Dr. Christian Untrieser
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal muss ich sagen, dass der Antrag einen der kreativeren Titel, die wir in diesem Jahr hier hatten, trägt. Wenn wir jetzt inhaltlich in die Debatte hineingehen, bitte ich Sie, sich folgendes Bild auszumalen: Sie liegen gemütlich in der Badewanne, vielleicht 20 Minuten, eine halbe Stunde. Dann haben Sie genug gebadet und öffnen den Stöpsel. Das Wasser geht raus. Und was macht das Wasser? Es heizt noch das örtliche Rathaus. Jetzt haben wir schöne Bilder im Kopf; darauf komme ich gleich noch zurück. Aber genau darum geht es bei dem Thema „Wärme aus Abwasser“ oder auch „Aquathermie“. Das Wasser, das wir zum Duschen, Baden, Waschen oder Kochen nutzen, fließt in die Kanalisation und hat dort noch eine gewisse Temperatur. So haben wir gelernt, dass selbst in der Heizperiode noch eine Temperator von 10 bis 15 Grad in der Kanalisation ist. Diese Energie, diese Wärme kann man mit modernen Methoden noch einmal nutzen, um daraus wieder Wärme zum Heizen zu gewinnen. So gibt es Untersuchungen, die besagen, 5 bis 15 % der Einwohner Deutschlands könnten durch Abwasserwärme versorgt werden. Das ist eine ganze Menge. So werden verschiedene Technologien jetzt schon benutzt. Das Nordwestbad in Bochum beispielsweise nutzt diese Technologie, es gibt eine Seniorenresidenz in Dortmund, die das nutzt, und – 11.09.2024 gerade angesprochen – in Olpe überlegt man, ob man das Rathaus demnächst mit Aquathermie beheizt. Wir reden also über eine innovative Technik, wir reden über eine klimaneutrale Technik. Insofern laden wir alle Kommunen dazu ein, sich mit dieser Technik vertraut zu machen und diese da, wo es möglich ist, auch zu nutzen. Wir haben in der Anhörung dazu gehört, dass viele Kommunen das schon machen, dass es Netzwerke gibt und dass man sich über die notwendigen technologischen und regulatorischen Rahmenbedingungen Gedanken macht. Just heute in der Vorbereitung auf dieser Plenarrede habe ich gelesen, dass es eine neue Broschüre gibt – die kennen Sie wahrscheinlich auch, Herr Kollege –, nämlich die Broschüre „Abwasserwärme effizient nutzen“, die der VKU und die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall herausgebracht haben. Dabei sind natürlich die Voraussetzungen vor Ort immer verschieden. Deswegen sind wir auch der Auffassung, dass das bei den Kommunen und bei der Energiewirtschaft und Wasserversorgungswirtschaft gut aufgehoben ist. Die müssen sich darum kümmern, vor allem natürlich jetzt auch im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung. Wir lehnen den Antrag, den die SPD eingebracht hat, trotzdem ab – nicht, weil wir die Technologie ablehnen. Ich habe ja ausgeführt, dass es eine sinnvolle Technologie ist. Aber das geht uns doch zum Teil etwas zu sehr ins Detail. Als Staat sollten wir nicht zu jeder Technologie in jedem Bereich Vorgaben machen, wie das landesweit zu erfolgen hat. Andere Dinge – wenn man von Information spricht – sind auch abgeräumt. Ein bisschen haben Sie auch Ihr Ziel erreicht, Herr Kollege Stinka; denn die Aufmerksamkeit ist durch die Berichterstattung in den Medien und auch durch die heutige Diskussion schon da. Insofern herzlichen Dank für Ihren Impuls und danke für die Erkenntnisse in einer sehr spannenden Anhörung! Den Antrag lehnen wir ab. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
