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Zacharias Schalley

AfD 04.07.2024 Sitzungen 18/70

Herr Präsident! Werte Damen und Herren! In Frankreich nehmen sich statistisch gesehen jeden Tag zwei Bauern das Leben. In Deutschland gibt es zu Selbstmorden von Bauern keine Statistiken. Nur über das Höfesterben wissen wir, dass jeden Tag rund zehn Betriebe aufgeben. Der eiserne Kanzler Bismarck wusste es, wie so oft, sowieso viel besser als die Politiker von heute, die dem Bauernstand das Wirtschaften so schwer machen, dass Bauern keinen Hofnachfolger mehr finden. Er mahnte prophetisch: Im Verfall der Landwirtschaft sehe ich eine der größten Gefahren für unseren staatlichen Verband. – Recht hatte er. Den Verfall des Bauerntums heute sehen wir im Höfesterben und in seiner personellen Totschrumpfung. Uns ist gar nicht bewusst, wie sehr wir am Tropf weniger Bauern hängen. Heute muss ein Landwirt 139 Menschen ernähren, doppelt so viele wie noch vor 30 Jahren. Landtag Ich konfrontiere Sie einmal mit der harten Realität, die Sie mit Ihrer Politik mitverschulden. Als Bauer gehst du jeden Morgen in den Stall oder auf den Acker, versorgst die Tiere und schuftest bis abends spät. Das machst du eigentlich gerne, obwohl du nur einen Hungerlohn damit verdienst, obwohl dich als Bauern bürokratische Vorschriften ersticken und obwohl dir als Bauern die Verschuldungsspirale die Luft zum Atmen nimmt. Du tust es auch noch, obwohl du als Bauer in linksgrünen Medien schon wieder als Tierquäler an den Pranger gestellt wirst. Aber am Ende treibt es dich auch nur in Burn-out und Depression. Treibt das unserer Politkaste die Sorgenfalten auf die Stirn? Mitnichten! Stattdessen: Streichung des Agrardiesels, erzwungene Flächenstilllegung, noch mehr Bürokratie und natürlich ein realitätsferner Antrag von CDU und Grünen im Landtag. Das ist wieder ein phrasenreiches Elaborat mehr, das niemanden satt macht. Allen Ernstes wird da über Karrierechancen sinniert. Niemand entscheidet sich für einen landwirtschaftlichen Beruf, um Karriere zu machen, (Zuruf von den GRÜNEN: Das stimmt doch nicht!) sondern er tut das aus purem Idealismus und weil er für die Sache brennt oder weil es gar Familientradition ist. (Zurufe) Dass es von solchen Überzeugungstätern, die sich für die Landwirtschaft entscheiden, immer weniger gibt, haben wir einzig und allein einer Politik zu verdanken, die die Bauern immer mehr gängelt und finanziell einengt, und einem linksgrünen Medienapparat, der Bauern von oben herab belehrt, welche zeitgeistige Sau als Nächstes durchs Dorf getrieben werden soll. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Sagen Sie doch einmal etwas zum Antrag! – Zuruf von der SPD: Kann er doch nicht!) Kein Wunder, dass die Zahl der Eleven seit Jahrzehnten rückläufig ist! In den 80ern redete man den Bauern ein, sie müssten auf Teufel komm raus immer effizienter wirtschaften (Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE] – Weitere Zurufe von den GRÜNEN und der SPD) und ihr Heil in der agrarischen Industrialisierung suchen. Wachse oder weiche! Heute redet man den Bauern ein, sie müssten fürs Klima als Bioenergiemanager wirtschaften und zugleich ökologische Landschaftspflege betreiben. Stets wird ein Spagat gefordert: immer mehr bürokratischer Aufwand, immer größerer Zwang zu immer höheren Investitionen, die jeden noch so mühsam 04.07.2024 erwirtschafteten kleinen Gewinn gieriger auffressen als die Mastschweine im Stall – oder wie es im alten Lied des Landvolks heißt: Und was uns die Steuer zum Leben noch lässt, das wird uns als Zinsen herausgepresst. (Zuruf von den GRÜNEN: Oh!) Noch etwas zu den Garten- und Landschaftsbauern: Ich selbst habe nach meinem Abitur und parallel zum Studium in einem GaLaBau-Betrieb gearbeitet, einem traditionsreichen Familienbetrieb in dritter Generation. Die Arbeit war hart, und der Ton war rau. Bei 35 Grad hier auf der Düsseldorfer Messe Unkraut schuffeln, kilometerlang Hecken schneiden, Pflastersteine schleppen, Dutzende Schubkarren voll Erde und Sand fahren; da warst du froh, wenn du der Oma ein paar Primeln im Vorgarten setzen durftest. Dann geht man mit schwarzen Fingernägeln, Rückenschmerzen und Karpaltunnelsyndrom nach Hause. Am Ende des Tages weißt du aber, was du geschafft hast. Ich jedenfalls habe dort gerne gearbeitet, auch weil man etwas fürs Leben lernt. (Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE] – Weitere Zurufe – Heiterkeit bei der CDU) In diesem Betrieb war übrigens von allen Angestellten genau ein einziger gelernter Garten- und Landschaftsbauer. Der Fachkräftemangel ist real. Aber ich frage mich, was die Kollegen oder der Polier von damals sagen würden, wenn ich ihnen erzählen würde, dass für sie – Zitat – „niedrigschwellige Angebote geschaffen werden [müssen], um Fachpersonal, welches bereits in der Praxis tätig ist, auf die bestehenden Herausforderungen vorzubereiten.“ Wahrscheinlich so etwas wie damals der Polier zum Chef, als dieser genervt hat: Siehst du die Schaufel hier? Die passt genau auf dein dummes Gesicht. Wenn wir die grünen Berufe wirklich wieder für die jungen Leute attraktiv machen wollen, muss man zuerst darüber nachdenken, warum in Deutschland diese Berufe schwinden und gerade die Bauern zu Zehntausenden wochenlang im Winter auf der Straße waren. Es müssen die Rahmenbedingungen vor Ort verbessert und auch wieder unternehmerische Freiheit ermöglicht werden. Die Betriebe müssen in der Lage sein, höhere Löhne für die Knochenarbeit in Wald, Feld und Flur zu zahlen. Wegen Biodiversitätsschutz und Klimaresilienz wird niemand Bauer oder Gärtner. Diese zeitgeistigen Schlagworte offenbaren die CDU nur als Bückling der Grünen, die Politik für die neue Feudalkaste aus Windbaronen und NABU-Erbschleichern machen. Nichtsdestotrotz teilen wir die grundsätzliche Intention: Meister statt Master. Die zeitgeistige und praxisferne Phrasendrescherei lehnen wir ab. Darum werden wir uns bei Ihrem Antrag enthalten. Landtag Ich bin gespannt, was Bauern, Gärtner und Förster uns zu Ihrem praxisfernen Antrag in der Realität sagen: wahrscheinlich etwas Ähnliches wie damals mein Kollege im GaLaBau. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD – Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE])

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