André Stinka
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Stromkosten für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für Unternehmen werden in absehbarer Zeit nicht sinken. Trotz des Zubaus bei den erneuerbaren Energien steigen etwa die Netzentgelte durch den notwendigen Infrastrukturausbau. Der Bundesrechnungshof rügte in einem Bericht im März, dass die Energiewende bei den Kosten aus dem Ruder zu laufen droht. Unser sozialdemokratisches Anliegen ist es, die Energiewende gerade in Nordrhein-Westfalen auf das richtige Gleis zu setzen und ein möglichst kostengünstiges System für die Zukunft zu etablieren. Das heißt: keine Verschwendung von Grünstrom, weil das Netz ihn nicht aufnehmen kann. Es braucht daher leistungsfähige Energiespeicher, um Erzeugungsspitzen bei Wind und Solar nutzbar Landtag zu machen und um eine permanente Energieversorgungssicherheit nach dem Zeitalter der fossilen Brennstoffe sicherzustellen. Die Energiewende darf nicht in die falsche, in die teure Richtung laufen. Die Speicherung mittels Batterien und Wasserstoff braucht deshalb eine kostengünstige Ergänzung, die auch eine Leerstelle für Tages- und Wochenspeicher füllt: effiziente und erprobte Pumpspeicherkraftwerke. In Nordrhein-Westfalen ist der Raum für klassische Pumpspeicherkraftwerke begrenzt. Doch mit dem vorliegenden Antrag schlagen wir heute eine Innovation vor, die dennoch den weltweit größten Energiespeicher für das Energieland Nordrhein-Westfalen ermöglichen könnte. Die Funktionsweise des Pumpspeicherkraftwerks basiert auf einem großen Höhenunterschied zwischen zwei Speicherbecken. Dieser Mechanismus lässt sich vom Berg auf eine tiefe Senke übertragen und auf einen See reduzieren, wobei die Speicher auf dem Seegrund gegen den Druck der darüberliegenden Wassersäule arbeiten. Dafür ist jedes Gewässer geeignet, das über eine Tiefe von mehreren Hundert Metern verfügt. Es gibt bereits Planungen für einen solchen Speicher vor der norwegischen Küste auf dem Meeresgrund unter Beteiligung deutscher Forschungsinstitute, und in Kalifornien sind fortgeschrittene Planungen zu beobachten. In Nordrhein-Westfalen springt eine ökologische Variante ins Auge: die Nutzung eines der Tagebaurestseen im Rheinischen Revier. Für uns Sozialdemokratinnen ist dies ein ambitioniertes Infrastrukturvorhaben, dessen Umsetzbarkeit jetzt genau zu untersuchen ist: aus dem heutigen Braunkohletagebau einen großen See zu entwickeln, der so viel Energie speichern und wieder bereitstellen kann, dass mehr als ganz Nordrhein-Westfalen lückenlos und bei der reduzierten Energiekosten versorgt werden kann – nachhaltig und ohne fossile Kraftwerke oder Atomenergie. Das Rheinische Revier als fossile Energieregion wird so Energieregion der Zukunft. Wir können auf vorhandene Energieinfrastruktur aufbauen, Leitungsanschlüsse nutzen, die wachsenden Kapazitäten der Erneuerbaren der Region absichern und den über große Trassen anlandenden Nordseewindstrom einspeichern, wenn dieser Speicher dort bereitgestellt wird, wo der Energiebedarf am Höchsten ist. Denn wir wissen ja, dass beispielsweise noch energieintensive Ansiedlungen wie Microsoft usw. notwendig sind und dort anlanden. Damit erhalten wir Arbeitsplätze der energieintensiven Industrie im Rheinischen Revier, zum Beispiel für Gießereien, Microsoft habe ich gerade erwähnt, Papier- und Metallindustrie. 04.07.2024 Wir als SPD-Landtagsfraktion stellen mit diesem Vorschlag des potenziell weltweit größten Pumpspeicherkraftwerkes eine Vision zur Diskussion, die dabei weitaus realistischer ist als jegliche Kernfusionsträume. Mit einer Kapazität von rund 450 GWh pro Zyklus wäre ein Pumpspeicherkraftwerk eine Rheinlandbatterie für die ganze Region. Zum Vergleich: Der Strombedarf der Metropole Düsseldorf liegt rechnerisch bei 9 GW in 24 Stunden, der des Chemieparks bei 6 GW am Tag. Erste Berechnungen gehen beim vorliegenden Maximalmodell von niedrigen Kosten von ca. 2 Cent pro Kilowattstunde gespeicherten Stroms aus. Es gilt, diese Berechnungen und Annahmen fachgerecht zu überprüfen und im Rahmen einer Machbarkeitsstudie neben allen anderen Fragen der Geologie, der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit sowie denen des Tourismus ausgiebig zu untersuchen. Unser Antrag fordert daher das Wirtschaftsministerium auf, in einem ersten Schritt eine solche Studie zu beauftragen und zu finanzieren. Wir haben Vorläufer für diese Studie, denn das Wirtschaftsministerium hat bereits im Jahr 2019 in einer Studie zu potenziellen Pumpspeicherkraftwerken in Tagebaurestseen dazu Stellung genommen und ausdrücklich auf die Option von Kavernenspeichern hingewiesen. Kolleginnen und Kollegen, ich möchte abschließend darum bitten, dass wir diesen Antrag in gebotener Ruhe im Ausschuss diskutieren. Ich weiß, wir sind alle im Schützengräben und beklagen, was alles nicht funktioniert und nicht geht. Nur, dieser Antrag ist als Angebot der SPD zu sehen, dass wir uns hier mit diesem Projekt intensiv beschäftigen, weil wir für die Akzeptanz der Energiewende auch die Frage der Preisentwicklung und der Versorgungssicherheit …
