Franziska Müller-Rech
Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Hello, World!“ IT und Künstliche Intelligenz treiben unseren gesellschaftlichen Wandel an und eröffnen enorme Chancen, aber eben auch Herausforderungen. Deutschland leidet unter einem gravierenden Fachkräftemangel auch und insbesondere in der IT. 149.000 Stellen sind unbesetzt. Dieser Mangel bremst unser wirtschaftliches Wachstum und auch unsere Innovationsfähigkeit. 12.09.2024 Eine entscheidende Ressource bleibt dabei jedoch oft ungenutzt, und das ist das Potenzial der Frauen in der IT. Frauen haben die Geschichte der IT auch maßgeblich mitgestaltet, zum Beispiel Ada Lovelace oder auch die „Hidden Figures“ Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson. Das waren drei afroamerikanische Mathematikerinnen, die unter anderem am Apollo-Programm beteiligt waren. Sie wurden schon damals oft nicht ernst genommen, und auch heute noch sind leider Frauen in diesem Bereich stark unterrepräsentiert. Das möchten wir gern ändern. (Beifall von der FDP) Aber machen wir mal eine nüchterne Bestandsaufnahme. Nur 9 % der neuen Ausbildungsverträge für Fachinformatiker und Fachinformatikerinnen werden von Frauen abgeschlossen. Im Informatikstudium sind auch nur 24 % der Studierenden Frauen. In der IT-Wirtschaft fehlt es ebenso an weiblichen Fachkräften. Jedes zehnte Unternehmen hat keine einzige Frau in der Belegschaft, und in 75 % der Unternehmen liegt der Frauenanteil unter 25 %. Diese Zahlen sind nicht nur ein Spiegelbild der Gesellschaft, sondern auch eine Mahnung, dass wir viel zu wenig tun, um Mädchen und Frauen für IT-Berufe zu begeistern. Dabei sind es oft Geschlechterklischees und traditionelle Rollenbilder, die junge Frauen ausbremsen. Mädchen wird fünfmal häufiger von einer technischen Ausbildung abgeraten als Jungen. Schulen und Elternhäuser müssen diese Stereotype abbauen, und es fehlt uns auch immer noch an Vorbildern. Nun kommen wir dazu, was wir tun können. Die Einführung des Pflichtfachs Informatik, die wir in der letzten Legislaturperiode gemacht haben, war ein wichtiger und richtiger Schritt. Aber wir brauchen mehr. Wir brauchen noch weitere gezielte Maßnahmen, um insbesondere Mädchen für die IT zu begeistern. Der Mangel an qualifizierten Lehrkräften im Informatikunterricht zeigt, dass die Landesregierung dieses Thema noch nicht mit der nötigen Verve angeht. Es fehlt eine insgesamt umfassende Strategie. (Beifall von der FDP) Wir fordern deshalb, dass der Informatikunterricht von der Grundschule bis zur Oberstufe kontinuierlich und vor allem auch praxisnah und begeisternd gestaltet wird. Bildung ist der Schlüssel zur Chancengerechtigkeit. Die Schule ist ein Ort der Gleichberechtigung. Mädchen müssen in der Schule ihre Talente und Fähigkeiten entdecken können, unabhängig natürlich auch von Geschlechterklischees. Dazu können wir zum Beispiel auch die Lehrmaterialien überarbeiten und auch die Geschichte dieser erfolgreichen Pionierinnen in der IT zeigen. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel in der Informatik können wir zum Beispiel mehr Lehrkräfte gewinnen, indem wir mehr Zertifikatskurse anbieten oder Landtag auch endlich den Seiteneinstieg attraktiver für Quereinsteiger aus der IT machen, die gern Lehrerin oder Lehrer werden möchten. Es spielt aber nicht nur die Schule eine Rolle, sondern wir müssen auch über Praktika, außerschulische Angebote, Wettbewerbe, Mentoring, Berufsorientierungsangebote, Ausbildungen und Hochschulen sowie kreative und forschende Wettbewerbe nachdenken, die stärker auf Mädchen ausgerichtet werden können. Hier ist die Zusammenarbeit mit dafür sensibilisierten Lehrkräften und Berufsberatungen, mit IT-Unternehmen und Organisationen sowie den Hochschulen ebenso wichtig. Dafür müssten sich die Schulen noch weiter öffnen. Wir müssen auch die Eltern aufklären. Informationsveranstaltungen können dabei helfen, Chancen aufzuzeigen und Vorurteile abzubauen, damit die Eltern ihren Töchtern mehr zutrauen. Frauen in der IT sind Vorbilder. Diese Role Models müssen wir dringend sichtbarer machen, damit junge Frauen in einer noch von Männern dominierten Branche erfolgreich sein können. Unser langfristiges Ziel ist eine ausgeglichene Repräsentation von Männern und Frauen in der IT-Branche. Chancen und Karrierewege – das ist für uns Freie Demokraten ganz klar – müssen nach dem Können und dürfen nicht nach dem Geschlecht vergeben werden. (Beifall von der FDP) Diversität in der IT ist nicht nur ein moralisches, sondern – das möchte ich auch betonen – ein wirtschaftliches Gebot, weil verschiedene Blickwinkel, Ansätze und Herangehensweisen die Innovation und den Unternehmenserfolg fördern. Damit stärken sie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Nur wenn wir das gesamte Potenzial unserer Gesellschaft nutzen, können wir die Herausforderungen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz erfolgreich meistern. Unsere Verantwortung ist, nun die richtigen Bedingungen zu schaffen. Wir können es uns nicht leisten, die Hälfte unseres Potenzials unseres großartigen Bundeslandes brachliegen zu lassen. Wenn wir jetzt handeln, legen wir aber den Grundstein für ein digitales zukunftsfähiges Nordrhein-Westfalen, das auf die Talente und auf die Kreativität sowohl von Männern als auch von Frauen setzt. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
