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Prof. Dr. Daniel Zerbin

AfD 12.09.2024 Sitzungen 18/74

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Alles, was uns begegnet, lässt Spuren zurück, alles trägt unmerklich zu unserer Bildung bei – das kann man bei Goethes Wilhelm Meister lesen, und das gilt heute natürlich immer noch. Um Bildung und deren Spuren beim Menschen geht es auch im vorliegenden Antrag, genauer gesagt um die Bildung von Erwachsenen in der beruflichen Ausbildung und im akademischen Studium sowie um die Verflechtung beider Bildungswege. Was wird mit dem Antrag beabsichtigt? Sie möchten eine bessere Anerkennung von beruflichen Abschlüssen im Rahmen des DQR, des Deutschen Qualifikationsrahmens. Damit würde der Zugang zu Studiengängen für Personen mit beruflicher Qualifikation erleichtert. Sie sehen Verbesserungspotenziale bei der Anerkennung europäischer und internationaler Abschlüsse. Der DQR erweitert die Kategorien und Kompetenzbeschreibungen und soll damit den EQR, das ist der Europäische Qualifikationsrahmen, konkretisieren. Mit den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen soll eine einheitliche Bewertung anhand der DQR-Kompetenzen sichergestellt werden. Die Kenntnisse über berufliche Aus- und Weiterbildungsqualifikationen sollen durch Fortbildungs- und Vernetzungs-Landtag treffen verbessert werden. Letztendlich sollen beruflich qualifizierte IT- und MINT-Fachkräfte bezüglich eines Studiums unterstützt werden. Das klingt erst einmal alles relativ seicht, und das hören wir auch nicht zum ersten Mal. Wir werden es sicherlich auch noch einmal hören, wenn der Entwurf für das neue Hochschulgesetz kommt. Gerade die MINT- Bereiche sind aktuell immer wieder ein Thema und absolut notwendig, wenn wir als Nordrhein-Westfalen zukünftig wettbewerbsfähig bleiben wollen. Doch woher kommt der Fachkräftemangel? Ist der vom Himmel gefallen? Immerhin werden in Deutschland im Jahre 2040 bis zu 663.000 IT-Fachleute fehlen. Da fragt man sich: Wo sind die vielen Goldstücke geblieben, die uns hier seit zehn Jahren versprochen werden? Das Problem ist schon seit mehr als 20 Jahren bekannt. Berühmt wurde der Ausspruch des ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers; stark verkürzt hieß es im Jahr 2000: Kinder statt Inder. – Daraus ist nichts geworden. Das zeigt der demografische Faktor. Der ist so schlecht wie noch nie. Umso mehr erstaunt es, dass unser Thema des Einsatzes und der Chancen der KI für die Weiterbildungskonferenz hier im Landtag abgelehnt wurde. (Julia Eisentraut [GRÜNE]: Weil wir letztes Jahr schon darüber gesprochen hatten!) – Nein, wir hatten nur zum Teil darüber gesprochen. Wir hatten über Chancen und Nutzen der Weiterbildung und über Fachkräftegewinnung geredet. Das war nur ein Teilbereich. (Julia Eisentraut [GRÜNE]: Es gab einen Workshop!) – Lesen Sie das mal nach, Frau Eisentraut. Dabei ist uns die Lösung eigentlich schon längst bekannt. Wir müssen die MINT-Fächer stärker in den Fokus nehmen. Das macht zum Beispiel Ungarn – das haben wir bei der Parlamentarierreise vor einigen Tagen mitbekommen. Es muss wieder attraktiver werden, und es muss gefördert werden, sich den Herausforderungen in einem der MINT-Bereiche zu stellen, anstatt sich mit einem Chai Latte in einem angesagten Szeneviertel als Influencer zu versuchen. Außerdem darf die Akademisierung der Berufe nicht in dem Maße voranschreiten, wie es in der Vergangenheit geschehen ist. Eine Gesellschaft braucht auch Facharbeiter sowie Meister und nicht nur Akademiker, zumal die Gefahr besteht, die wissenschaftliche Ausbildung zu verwässern und das Niveau zu senken. Daher muss die politische Anerkennung von Ausbildungsberufen in unserer Gesellschaft weiter gefördert werden. Zuletzt müssen wir die Lücken mit KI ausfüllen und deren Möglichkeiten bei Arbeitsprozessen weiter in den Fokus rücken. 12.09.2024 Ich komme zum Schluss. Ihr Antrag spricht durchaus ein gängiges Problem an. Ob der Maßnahmenkatalog ausreichend sein wird, werden wir sicherlich sehen. Wir haben allerdings noch Zweifel. Dennoch freuen wir uns natürlich auf die Aussprache im Ausschuss und werden der Überweisung dementsprechend zustimmen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

Protokoll ↗