Susanne Schneider
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wie oft haben wir schon über den Fachkräftemangel gesprochen? Wie oft haben wir den fehlenden Nachwuchs beim Handwerk bemängelt? Wie oft haben wir schon die Bedeutung des lebenslangen Lernens betont? Anscheinend noch nicht oft genug; denn die Bildungseinrichtungen des Handwerks sind in einem schlechten Zustand. Sie stammen in der Regel aus den 80er-Jahren. Eine Modernisierung ist daher längst überfällig, wenn sie ihren Aufgaben noch gerecht werden sollen. Deshalb haben Handwerk, Bund und Land 2019 mit dem Modernisierungspakt Berufliche Bildung die nötigen Mittel vereinbart, um die Modernisierung und Instandsetzung der Bildungszentren voranzubringen. Landtag Die damalige Landesregierung mit der FDP hatte die Landesförderung von 4 auf 8 Millionen Euro verdoppelt. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Insgesamt stehen dadurch jedes Jahr rund 40 Millionen Euro bis 2029 zur Verfügung. (Beifall von der FDP) Jetzt ist die Modernisierung jedoch in Gefahr; denn die Kosten laufen derzeit aus dem Ruder. So schlägt der Westdeutsche Handwerkskammertag Alarm, dass die vorgesehenen Förderungen angesichts der gestiegenen Baukosten zu niedrig sind. Inflation, Probleme bei der Materialbeschaffung und der Fachkräftemangel sind gefährliche Kostentreiber. Die Baupreisindizes sind in Nordrhein-Westfalen zwischen den Jahren 2019 und 2023 um über ein Drittel gestiegen. So mehren sich die Zweifel, dass die zwischen Handwerk, Land und Bund bis 2029 vereinbarten Investitionsmittel reichen werden. Die sogenannten Überbetrieblichen Bildungsstätten sind wichtige Anlaufstellen für das Handwerk. Azubis legen dort ihre Abschlussprüfungen ab, Schülerinnen und Schüler informieren sich dort über das Handwerk, Gesellinnen und Gesellen bemühen sich dort um einen Meisterbrief. Die Funktionen der Bildungszentren sind also vielfältig. Das Handwerk sichert mit den Bildungseinrichtungen die Qualität der Berufspraxis. Kleine und mittlere, aber auch spezialisierte Handwerksbetriebe lassen ihre Beschäftigten hier aus- und fortbilden. Je nach Ausbildungsbetrieb und Gewerk sind bis zu 21 Wochen berufspraktische Ausbildung in diesen Überbetrieblichen Bildungsstätten verpflichtend. Die Zentren dienen zudem als Prüfungsort für die Gesellen-, Meister- und Fortbildungsprüfungen. Spezialisten gewinnen hier ihre nötigen Qualifizierungen. Zudem sollen die Bildungszentren Berufsinteressierte mit den nötigen Einblicken und Informationen versorgen. Schülerinnen und Schüler wenden sich im Rahmen der Berufsorientierung an die Bildungszentren. Benachteiligte Jugendliche können hier neue Fähigkeiten erlernen und sich beruflich qualifizieren. Gesellinnen und Gesellen lassen sich zu den nächsten Schritten ihrer Berufskarriere beraten. Bildungszentren müssen für diese vielfältigen Aufgaben in einem guten baulichen und technischen Zustand sein; denn nur dann bieten sie für das Handwerk die richtige Bildungsinfrastruktur. Die Fördermittel des Landes sind daher an die Preisentwicklung im Baubereich bis zum Ende der Förderperiode 2029 anzupassen. Damit sich die Modernisierungen nicht noch weiter verzögern, müssen auch die Förder- und Bewilligungsverfahren vereinfacht und beschleunigt werden. Die bisherigen Programme 03.07.2024 werden vom Handwerk immer noch als zu bürokratisch empfunden. Die Bewilligungsverfahren können durch Verschlankung aber schneller und planbarer werden. Das Ziel muss ein unkompliziertes digitales und medienbruchfreies Verfahren sein, das gemeinsam mit dem Handwerk erarbeitet wird. Solche Vereinfachungen sollen dann idealerweise bis zum 1. Mai 2025 umgesetzt werden. Das Handwerk ist das Herzstück unserer mittelständischen Wirtschaft. Es ist ein wesentlicher Motor für den wirtschaftlichen Erfolg in unserem Land. (Beifall von der FDP) Eine hochwertige Aus- und Weiterbildung in modernen Bildungszentren mit erstklassiger Ausstattung ist eine Voraussetzung für gute Fachkräfte von morgen – egal ob Lehrling, Geselle oder Meister. Unterstützen wir also das Handwerk mit gut ausgestatteten Bildungszentren, damit das Handwerk wieder attraktiver wird. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der FDP)
