Julia Kahle-Hausmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich wirklich, zu diesem TOP sprechen zu dürfen. Ehrlich! Denn: Können Sie sich noch an die Plenarsitzung von August 2023 erinnern, in der Sie, die Redner der regierungstragenden Fraktionen, uns in Redebeiträgen mit Spott überhäuften, weil wir Ihnen zufolge zu wenige Anträge eingereicht hatten? Heute dürfen Sie, verehrte Kolleginnen und Kollegen, meiner Rede zum einzigen, alleinstehenden und einsamen Einzelantrag der regierungstragenden Fraktionen lauschen, (Beifall und Heiterkeit von der SPD – Zuruf von René Schneider [SPD] – Lachen von Wilhelm Korth [CDU]) und zwar in der Hoffnung, dass dieser Antrag die Zukunft Nordrhein-Westfalens grundlegend verbessern möge. Los geht’s. Letzten Samstag traf sich die NRW-Jagdzunft im westfälischen Ahlen zum Landesjägertag. In den Grußworten wurde insbesondere von der Präsidentin des LJV die unklare Datenlage zu den Populationen von Schalenwild und Prädatoren sowie zur Problematik der Inzucht verschiedener isolierter Arten beleuchtet. Auch Wildkrankheiten und Fallwild waren Punkte ihrer Rede. Mit all diesen Themengebieten setzt sich die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung seit fast 75 Jahren auseinander. Die Arbeit dieser Forschungsstelle ist ein wichtiger Bestandteil 12.06.2024 des Artenschutzes in unseren Wäldern und versorgt die Mitarbeitenden beim Waldumbau mit einem hohen Maß an Kompetenz und Fachwissen. Wir Sozialdemokraten meinen: Mehr Wissen schadet nicht. Einerseits schränken wir den Lebensraum der Wildtiere durch unsere Auffassung von Zivilisation immer mehr ein. Andererseits kommt es durch Klimawandel und dessen Folgen dazu, dass Mensch und Wild sich immer näher auf den Pelz rücken. Waschbären am Hausmüll sind landesweit ein Thema. In der Eifel stehen Hirsche hinter dem Haus. Schwarzwild gräbt die Vorgärten in Großstädten um. Tatsächlich wird die Spaltung zwischen Jägern und Tierschützern immer größer. Diesbezüglich kann die FJW wirken. Wenn man bei Ihrem Antrag aber ein bisschen auf den Busch klopft, wird deutlich: So richtig ernst meinen Sie es ja nun doch nicht. Erstens: die Arbeit der Forschungsstelle konzeptionell weiterentwickeln. Ja, wie denn? Hier wäre ein bisschen mehr Fleisch am Knochen hilfreich. Vielleicht wollen Sie die Forderung ja mit dem angekündigten NRW-Wildtierkonzept verbinden. Solange Sie allerdings so vage bleibt, ist die Forderung dieselbe wie die nach nassem Wasser. Zweitens: die Zusammenarbeit mit benachbarten Bundesländern ausbauen. Wenn wir helfen dürften? Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz machen das schon lange in der Clusterstruktur „ForWild“. Adaptieren Sie das doch gemeinsam mit Niedersachsen und der Uni Göttingen. Oder legen Sie es konkret in dem angekündigten waldökologischen Hochschulinstitut an. Drittens: wieder Zusammenarbeit – finden wir klasse –, diesmal international und mit Forschungszentren sowie eine Ausgestaltung zu einem Wildforschungsknotenpunkt. Aber dazu, was Sie sich konkret darunter vorstellen, Fehlanzeige. Wir haben zig Institute auf Bundes- und Landesebene und außerdem Vereine wie die Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung. Wollen Sie Netzwerkveranstaltungen auflegen? Wollen Sie ein Wildforschungscluster aufbauen oder einen internationalen Kongress in Zusammenarbeit mit dem UNEP? In welchem Rahmen soll das geschehen? Wobei wir Ihnen aber richtig auf die Schliche kommen bzw. woran wir merken, dass Sie Ihr Pulver schon verschossen haben, ist die Finanzierung.
