Bianca Winkelmann
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrtes Geburtstagskind! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Franzi, ich bin am 28. Juli geboren. Ich habe immer in den Sommerferien Geburtstag, und ich fand es immer toll, ich fand es immer gut. (Vereinzelt Beifall von der CDU – Beifall von Franziska Müller-Rech [FDP]) Liebe Kolleginnen und Kollegen der Freien Demokraten, ganz ehrlich: Von eurem letzten Antrag hier vor den Sommerferien hätte ich schon etwas mehr Substanz erwartet als diese dünnen zweieinhalb Blättchen. Auch der Entschließungsantrag der SPD-Kollegen macht das Ganze ehrlich gesagt nicht viel gehaltvoller. Immerhin, die Situationsbeschreibung passt. Es geht bei uns in Nordrhein-Westfalen immer um etwa 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler, wenn wir über das Thema „Sommerferien“ sprechen. Das rollierende System des Ferienbeginns ist mit 14 Bundesländern gemeinsam abgestimmt – richtig beschrieben. Dass sich Bayern und Baden-Württemberg immer ein Extrawürstchen braten, stimmt natürlich auch. Aber ist das tatsächlich ein so großer Nachteil? Woher stammt überhaupt die Idee des rollierenden Systems? Bereits im Jahr 1964 einigten sich die Länder darauf, wie viele Ferientage es im Jahr sein sollten: Ganze 75 Werktage sollten es sein. Allerdings – die Älteren unter uns erinnern sich noch – gab es damals eine Sechstagewoche, und es wurde tatsächlich sechs Tage die Woche gearbeitet, und auch am Samstag gab es Unterricht. Ich bin nicht nur am 28. Juli geboren, sondern auch Jahrgang 1967 und kann mich persönlich noch gut daran erinnern, dass wir samstags immer vier Stunden Unterricht hatten. Da es den Samstagsunterricht aber heute nicht mehr gibt, sind wir jetzt bei 63 Werktagen, die den Ländern für die Ferienplanung zur Verfügung stehen. Bei uns 05.07.2024 in Nordrhein-Westfalen sind die Ferien in der Regel aufgeteilt in gut sechs Wochen Sommerferien und in jeweils zwei Wochen Herbst-, Winter- und Osterferien, plus sechs sogenannte bewegliche Ferientage, die von Schule zu Schule variieren können und dem System damit mehr Flexibilität geben. Aber um die geht es ja heute in eurem Antrag nicht. Nun gibt es schon die lange bestehende Vereinbarung, dass jedes Bundesland mindestens sechs Wochen Sommerferien haben soll. Um die Sache zu vereinfachen, sind die Bundesländer in Gruppen eingeteilt. Alle Länder einer Gruppe haben zur gleichen Zeit Sommerferien. Warum ist das so? Weil sie oft geografisch dicht beieinander liegen, wie zum Beispiel Niedersachsen und Bremen oder Rheinland-Pfalz, das zwischen Hessen und dem Saarland liegt. Sie sind wirtschaftlich und in Bezug auf die Arbeitsplätze so eng verknüpft, dass es im Sinne der Familien einfach logisch ist, zumindest hinsichtlich der Sommerferien gleiche Zeiten zu haben. Warum noch? Wenn alle Familien in Deutschland zur ungefähr gleichen Zeit in den Urlaub fahren würden, weil alle zur gleichen Zeit Ferien hätten, dann hätten wir ein riesengroßes Chaos. Die Autobahnen wären noch voller, die Züge noch ausgebuchter, Ferienunterkünfte, vor allem in Deutschland, noch knapper und Flüge noch teurer. Außerdem würden dann alle Menschen, die ihr Geld im Tourismus verdienen, wie Reiseführer, Gastronomen in den Feriengebieten, Hoteliers und Vermieter von Ferienwohnungen mit ihren Angestellten, kaum Geld außerhalb der sechs Wochen Ferien verdienen. (Susanne Schneider [FDP]: Wir wollen es rol- lierend haben!) – Ja, ich weiß. Kurzum: Das rollierende System ist aus guten Gründen so gewählt, wie es ist. Nun kann man natürlich die Bayern und die Baden-Württemberger an den Pranger stellen, weil sie aus dem System ausscheren. Das kann man aber auch lassen, denn 14 Bundesländer sind sich ja einig. Weitere Ausnahmen gibt es im Übrigen auch in anderen Regionen, nämlich auf einigen Inseln und den Halligen. Da gibt es nur vier Wochen Sommerferien und dafür längere Herbstferien, was natürlich mit dem Tourismus zusammenhängt. Das wusste ich vorher auch nicht, aber dank eures Antrags habe ich das jetzt recherchieren können. Mancher Schüler aus den 14 Bundesländern wird jedenfalls in den vergangenen Jahren froh gewesen sein, bereits im Juni den überhitzten Klassenzimmern Richtung Freibad entfliehen zu können, während die bayerischen Schülerinnen und Schüler noch bis Ende Juli in brütender Sommerhitze Unterricht hatten. Landtag Liebe Kollegen der FDP, ich habe eingangs schon gesagt, dass ich vermute, dass es euch nicht ganz so ernst mit diesem Antrag ist. Wäre es für euch wirklich ein solches Herzensthema, wie Franzi es gesagt hat und auch die Kollegen der SPD gleich sicher noch sagen werden, hätten wir ja keine direkte Abstimmung. (Kirsten Stich [SPD]: „Gute Schule 2030“ ist für uns ein Herzensthema!) Und so muss ich euch heute sagen, dass wir eure Anträge gleich ablehnen werden. Euer Timing halte ich aber für absolut super, gibt es mir doch die Gelegenheit, am letzten Tag vor unserer parlamentarischen Sommerpause, am letzten Schultag vor den großen Ferien aus dem Landtag heraus allen Schülerinnen und Schülern, allen Lehrern, allen Erziehern tolle Sommerferien zu wünschen – wo und wie auch immer sie diese verbringen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Gleiche gilt natürlich auch für euch alle. Ich wünsche uns allen einen schönen Sommer mit Zeit für die Familie und für Freunde und ein bisschen Erholung von unserem politischen Alltag. – Herzlichen Dank. Schöne Ferien! (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
