Franziska Müller-Rech
Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin unheimlich dankbar für die Arbeit der Schulleitungen. Sie sind echte Allroundtalente. Es ist wirklich ein toller und unheimlich wichtiger Beruf, und wir müssen gemeinsam dafür kämpfen, dass er unbedingt auch wieder attraktiver wird. Dabei geht es aus unserer Sicht um folgende Punkte, die uns Freien Demokraten besonders wichtig sind. Zum einen geht es um mehr Gestaltungsspielräume. Keine Überraschung: Wir glauben fest an Eigenverantwortung. Das gilt insbesondere für Führungskräfte wie zum Beispiel Schulleitungen, denen wir sehr viel zutrauen. Die besten Entscheidungen werden direkt vor Ort getroffen. Wir fordern deswegen auch heute mehr finanzielle Freiheit für Schulleitungen, zum Beispiel mit einem Schulbudget, generell mehr Gestaltungsspielräume, auch personell, und eine Ausschärfung ihrer Aufgaben und Spielräume, und dafür müssen wir auch die Rollenaufteilung mit der Schulaufsicht kritisch überprüfen. Geben wir also den Schulleitungen mehr Freiheit! (Beifall von der FDP) Zweitens wünschen wir uns natürlich auch mehr Unterstützung für die Schulleitungen. Mehr Schultern brauchen wir, auf die wir die Aufgaben verteilen können. Wir plädieren für ein Schulleitungsteam, und dafür haben wir zum Beispiel schon in der letzten Legislaturperiode die kleinen Grundschulen gestärkt, wo viele Schulleitungen als Einzelkämpferinnen und -kämpfer unterwegs waren. Denen haben wir einen Konrektor, eine Konrektorin zur Seite gestellt. Wir hätten uns jetzt gewünscht, dass wir auch zusammen die Schulverwaltungsassistenz weiterentwickeln. Das wäre eine Riesenchance gewesen, die jedoch leider von Schwarz-Grün vertan worden ist. Sie Landtag haben die Stellen für Schulverwaltungsassistenzen leider gekürzt, anstatt dafür zu sorgen, dass sie besetzt werden können. Das ist etwas, was wir immer gefordert haben. Wir hätten gerne auch daran mitgewirkt, das zu attraktiveren. Sie haben sich leider fürs Streichen entschieden. Eine Anrechnung zum Beispiel auf die Lehrerstellen wäre doch ein Punkt gewesen, der die Schulen tatsächlich entlastet hätte. Das wäre eine echte zusätzliche Unterstützung und der richtige Weg gewesen. Ich möchte auch an unsere FDP-Forderung erinnern, die wir auch schon in einem Antrag vorgetragen haben, zusätzlich zur pädagogischen Schulleitung auch eine Verwaltungsspitze zu etablieren, wo das sinnvoll ist und wo die Schulen davon profitieren können. Ich möchte Sie dringend dazu aufrufen, auch diesen sinnvollen Vorschlag zu prüfen. (Beifall von der FDP) Drittens möchte ich auch, wie Kollegin Schlottmann, die Leitung in Teilzeit ansprechen. Wir haben in unserer Regierungszeit das Topsharing ermöglicht, ein richtig gutes Modell, das zahlreiche Chancen für Teilzeitkräfte bietet. Teilzeitkräfte sind noch oft Frauen – das wissen wir –, und daher ist dieses Topsharing, das wir eingeführt haben, ein tolles Instrument der Frauenförderung. Deshalb bringe ich die dringende Aufforderung an, dieses Instrument weiter auszubauen, es zu bewerben, es noch attraktiver zu machen und Hürden abzubauen, damit wir echte Karrierechancen für Teilzeitkräfte und für viele Frauen im Land steigern können. (Beifall von der FDP) Viertens komme ich zum Thema „Besoldung“. Dazu ist schon viel Richtiges genannt worden. Ich möchte aber auf einen Punkt eingehen und einen kleinen Wermutstropfen einbringen. Wir lehnen die Besoldung nach Schulgröße ab. Kleinere Schulen stehen vor anderen, aber mitunter nicht weniger großen Herausforderungen. Deswegen halten wir das nicht für den richtigen Schritt. Trotzdem ist klar, dass wir unser Besoldungssystem immer wieder prüfend betrachten müssen und wir vor allem dafür sorgen, dass Schulleitungen nicht aus finanziellen Gründen abgelehnt werden, frei nach dem Motto: Das mache ich nicht, das lohnt sich nicht für mich. Unsere Schulen konkurrieren auch mit der freien Wirtschaft; das dürfen wir nicht vergessen. Im letzten Jahr haben 930 Lehrkräfte an unseren Schulen gekündigt und teilweise ihre Verbeamtung aufgegeben, um in die freie Wirtschaft zu wechseln. Das ist ein Alarmsignal, und deswegen müssen wir zusammen dringend dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz Schule generell wieder attraktiver wird, und dazu gehört eben auch Attraktivität für Schulleitungen. Ich komme zum Schluss. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Lehrkräfte wieder darauf Lust 12.06.2024 bekommen, Schulleitungsposten zu übernehmen, denn unsere Schulen in Nordrhein-Westfalen können nur gut funktionieren, wenn wir motivierte Schulleitungen haben, die ihre Schule gut führen können. Dieses Thema dürfen wir daher nicht unterschätzen. Eine gute Schule braucht gute Schulleitungen. Das ist absolut richtig. Die beste Schule kann nicht funktionieren, wenn die Schulleitung versagt oder deren Stuhl sogar komplett leer bleibt, weil Schulleitungsstellen nicht besetzt werden können. Deswegen möchten wir heute trotz der Meinungsverschiedenheit bei dem einen Punkt ein Zeichen setzen und dem Antrag zustimmen. – Ich sehe, dass sich die SPD freut. Vielen Dank; wir werden weiter gemeinsam an diesem Thema bleiben. – Alles Gute. (Beifall von der FDP und der SPD)
