Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Reichskanzler von Bismarck sagte einst, es werde nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Und beim Wursten!) Die ersten beiden Punkte sind hier im Haus ja gängige Praxis. Nun möchte man das Trio offenbar vervollständigen. Die Idee einer zentralen Stelle für Wildtierforschung ist an sich begrüßenswert, denn es ist durchaus richtig, dass unsere Umwelt, sowohl die Flora als auch die Fauna, schwer ins Wanken geraten ist und dass insbesondere der urbane Raum zunehmend zum Großstadtdschungel wird. Das liegt auch an den wilden Tieren, die sich dort ansiedeln. Die Themen im Zusammenhang mit Wildtieren soll die FJW untersuchen, um Wissen und Handlungsempfehlungen für die Politik und das Private abzuleiten. Das alles ist sicher sinnvoll und wäre nicht zu beanstanden, wenn da nicht noch etwas anderes im Busch wäre. Die Strategie hinter den Experten und Forschungsstellen ist mittlerweile durchschaubar: Die CDU setzt sich kurz die konservative Maske auf, gibt sich besorgt um konservative Wählermilieus wie eben die Jäger und wertet eine entsprechende Stelle auf, dann aber ermöglicht sie ihrem grünen Koalitionspartner, dort einige gut bezahlte Parteigänger zu platzieren. 12.06.2024 (Norwich Rüße [GRÜNE]: Was ist das denn wieder für ein Gesabbel? Das ist ja fürchter- lich!) Die wahre unabhängige Forschung bleibt auf der Strecke, während das Forschungsteam faktisch aus steuerfinanzierten Wahlkämpfern besteht. Dieselbe Leier hatten wir mit Nachhaltigkeitsräten und anderen ähnlichen Institutionen. Und wer hätte es gedacht? Ein staatlich installiertes Forschungsteam kommt mit staatlichen Geldern zu dem Schluss, dass die politische Ausrichtung der Oppositionspartei falsch ist. Aber natürlich geht hier alles mit rechten Dingen zu. Die Forschung ist völlig unabhängig. Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Und bei dir gibt es nichts zu hören!) Stellen wir uns eine solche grün durchsetzte Expertenstelle zur Wildtier- und Jagdforschung einmal vor. Was wären wohl die wichtigsten Erkenntnisse, Handlungsschritte und Empfehlungen? Darf der Jäger nur noch mit dem E-Auto in das Revier fahren? Entwickeln Sie CO -neutrale Patronenhülsen aus biologisch abbaubaren Pflanzenfasern? Vielleicht wird dem Landtag auch eine Photovoltaikpflicht auf allen Hochsitzen empfohlen. Ja, das klingt lächerlich, aber so sehen die Leute da draußen mittlerweile die Politik. Alles, was Sie anfassen, pervertiert zu einem Ideologiewerk. (Gönül Eğlence [GRÜNE]: Das sagt ja der Richtige!) Selbst etwas so Traditionsreiches wie die Jagd wird davon nicht verschont bleiben. Auch wenn die Wahrheit schmerzt: Die Jäger wählen nach wie vor nicht grün und werden es auch durch Ihre Stelle nicht tun. Dass Sie die Letzten sind, die verantwortungsvoll mit unserer Tierwelt umgehen, zeigt schon Ihr Prestigeprojekt „Wolf“. Was haben Sie sich nicht für die Rückkehr des Wolfes starkgemacht! Sie feierten das als einen gigantischen Erfolg für den Artenschutz und wollten – Zitat aus Ihrem eigenen Programmbeschluss – die Akzeptanz der ländlichen Bevölkerung gerade gegenüber dem Wolf erhalten oder gewinnen. Jetzt frage ich Sie: Wie gut hat das geklappt? Allein in diesem Jahr haben die Wolfsrudel, die es sich in NRW bequem gemacht haben, mehr als 200 Nutztiere gerissen. Nach so einem Wolfsangriff stehen Schäfer erst einmal vor ihrer zerfleischten Herde und fragen sich, wie es weitergeht. Entschädigung? Das kann dauern; erst einmal Gutachten einholen, Papierberge ausfüllen, und währenddessen steht man ohne Einnahmequelle da. (Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE]) Landtag Ist das die Akzeptanz, die Sie erreichen wollen? Ist das – Zitat – der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen für Wildtiere und Mensch? Meine Damen und Herren, in meiner Welt schützt man die Wildtiere nicht, indem man auf Gedeih und Verderb neue Fressfeinde für sie einführt. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Meine Güte! – Zuruf von der SPD) Ebenso wenig schützt man den Menschen, indem man ihm den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen wegzieht. Die Tiere, die Sie schützen, sind meist die falschen. Die Probleme mit Wildschweinrotten, die Gärten und Felder verwüsten, beginnen bei deren übermäßiger Vermehrung durch den Maisanbau für die Energiewende und enden bei der Drangsalierung der Jägerschaft. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Glauben Sie das al- les selbst?) Auch hereingeholte Tunichtgute bedrohen die nordrhein-westfälische Natur, zum Beispiel der Waschbär, der mit Vorliebe Eier bedrohter heimischer Singvögel und Schildkröten frisst und Krankheiten auf unsere Haushunde übertragen kann. Der Waschbär gehört wie viele andere Lebewesen gar nicht nach Deutschland, dennoch kann er sich ungehindert ausbreiten. (Lachen und Zurufe von Norwich Rüße [GRÜNE] und Lena Teschlade [SPD] – Stefan Zimkeit [SPD]: Faschisten gehören auch nicht nach Deutschland! – Andreas Keith [AfD]: Dann gehen Sie doch!) Man fragt sich, wieso. Gibt es Jagdprämien für den Waschbär oder eine Aufhebung der Schonzeit? Nichts dergleichen. Wenn sechs Monate im Jahr die Flinte im Waffenschrank bleiben muss und der Waidmann nicht einmal die verschossene Patrone erstattet bekommt, muss sich niemand wundern, dass sich ein solcher Schädling hier pudelwohl fühlt. Man könnte also meinen, die Expertise der Grünen in Sachen Bestandsregulierung sei dürftig. (Zuruf von Lena Teschlade [SPD]) Doch weit gefehlt. Wenn es um die Dezimierung bestimmter Tiere geht, macht ihnen keiner was vor. Bedrohte Flugtiere, zum Beispiel Fledermaus, Rotmilan und Schwarzstorch, haben wahrlich nichts mehr zu lachen, seit Windräder wie Pilze aus dem Boden sprießen. Mir war zwar nicht bewusst, dass wir uns dieser Tiere entledigen wollen, aber das müssen wohl die lästigen Nutzungskonflikte zwischen Mensch und Tier sein, die Sie im Antrag thematisieren. Auch wenn ich das Gegenteil befürchte: Vielleicht findet Ihre weiterentwickelte Forschungsstelle in ein 12.06.2024 paar Jahren heraus, dass das Roden von Wäldern, um Tausende Storchenschredder zu errichten, doch nicht ganz so öko und nachhaltig war. Bis es soweit ist, lehnen wir diesen Antrag ab. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
