Dr. Martin Vincentz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wann fängt Leben an? Für die einen ist es nach der Befruchtung der Eizelle; andere sagen, ab dem ersten Herzschlag; wieder andere sehen Leben erst Landtag beginnen, wenn das Kind den ersten Atemzug tut. Das ist eine Diskussion, die schon lange medizinisch geführt wird, philosophisch sowieso und auch politisch immer wieder Anklang in den verschiedenen Parlamenten findet. Tatsache ist aber: Trauernden Familien und Müttern ist das herzlich egal. Trauer richtet sich nicht danach, ob im Lehrbuch steht, dass eine Totgeburt ab 500 g vorliegt. Die Schmerzen, die der Verlust eines Kindes auslöst, werden nicht durch einige wenige Gramm oder eine willkürliche Festlegung in der Medizin und deren wissenschaftlicher Begleitung erledigt. Daher ist es sicherlich absolut richtig, dass wir an dieser Stelle – wir haben es durch eine große Petition gehört, aber auch in der Anhörung zum Antrag „Sternenkinder“ – als Akt der Menschlichkeit schlichtweg diesen Leuten zuzugestehen, dass Trauern ganz normal ist und dass es auch nicht richtig ist, es zu pathologisieren, damit man einige Tage frei bekommt, also dass man dem einen Namen aus der F-Kategorie geben muss und depressiv verstimmt ist oder andere Angstsymptome zeigt, um vielleicht ein paar Tage nach so einem Ereignis frei zu bekommen. Nein, es sollte gesetzliche Rahmenbedingungen dazu geben, dass man – selbstverständlich gestaffelt; klar – nach so einem Ereignis einfach eine gewisse Auszeit bekommt, um das überhaupt verarbeiten zu können. Hier sitzen Abgeordnete. Abgeordnete sind eine Teilgruppe von Menschen. Als Menschen sollte es uns wichtig sein, das gesellschaftliche Empfinden dafür zu haben, andere in dieser schweren Phase zu unterstützen. Das ist mittlerweile nicht selten. Wissenschaftlich begleitet – wir haben es gerade schon häufiger gehört – ist es so, dass eine nicht unbeachtliche Anzahl von Schwangerschaften nicht gut ausgeht. Allein wegen dieser gesellschaftlichen Tragweite ist es unsere Pflicht, dies auch als Politik zu diskutieren, es ernst zu nehmen und dafür vernünftige Rahmenbedingungen zu finden. Daher werden wir heute diesem Antrag zustimmen und freuen uns auch auf den Antrag hinsichtlich der Sternenkinder, der noch auf uns zukommt, wie wir gerade gehört haben. Ich denke, das ist eine gute Sache, die heute beschlossen wird. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
