Dietmar Brockes
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Abwasser ist fast überall und konstant verfügbar und weist unter der Erde selbst im Winter relativ gleichbleibende Temperaturen auf. Wenn das Abwasser die Haushalte mit durchschnittlich 25 Grad Celsius verlässt, bietet es im Abwasserstrom im Kanal je nach Standort und Jahreszeit konstante Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad. Das macht Abwärme aus Abwasser hinsichtlich der erzeugten Vorlauftemperaturen einer Wärmepumpe in den Wintermonaten in der Regel effizienter als die Umgebungsluft. Darüber hinaus ist diese konstante Temperatur im Sommer auch für die Kühlung nutzbar. Besonders effizient ist die Abwasserabwärme also für Gebäude mit ganzjährigem Wärme- und Kältebedarf. Die Wirtschaftlichkeit ist insbesondere für größere Einzelgebäude in kurzer Distanz zum Kanal gegeben. Neben Mehrfamilienhäusern und ganzen Wohnquartieren können auch Schwimmbäder, Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser, Seniorenwohnheime und Gewerbestandorte von dieser Energie profitieren. Nach unserer Auffassung sollte Abwasserwärme bei der kommunalen Wärmeplanung deshalb dringend berücksichtigt werden. Die Erstellung von Potenzialkarten für kommunale Kanäle ist hierfür eine zwingende Voraussetzung. Diese Potenzialerhebung ist nicht besonders aufwendig, denn die notwendigen Daten liegen den Kanalnetzbetreibern vor, da sie bereits sogenannte Generalentwässerungspläne erstellen. In Nordrhein-Westfalen könnten insgesamt etwa 4 bis 6 GWh aus Abwasserwärme aktiviert werden. Damit könnten 15 bis 30 TWh klimafreundliche Wärme pro Jahr bereitgestellt werden. Das entspricht ca. 10 bis 20 % des Wärmebedarfs im Gebäudebereich in Nordrhein-Westfalen. Landtag Die eigentliche Wärmewendehürde ist und bleibt aber der hohe Strompreis bzw. das Strom-/Gaspreisverhältnis. Solange Strom drei- bis fünfmal so teuer ist wie Erdgas, wird Abwasserwärme fossile Energieträger in Bestandsgebäuden nicht verdrängen können. Mit Förderprogrammen, liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD, lässt sich dieses schlechte Strom-/Gaspreisverhältnis auch nicht wegsubventionieren. Hier braucht es insgesamt bessere Rahmenbedingungen wie den weiteren Netzausbau und den Ausbau der Erneuerbaren, um Stromkosten zu senken. (Lachen von Christian Loose [AfD]) Ziel kann nicht sein, erst mit staatlicher Förderung die Wirtschaftlichkeit von Abwasserwärmenutzung herzustellen. Die FDP ist für Transparenz bei den Abwasserpotenzialen und die deutliche Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren im Rahmen der Wärmeplanung. Wir finden die Technik auch interessant, aber wie gesagt: Im jetzigen Verhältnis rechnet sich das nicht. Deshalb können wir dem Antrag nicht zustimmen. Weil wir aber auch sehen, welche Potenziale wir zukünftig in diesem Bereich haben, werden wir uns bei dem Antrag enthalten. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP)
