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Wilhelm Korth

CDU 12.06.2024 Sitzungen 18/67

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe vor gut 25 Jahren die Jägerprüfung abgelegt. Seitdem bin ich im sogenannten praktischen Jagdeinsatz. Für mich heißt das, dass ich ein aktiver Schützer von Natur und Umwelt bin. Ich kümmere mich um den Artenschutz, um die Biotoppflege und um einen angepassten und ausgeglichenen Wildbestand. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Ihnen daher bestätigen, dass Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren nicht nur in Asien oder Afrika, sondern auch bei uns in Nordrhein-Westfalen zunehmen. Dabei geht es etwa um Wildschweine, die Gärten durchwühlen und zerstören. Es geht auch um den Fuchs, der mit Räude über den Kinderspielplatz läuft, oder die Tauben, die den jungen Salatherzen den Garaus machen und Schäden in der Landwirtschaft verursachen, ganz zu schweigen von invasiven Arten wie dem Waschbär, dem Enok – man nennt ihn auch Marderhund – oder die Nutria und deren Auswirkungen auf unsere heimische Tierwelt. Als Jäger sollen wir sicherstellen, dass die Wiederbewaldung klappt, und wir sollen unser Reh und Rotwild angepasst managen. Gleichzeitig nimmt aber der Freizeit- und der Erholungsdruck zu, sodass unser heimisches Wild immer weniger Ruhebereiche findet. Um diese Konflikte zu behandeln, braucht es ein kluges Management, eine punktgenaue Forschung sowie eine breite Beratung und Schulung. Damit bin ich beim Gegenstand unseres Antrags. Die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung ist wahrscheinlich nur wenigen Menschen bekannt. Diese Stelle hat aber eine sehr wichtige Rolle, wenn wir auf den Mensch-Tier-Konflikt und auf eine Umwelt, die sich durch den Klimawandel sehr stark verändert, schauen. 12.06.2024 Vor Kurzem durfte ich mir ein eigenes Bild von den engagierten Fachleuten und Experten vor Ort in Bonn machen. Dort schlägt das Herz der Wildtierforschung in Nordrhein-Westfalen, und wir können sehr stolz darauf sein, ein solches Kompetenzzentrum in unserem Bundesland zu haben, das bislang zwar recht klein, aber doch fein ist. Die Forschungsstelle ist der zentrale Ansprechpartner für alle Fragen rund um Wild und Jagd. Sie bietet Fortbildungs- und Beratungsdienstleistungen für die Jägerschaft an. Kommunen, Land- und Forstwirtschaft und alle weiteren interessierten Akteure und Organisationen sind ebenfalls einbezogen. Mit dem Standort in Bonn ist sie in einer Region angesiedelt, in der Forschung und Bildung einen hohen Stellenwert haben. Wir sehen da ein großes Potenzial an Zusammenarbeit und Vernetzungschancen. Mit Blick auf die jüngere Vergangenheit möchte ich auch das wichtige Thema „Wildkrankheiten“ ansprechen. Das Coronavirus ist wahrscheinlich von einem Wildtier auf den Menschen gesprungen. Derzeit erleben wir eine heftige Vogelgrippepandemie. In Krefeld gab es jüngst Fälle von Hasenpest. Auch da ist die Forschungsstelle involviert. Über all diese Entwicklungen von Wildkrankheiten müssen wir informiert sein. Wir müssen sie dokumentieren und die Menschen dafür sensibel machen. Auch dies tut die Wildforschungsstelle, und sie kooperiert dabei in vorbildlicher Weise mit den Chemischen Veterinärund Untersuchungsämtern im Land. Dieses Netzwerk und diese Zusammenarbeit ist in Deutschland einmalig. Die Forschungsstelle erarbeitet einen jährlichen Fallwildbericht, also einen Bericht zu Wild, das ohne Zutun eines Jägers verendet ist, und wertet die nachgewiesenen Todesursachen aus. Das ist sehr wichtig, um eine gute Datengrundlage über bei den Wildtieren grassierende Krankheiten und deren Gefahr für die Populationen zu haben und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einzuläuten. Sie sehen, dass die Wildforschungsstelle im Bereich von Forschung, Beratung und Naturschutz eine zentrale Rolle spielt. Ich als Naturfreund bin froh, dass wir wissenschaftliche Expertise in unserem Land haben, die auch unsere Jägerschaft berät und informiert. Was ich beschrieben habe, ist nur ein Auszug aus dem vielfältigen Aufgabenkatalog. Mit dem Einfluss, den der erwartete Klimawandel bei uns auf Flora und Fauna haben wird, und mit den wachsenden Erwartungen unserer Gesellschaft wird ihre Bedeutung noch weiter steigen. Deshalb ist es aus unserer Sicht nötig, die Wildtierforschungsstelle zukunftssicher aufzustellen und sie weiterzuentwickeln. Mit unserem Antrag haben wir das Ziel, die exzellente Fachkompetenz, die wir mit der Forschungsstelle im Land haben, weiter zu fördern. Ich werbe Landtag somit um die Zustimmung für unseren wirklich wichtigen Antrag. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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