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Franziska Müller-Rech

FDP 13.06.2024 Sitzungen 18/68

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte mit einem Zitat beginnen: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen, aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Das war eine kleine Zeitreise in das Jahr 2015. Damals hatte das die junge Kölnerin Naina getweetet. Wir haben uns das sehr zu Herzen genommen, und wenige Jahre später ging dann auch in NRW das Schulfach „Wirtschaft“ an den Start, denn wir wollten genau das ändern. Es war und ist unser Ziel, jungen Menschen eine Ahnung nicht nur von Gedichtsanalysen, sondern auch zu Steuern, Miete oder Versicherungen zu verschaffen. Vor allem wollen wir aber Verbraucherbildung vermitteln. Wir Freie Demokraten haben dafür gesorgt, dass Schülerinnen und Schüler die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Gesellschaft verantwortungsbewusst mitgestalten können. 13.06.2024 Das soll aber nicht nur in den Sozialwissenschaften in der Oberstufe geschehen – das haben wir völlig unberührt gelassen –, sondern wir haben dafür gesorgt, dass das alle Schülerinnen und Schüler an allen Schulformen bis zur zehnten Klasse mitbekommen, damit das nicht allein ein gymnasiales Privileg in der Oberstufe ist, und das war ein überfälliger und richtiger Schritt. (Beifall von der FDP) Das war übrigens auch ein richtiger Schritt in Sachen Chancengerechtigkeit, weil wir dadurch das fehlende Wissen insbesondere in den Elternhäuser ausgleichen, die über dieses Wissen selbst nicht verfügen. Beim Schulfach „Wirtschaft“ haben wir zwei Regierungsfaktionen, die dazu nicht unterschiedlicher aufgestellt sein könnten. Die CDU hat dieses Schulfach zusammen mit uns eingeführt – ich kann mich noch an die Koalitionsgespräche damals erinnern –; es hatte keine zehn Sekunden gedauert. Die Grünen haben dieses Fach allerdings bis aufs Blut bekämpft, und sie haben sich sogar trotz besseren Wissens an der damaligen Desinformationskampagne „#sowibleibt!“ beteiligt. Ich möchte noch einmal betonen, dass es das Fach „Sowi“ nur in der Oberstufe gibt, und das haben wir völlig unberührt gelassen. (Zuruf von Dilek Engin [SPD]) Wir schauen aber nach vorne. Ein wirtschaftliches Wissen ist unabdingbar. Deshalb fordern wir heute von Schwarz-Grün ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Schulfachs „Wirtschaft“ ein. Dabei ist die goldene Frage, wer sich durchsetzt. Ist es die CDU, oder sind es die Grünen? Ich nenne Ihnen zwei greifbare Reaktionen als Beispiel dafür, warum das Fach so wichtig ist. Zuerst möchte ich mit Ihnen über das Wissen über Kapitalmärkte anhand der Aktienrente sprechen. Gerade von linker Seite hören wir dazu immer wieder einmal sich widersprechende Argumente. Erstens: Kapitalmärkte seien nur etwas für Reiche; die würden sich die Taschen vollmachen. Das sei alles Turbokapitalismus. Zweitens: Aktienrendite, um Gottes willen! Christian Lindner verzockt unser Geld an den Kapitalmärkten. Das Verlustrisiko sei viel zu hoch, das alles gehe gar nicht. Widersprüchlicher könnte das nicht sein. Darüber hinaus ist beides auch noch falsch. Ich möchte gerne dafür sorgen, dass junge Leute ein fundiertes Wissen beispielsweise über Kapitalmärkte erhalten, damit sie sich ihr eigenes Bild machen können und nicht auf so einen linken Unsinn hereinfallen. (Beifall von der FDP) Des Weiteren möchte ich über das Gründungsklima sprechen. Ich habe einen weiteren Vorwurf an uns als FDP von linker Seite zum Schulfach „Wirtschaft“ mehrfach gehört: Warum habt ihr „Gründertum“ in die Landtag Lehrpläne aufgenommen? Die meisten Schülerinnen und Schüler werden nach der Schule Angestellte oder Beamte und brauchen das gar nicht. Jedes Mal, wenn ich das höre, werden mir die Knie weich, weil es genau darum geht; genau das wollen wir ändern. Wir wollen doch, dass sich mehr junge Menschen trauen, ins Risiko zu gehen und ein Unternehmen zu gründen. Denn auch künftig werden wir es brauchen, dass Leute ins Risiko gehen, etwas erschaffen, etwas gründen und für Arbeitsplätze sorgen, wenn wir Wirtschaftswachstum wollen. Der Wohlstand wird nicht kostenfrei an die Haustür geliefert, sondern wir müssen uns diesen Wohlstand selbst erarbeiten. Sie sehen also, warum wir diesen Antrag heute stellen. Erstens. Wir wollen dort ansetzen und weitermachen. Dabei wollen wir vor allem, dass das Schulfach „Wirtschaft“ nach dem Vorbild der beruflichen Gymnasien flächendeckend als Abiturfach und Leistungskurs in der Oberstufe angeboten werden kann. Zweitens. Wir wollen, dass die ökonomische Bildung einen höheren Stellenwert in der Lehrerfortbildung erhält. Drittens. Wir wollen das Gründertum weiter stärken, indem wir Kooperationen mit Start-ups oder anderen Unternehmen und eine Stärkung von Schülerfirmen vorantreiben. Das sind drei Beispiele aus unserem Antrag. Bayern ist übrigens – das ist besonders schmerzhaft – bei dem zuletzt genannten Thema weiter als wir, denn in Bayern fördert der CSU-Ministerpräsident zum Beispiel die Initiative „STARTUP TEENS“. Ich finde, wir sollten Bayern hier in nichts nachstehen. Es sind keine überzogenen Forderungen, die ich anbringe, und ich möchte schon einmal präventiv sagen: Zeigen Sie bitte nicht mit dem Finger nach Berlin, liebe Kolleginnen und Kollegen. Denn sonst zeigen drei Finger heute besonders auf Sie zurück, weil eine Finanzbildungsstrategie des BMF und des BMBF bereits vorliegt. Sie müssten sich also nur noch anschließen, und von daher ist gar nicht so schrecklich viel zu tun. Deswegen frage ich: Bekommen wir das zusammen hin? Ich würde mich darüber und vor allem auch darüber, mit Ihnen weiter zu diskutieren, sehr freuen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP)

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