall von der SPD) Abschließend, ohne auf Einzelfälle eingehen zu wollen: Seelische Erkrankungen müssen aus der Tabuzone herausgeholt werden. Das ist absolut richtig. Es steht aber niemandem zu, über den Gesundheitszustand eines anderen zu sprechen, wenn der das nicht selber zum Thema machen möchte. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD)

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