Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Zum Glück ist der weisungsbefugte Innenminister nicht mehr da. Denn wenn ein AfDler eine Rede zum Thema „Angeln“ mit dem Gruß der Fischerleute „Petri Heil!“ beginnt, dann kriegt der Verfassungsschutz große Ohren. Darum eine unverfängliche Weisheit: „Fische fängt man mit Angeln, Menschen mit Worten“, sagt der Volksmund. So hofft die SPD in diesem Plenum mit einem weiteren Antrag zu traditionsreichen Vereinen – damit wurden zuletzt die Kleingärtner umworben –, dass der Köder dem Fisch schmeckt. In der Tat: Viele Punkte, die angesprochen werden, sind im Sinne der Angler. Angler machen viel mehr, als nur ab und zu den Wurm zu baden. Sie sind aktive Naturschützer. Sie helfen nicht nur bei der Besiedlung von Gewässern mit Fischen, sondern kontrollieren und regulieren die Bestände, die Wasserqualität und pflegen das gesamte Habitat. Dabei 12.06.2024 kämpfen sie mit invasiven Arten und müssen sich mit fehlgeleiteten Projekten wie der massiven Vermehrung des Kormorans herumschlagen. Ohne Angler gäbe es viele Fische in unseren heimischen Gewässern nicht. Die Benachteiligung von Anglern in Schutzgebieten ist ein wichtiger Aspekt, der den Kern des sinnvollen Naturschutzes in unserem Land berührt. Den Menschen von der Nutzung der Natur auszuschließen, um vermeintliche Wildnis zu kreieren, geht am Kern der Sache vorbei. Angler kümmern sich als aktive Kulturlandschaftspfleger um unsere Gewässer und deren Bewohner. Die Benachteiligungen in Schutzgebieten sollten beendet und entsprechende Verordnungen angepasst werden. Auch der Zugang zum Angeln für Leute, die noch keinen Angelschein gemacht haben, und insbesondere für Jugendliche ist zu vereinfachen. Die bestehende Regelung ist besonders absurd, wenn man sie mit dem Erwerb der Waffensachkunde vergleicht. Will man Sportschütze werden, so darf und muss man mindestens ein Jahr lang regelmäßig schießen gehen. Will man einen Angelschein erwerben, so darf man vor Erwerb des Scheins nicht einmal die Rute auswerfen. Immerhin gibt es keine Zuverlässigkeitsprüfung. Wenn ich einen Angelschein hätte, würden Sie mir den sonst auch noch wegnehmen. Wo wir gerade über Bleiverschießen sprachen: Die geforderte Vorbereitung auf ein mögliches Bleiverbot beim Angeln ist sicherlich sinnvoll. Aber wenn man im Antrag der SPD Vorschläge dafür sucht, wie diese Vorbereitung denn nun aussehen soll, dann fischt man im Trüben. Wie mir ein befreundeter Angler sagte, steht man einer Umstellung auf bleifreie Gewichte völlig positiv gegenüber. Die Giftigkeit des Bleis ist allseits bekannt. Die Alternativen sind jedoch immer noch deutlich zu teuer. Außerdem stellt sich die Frage nach der konkreten Ausgestaltung eines Bleiverbotes. Sollte dieses nicht allein in ein Verkaufsverbot, sondern auch in ein Verwendungsverbot münden, wäre ein grundlegendes Recyclingkonzept und eine entsprechende Vergütung wichtig. Denn bei Anglern können schnell mehrere Kilo Blei zusammenkommen. Beim aktuellen Kilopreis von ca. 2 Euro und fast einer Viertelmillion Angler in NRW sind das nicht unerhebliche Mengen und Summen. Zum Schluss noch: Kein Fisch ohne Gräten. Die SPD spricht in ihrem Antrag auch das Thema „Kleinstwasserkraftwerke und Windkraftausbau“ an. Sie haben zwar recht: Die Leistung der Kleinstkraftwerke ist für die Energieversorgung unerheblich. Gleichzeitig machen diese Kleinstkraftwerke viele Bemühungen zur Wiederansiedlung insbesondere von wandernden Fischen zunichte. Den Ersatz der ausgefallenen Leistung bei deren Rückbau durch zwei Windindustrieanlagen symbolisch in den Antrag zu schreiben, ist Landtag vielleicht ein netter Gag, um den Grünen zu gefallen. Aber gleichzeitig geben Sie hier „Butter bei die Fische“, was Ihr Verständnis von Naturschutz angeht. Der SPD ist es scheinbar lieber, wenn Vögel und Fledermäuse in Windindustrieanlagen geschreddert werden, als dass flussabwärts getötete und zerstückelte Fische von Anglern geborgen werden müssen, wie Sie es ja hoch emotional im Antrag schreiben. Was Energiepolitik angeht, sind Sie wirklich wie der Fisch auf dem Trockenen. Auch wenn die Leistung der Kleinstkraftwerke unerheblich ist, haben diese doch einen Vorteil gegenüber Windkraftanlagen. Sie sind grundlastfähig, weil sie unabhängig von Wind und Wetter Energie produzieren können. Zur Kompensation der ausgefallenen Leistung der 279 Wasserkraftwerke unter 100 kW könnte man übrigens auch ein Atomkraftwerk einen einzigen Tag länger laufen lassen. Aber sei es drum. Mit Ihrem grünen Mimikry fischen Sie bei uns im falschen Teich, sprechen aber im Antrag viele richtige Punkte an. Darum werden wir uns enthalten. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
