Dr. Ralf Nolten
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gestern bekam ich von einem Kollegen den Hinweis: Die Rahmung der Reden um König Fußball ist angesagt. (Zurufe von der SPD) Fußball, Biodiversität, Artenschutz, Naturschutzstrategie und -projekte: Geht das? Den Lebensälteren ist eine 50 Jahre alte Animation erinnerlich: „Das Fuß-04.07.2024 ballspiel der Tiere“. Nachdem wir hier mehrfach zur Nationalparksuche hart die Klingen gekreuzt haben, will ich es einmal spielerisch mit dem Filmverlauf versuchen. Da ist zum einen das Team Gelb mit dem König der Tiere, dem selbstbewussten Löwen. Sein Team aus Nashorn, Krokodil, Hyäne und Warzenschwein scharrt mit den Hufen. (Zuruf von der SPD: Aufhören!) Der einzige Mensch in der Animation ist der Schiedsrichter, der vorab zum Fair Play ermahnt: (Zurufe von der SPD: Wer ist denn bei euch das Warzenschwein? Das ist jetzt unparla- mentarisch!) Wir wollen einen Beteiligungsprozess haben. Wenn der Prozess eine gewisse Zeit länger braucht und wir Aktivitäten erleben, durchaus auch kontrovers und heftig, dann kann es nicht sein, dass die Debatte aufgrund einer formal gesetzten Frist beendet wird. Wir wollen nur keine Dauerdiskussion. Dieser Hinweis wird komplett überhört. Der Spielführer der Gelben in der Ausschusssitzung am 21. Februar 2024: Mir ist es egal, ob Sie sagen, ein Quartal länger oder bis Ende des Jahres. – Er macht mit dem vorliegenden Antrag den erneuten Anstoß. Der Ball wird schnell bis vor das gegnerische Tor gespielt, das ein mächtiger Elefant bewacht. (Zuruf von der SPD: Der Minister, oder was? – Heiterkeit von der SPD) Hier erfolgt Unfairness. Der letzte gelbe Spieler holt eine Maus hervor: Nationalparksuche einstellen und auf die Einrichtung von Nationalpark 2 verzichten. – So lautet die Forderungen im Antrag, (Zuruf von der FDP: Ja, richtig!) obwohl das Bürgerbegehren zum Reichswald augenscheinlich genug Unterschriften gesammelt hat. Liebe FDP, so viel Respekt vor direkter Demokratie sollten wir haben. Abbruch jetzt – das geht gar nicht. (Beifall von der CDU und Tim Achtermeyer [GRÜNE]: – Zuruf von Marc Lürbke [FDP]) So springt zwar der Elefant aus dem Tor. Aber der Gepard im cadenabbia-blauen Trikot schnappt sich den Ball, umkurvt elegant die Gelben und passt auf das Nilpferd, das zusammen mit dem Känguru den Ball sehr gelenk zum Strauß nach vorne spielt. (Zuruf von Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]) Der vertändelt mit unnötigen, selbstgefälligen Mätzchen den Ball und steckt, als die gelbe Horde auf ihn zurast, den Kopf in den Sand. Landtag (Gordan Dudas [SPD]: Ich gebe Ihnen eine Kiste Bier, wenn Sie jetzt aufhören! – Zuruf von Marc Lürbke [FDP]) Anschließend geht das Spiel wild hin und her wie unser argumentativer Austausch: Statt Nationalpark besser Biosphärenreservate und überhaupt: Naturparke stärken. (Frank Müller [SPD]: Kann man das mal auf einer Taktiktafel sehen?) „Vielleicht kommt man zu dem Schluss: Ein Nationalpark passt nicht ganz zu uns, aber wir könnten uns ein Biosphärenreservat vorstellen, die vorhandenen Naturschutzgebiete weiterentwickeln, den Biotopverbund stärken oder die Erlebbarkeit erhöhen – auch gut.“ So meine Rede vom 29. Februar 2024. Ich erkenne jetzt vergleichbare Spielzüge im FDP-Antrag. Zwei rotschnäblige Geier, die sich mit ihrer Trage erfolglos um Verletzte kümmern wollen, bleiben mit ihrem berechtigten Hinweis in Richtung der Gelben „Gut wäre es, sich auf die Nationalparke zu konzentrieren und nicht immer nach rechts und links zu schauen“ leider ungehört. Auf dem Spielfeld der Teams sind die Kräftigen, die Kämpfer und die Schnellen in ihren Rollen klar erkennbar, wie auch die Instrumente im Naturschutzgesetz. So verzichten beide Teams auf Auswechslung, wissend, dass ein Sack mit vielen kleinen Lederstücken kein Ball ist und ein Nationalpark niemals durch alternative Natur- und Artenschutzmaßnahmen in gleicher Größenordnung ersetzt werden kann. In ihrem wilden Spiel pflügen die Gelben das Spielfeld um, der Schiedsrichter wird mehrfach einfach überrannt, der Rasen komplett zertreten. Wiederansetzung möglichst ausgeschlossen. (Zuruf von Marc Lürbke [FDP]) Die Entscheidung: Das Nashorn im gelben Leibchen spießt den Ball auf, um damit brachial ins gegnerische Tor zu rennen. Der Ball löst sich vom Horn. Wie ein unverknoteter Luftballon fliegt er umher. Der Löwe brüllt vor Ärger so heftig, dass alle Spieler ins Aus gepustet werden. Und als der Ball wie eine Feder heruntersegelt, bläst ihn der Löwe süffisant ins blaue Tor. (Marc Lürbke [FDP]: Was haben Sie gestern Abend gemacht?) Liebe FDP, mit solch groben Aktionen wollen Sie doch hoffentlich kein Spiel beenden. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)
