Annika Fohn
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Der Ausbau des islamischen Religionsunterrichts ist eine überparteiliche, seit vielen Jahren kontinuierlich angegangene Aufgabe in Nordrhein-Westfalen.“ (Zuruf von Frank Müller [SPD]) „Der islamische Religionsunterricht in der Schule ist für tausende Schülerinnen und Schüler ein wichtiges Signal für ihre Identität.“ Diese beiden Aussagen sind nicht von mir, auch wenn ihnen zustimmen würde. Sie sind von der Internetseite der Landesregierung. Es sind Zitate einer Schul- und Bildungsministerin. Da die Sätze etwas mehr als drei Jahre alt sind, stammen sie nicht von Dorothee Feller, sondern von der ehemaligen Schulund Bildungsministerin Yvonne Gebauer. Sie stammen aus der Pressemitteilung, in der mitgeteilt wurde, dass die neue Kommission in Sachen „islamischer Religionsunterricht“ ihre Arbeit aufnimmt. Nun gab es leider einzelne Betrugsfälle. Man muss aus solchen Fällen lernen und sehr genau hinschauen. Sie reichen aber auch in die Zeit, in der das Ministerium noch in FDP-Hand war. So oder so wundert mich, dass die FDP nun das gesamte Projekt „islamischer Religionsunterricht“ abschaffen will. Zur Sache wurde bereits vieles gesagt, viele wichtige Punkte in den erfolgten Redebeiträgen genannt. Vieles wurde gesagt, was dafür spricht, den islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen fortzusetzen, auszubauen und weiterzuentwickeln. Dieser Unterricht bietet nämlich die Möglichkeit, über den Islam in deutscher Sprache zu lehren – und das unter staatlicher Schulaufsicht mit in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften und auf der Grundlage unserer demokratischen Werte und unseres Grundgesetzes. Er bietet die Möglichkeit, dass dies in einem geschützten Raum passiert, dass ein pluralistisches Bild des Islams gelehrt wird und die jungen Menschen ihre Religiosität frei entwickeln können. Er bietet außerdem die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler die eigene Religion reflektieren können, wie es auch bei anderen Religionen der Fall ist. Damit kann Integration in die Gesellschaft gefördert werden. Außerdem ist es eine Frage der Gleichberechtigung. Warum sollten muslimische Schülerinnen und Schü-Landtag ler nicht die Möglichkeit haben, mehr über ihre Religion zu lernen, Christen aber schon? Was wäre die Alternative, falls das Thema stattdessen in anderen Fächern unterrichtet würde und zu kurz käme? Setzen wir darauf, dass sich die Kinder bei TikTok oder bei YouTube die Informationen holen und diese unreflektiert als wahr begreifen? Hoffen wir darauf, dass der Algorithmus die richtigen Suchergebnisse hervorbringt? Ist es nicht unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Kinder in der Schule ein Angebot erhalten, das ihnen hilft, die Religion zu verstehen? Ich glaube, niemand verschließt die Augen vor den mit dieser Thematik einhergehenden Herausforderungen. Die Einzelfälle gilt es, lückenlos aufzuklären. Man darf aber von so wenigen Einzelfällen nicht auf die Gesamtheit schließen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Statt in Populismus zu verfallen, sollten wir uns auf Fakten konzentrieren und den islamischen Religionsunterricht sachlich betrachten. Für uns ist klar: Das Thema muss weiterbearbeitet und weiterentwickelt werden. Natürlich ist es wichtig, dass wir die Lehrkräfte entsprechend ausbilden, vor allen Dingen die Qualität sicherstellen und mehr Nachwuchs zu diesem Studium bewegen. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Ministerium dies im Blick hat und angeht. Das ist doch einer der Gründe, warum das Ganze wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird. Wir müssen nicht den islamischen Religionsunterricht abschaffen. Vielmehr müssen wir Extremismus jeder Art bekämpfen und weiter für eine aufgeklärte und freie Gesellschaft sowie für ein friedliches Miteinander arbeiten. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
