Christian Obrok
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Philippos wollte einfach nur feiern gehen, als großer Bruder dabei sein beim Abi-Ball seiner Schwester – so wie viele, die in den vergangenen Wochen ihren Schulabschluss gefeiert haben. Philippos war 20 Jahre alt. Er wollte friedlich feiern – und er wurde grausam getötet, aus dem Leben gerissen, von dem er noch so viel vor sich hatte, durch eine grausame Tat, durch ein fürchterliches Verbrechen von einem enthemmten Täter, der immer wieder zugeschlagen hat, obwohl Philippos bereits am Boden lag. Es ist eine Tat, die fassungslos macht, die betroffen macht und die auch wütend macht. Es ist sicherlich nicht leicht, bei einem solchen Verbrechen die richtigen Worte zu finden. Aber einige der Vorredner haben heute Morgen ganz sicher die falschen gefunden. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN) Ich war in der vergangenen Woche im Kurpark von Bad Oeynhausen, dort, wo sich die grausame Tat ereignete. Der Bürgermeister der Stadt hatte die Bevölkerung zu einem stillen Gedenken aufgerufen. Viele Landtag Hundert Menschen sind diesem Aufruf gefolgt und haben gemeinsam getrauert, geweint und Anteil genommen. Auch ich war als örtlicher Abgeordneter dort, um meiner Trauer Ausdruck zu verleihen und Abschied zu nehmen. Die Familie von Philippos war ebenfalls dort. Das hat mich tief beeindruckt. Es war Philippos’ Onkel Georgios, der schließlich die Stille durchbrach, um sich bei den Anwesenden für ihre Anteilnahme zu bedanken und seinen Neffen zu würdigen. Philippos sei ein Künstler gewesen, ein Musiker. Er habe für die Musik gelebt. Er habe selbst jegliche Form von Gewalt verabscheut. Er habe zu Lebzeiten entschieden, dass er Organspender sein wollte. Georgios sagte: Wir hoffen, dass sein Herz – das von Philippos – im Beat seiner Musik nun woanders schlägt. – Diese Worte haben mich und andere tief berührt. Der Onkel von Philippos hatte noch eine weitere klare Botschaft: Für die Familie des Opfers sei es unerträglich, dass Rechte versuchten, die Gewalttat für ihre Zwecke auszuschlachten. – Leider blieb dieser Wunsch der Familie von denen, für die er bestimmt war, unerhört. Die Junge Alternative, Ihre Jugendorganisation, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, hat gegen den expliziten Wunsch der Familie am Freitag der vergangenen Woche eine eigene Mahnwache in Bad Oeynhausen organisiert und den Fall für Ihre Zwecke instrumentalisiert. „Remigration“ stand auf einem der Banner, die dort gezeigt wurden. Es ist einfach beschämend. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Philippos’ Mutter sagte vor wenigen Tagen in einem Radiointerview: Das darf jetzt nicht genutzt werden für Hass, für Hetze, für Demonstrationen, für Aufrufe. – Diesen Wunsch sollten wir alle ernst nehmen. Ich weiß, dass dieser Appell einer trauenden Mutter Sie nicht erreicht, nicht erreichen kann, weil Ihnen Empathie und Anstand fehlen. Unser Fraktionsvorsitzender Jochen Ott hat eben in seinem Beitrag die richtigen Worte zum politischen Umgang mit dieser schrecklichen Tat und mit den Konsequenzen, die daraus folgen müssen, gefunden. Das gilt für den Bereich der Migration, der Prävention, der Integration, der Strafverfolgung und auch möglicher Abschiebungen. Lassen Sie uns das gemeinsam hier im Haus diskutieren und entsprechend handeln und dabei menschlich bleiben. – Danke schön. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) 05.07.2024
