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Dr. Günther Bergmann

CDU 12.09.2024 Sitzungen 18/74

Herr Präsident! Meine Damen! Meine Herren! Vorab ein herzliches Dankeschön an die Liberalen und an die Sozialdemokraten für die Initiative. Die Grünen und die CDU haben das gerne aufgegriffen. Es ist auch ganz gut, dass wir heute die Gelegenheit haben, uns mal wieder jenseits der Tagespolitik zu verorten und der Dinge bewusst zu werden, die wichtig sind. Es ist das 85-jährige Gedenken – es ist schon gesagt worden –, das heute hier einen öffentlichen Rahmen bekommt. Es ist schon viel Richtiges von Josef Neumann, aber auch von Herrn Dr. Pfeil gesagt worden. Ich will das alles nicht wiederholen. Vor fünf Jahren waren wir als Parlamentariergruppe mit André Kuper, dem Präsidenten des Landtags von Nordrhein-Westfalen, in Danzig bei einer Veranstaltung anlässlich der 80. Wiederkehr des Angriffs auf Danzig. Ich glaube, jeder, der damals dabei war, hat heute noch eine gewisse Gänsehaut, wenn er an diese Veranstaltung denkt, weil man erst da versteht, was wirklich passiert ist. Dieser Feier wirkte nachhaltig. Wenn 16 % der polnischen Bevölkerung ermordet wurden – Christen wie Juden, ungefähr 6 Millionen –, dann ist eigentlich klar, dass es ein Wunder ist, dass wir heute da stehen, wo wir stehen. Es ist eigentlich das zweite Wunder der Nachkriegszeit. Das erste Wunder war die deutsch-französische Freundschaft, die in den 50erund 60er-Jahren auch nicht selbstverständlich entstanden und gewachsen ist, und das zweite Wunder sind die deutsch-polnischen Freundschaftsbeziehungen, die mit einer noch viel stärker belasteten Geschichte gewachsen sind. Es ist umso wichtiger, dass wir uns dies unabhängig von jeglicher bestehenden politischen Konstellation immer wieder in Erinnerung rufen und daran arbeiten, dass es so bleibt. Bei uns weiß kaum noch jemand – zumindest in der jüngeren Generation – weiß, was passiert ist und wie es passiert ist. Oftmals wissen wir auch nicht, dass nicht Danzig als Erstes angegriffen wurde, sondern Wieluń, die kleine Stadt in der Nähe der Prosna, also einer alten deutsch-polnischen Grenze. Stuka-Verbände aus Schlesien waren früher gestartet als 12.09.2024 geplant und legten noch fünf Minuten vor Danzig diese Stadt in Schutt und Asche. 1.200 völlig unschuldige, unvorbereitete, nicht gewarnte Menschen wurden durch den Luftangriff ermordet. Das alles sind Dinge, die wir wieder verstärkt in den Mittelpunkt rücken müssen. Das lernen wir nicht nur aus der Geschichte, sondern auch in der NRW-Parlamentariergruppe zu Polen und Osteuropa. Ich glaube, es gibt keine Region in der Welt, die so stark auf historischen Verbindungen und Ereignissen aufbaut – bis in die Gegenwart – wie Osteuropa. Uns wurde bei der letzten Reise unserer Parlamentariergruppe nach Budapest bzw. Bulgarien wieder bestätigt, dass es sehr wichtig ist, dass wir uns dieser Historie bewusst sind, um darauf aufbauen zu können. Deswegen bin ich sehr dankbar, dass Nordrhein-Westfalen in dieser Hinsicht viel tut. Als bedeutendstes Bundesland Deutschlands haben wir da auch eine Aufgabe. Die Landesregierung macht viel – ich verweise auf die Reisen, die der zuständige Minister in der Vergangenheit gemacht hat und noch plant. Das Weimarer Dreieck ist ein gutes Beispiel. Die vielen bestehenden Städte- und Schulpartnerschaften tun ein Weiteres. Wichtig ist, dass wir den Polen nach alldem, was da passiert ist, vermitteln, dass wir Partner auf Augenhöhe sind und ihnen nicht mit einem erhobenen Finger erklären wollen, wie die Welt funktioniert. Jenseits der politischen Konstellationen – auch das haben wir in der Parlamentariergruppe und bei den Gesprächen, die wir hier vor Ort führen, mitbekommen – ist es ganz, ganz wichtig, dass es völlig unabhängig davon ist, ob da jemand von PiS und PO steht oder von SPD, CDU oder allen anderen steht, sondern dass wir getrieben werden von dem Verständnis, dass es ein Netzwerk geben muss, das alle parteipolitischen Belastungen aushält. Nur das wird bringen, dass wir in der Zukunft ein sicherer Partner sind. Auch die nach Deutschland gekommenen Polen werden dafür sorgen. Denn die größte Zuwanderergruppe, die wir in Deutschland haben, kommt aus Polen. Auch das wird dazu beitragen, dass wir enger zusammenwachsen und zu dem werden, was wir sein müssen: gute Nachbarn. Dieser Antrag und auch der Jahrestag sind für uns ein Ansporn, weiter intensiv daran zu arbeiten und Stück für Stück diese Freundschaft auf- und auszubauen. Deswegen bin ich froh, dass wir einen gemeinsamen Antrag gemacht haben, und ich bitte um Unterstützung für diesen. – Schönen Dank. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP)

Protokoll ↗