Andreas Bialas
Sehr geehrter Herr Präsident! Es ist immer gut, über Kultur zu reden, und besonders gut ist es, wenn es zur Primetime im Plenum geschieht. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Dass der Staat die Vermittlung von Kunst und Kultur als eine eigene Aufgabe begreift und dementsprechend auch Landtag bezahlt, ist, weltweit gesehen, keine Selbstverständlichkeit. Zahlreiche Staaten tun genau das nicht. Die Frage ist: Warum tun wir es dann? Weil wir getragen sind von der Überzeugung, dass sowohl Bildung als auch die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur zu etwas Wichtigem beitragen, nämlich erstens zu der Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit des Einzelnen und zweitens zu der Entwicklung hin zu einer gerechteren, humaneren und solidarischen Gesellschaft freier Individuen. Wenn das so ist, schließt sich daran zwingend die Forderung an, dass die Angebote der Bildung und der Kunst jedem möglichst zugänglich sind oder werden, dass sie also Arrangements aufweisen, die die Türen für möglichst viele weit öffnen. Darum treiben uns insbesondere die Fragen nach Teilhabe an Bildung, an Kunst und Kultur und an Gesellschaft um. In diesem Lichte ist ein gemeinsames Nachdenken, Planen und auch Operationalisieren von Angeboten der kulturellen Bildung sehr zu begrüßen. Lassen Sie mich das gleich auch mit einem Appell verbinden. Gerade wenn die Zeiten schwerer werden, die Gelder knapper sind oder zu werden drohen, spart man niemals an der Kultur, und beim Sport auch nicht. Denn das sind starke Bollwerke unserer Gemeinschaft. (Beifall von der SPD) Ich danke Heike Wermer, dass sie die Initiative ergriffen und einen textlichen und damit auch inhaltlichen Aufschlag für diesen Antrag hier gemacht hat. Herzlichen Dank. Was ist kulturelle Bildung? Und warum ist sie so wichtig? Neben den bedeutsamen Punkten, zum Beispiel der rezeptiven Beschäftigung mit kulturellen Inhalten und somit der Zuwendung zu bestehenden Kunstangeboten, zählen dazu auch der leicht gangbare Zugang zu diesen Angeboten, aber auch das Erlernen von Techniken, zum Beispiel das Lernen von Instrumenten. Weiterhin geht es um Erlangung von Reflexionsmöglichkeiten auf dem Weg zu Emanzipation und Mündigkeit oder auch um die Nachwuchsgewinnung sowie – auch das darf Kunst und Kultur – die Unterhaltung und das Vergnügen als auch um das Erlernen eines guten Miteinander. Es ist aber auch das so enorm wichtige Erlernen eines grundlegenden Verständnisses von sich selbst, von den anderen und von der Welt durch das Kennenlernen von verschiedensten Sichtweisen, dargeboten in ästhetischer Art und Weise. Es ist auch das Kennenlernen unserer Narrative, und es ist das Erlernen eines kulturellen Grundbestecks, nicht zuletzt das Lesenlernen. Für mich ist die kulturelle Bildung eine grundlegende stärkere Ausrichtung hin auf die Interessenssphären und Lebensrealtäten von Menschen, im Besonderen von Kindern und Jugendlichen. 12.06.2024 Bei aller so wichtigen Freiheit der Kunst: Bei der kulturellen Bildung steht der Mensch im Mittelpunkt. Daher ist es wichtig, sich in mehreren Schritten zunächst klar zu werden, was für uns kulturelle Bildung ist und sein soll. Wir müssen also klären, was wir an Forderungen haben und an Hoffnungen auf sie werfen – was sind die Ziele? –, schauen, was bereits stattfindet, also welche konkreten Angebote in welchen Handlungsfeldern bereits bestehen – hier ist Nordrhein-Westfalen in der Tat nicht schlecht aufgestellt; es gibt viele gute Sachen –, schauen, ob die Förderprogramme, Institutionen und Projekte greifen, noch Bedarfe haben, möglicherweise geändert oder ergänzt werden müssen – es soll also immer noch besser werden. Und wir müssen klären, welche Partner uns welche Handlungsnotwendigkeiten bespielen können, klären, welche Rahmenbedingungen es zum Beispiel in der Lehre bedarf, aufklären, wie es mit anderweitigen Partnern aussieht, zum Beispiel mit den Schulen. Ich nehme an, dass Kollegin Gebauer dazu gleich noch ausführen wird. Der Antrag ist – Heike Wermer hat es gesagt – kein verabschiedetes Gesamtkonzept der kulturellen Bildung. Er soll der allgemeine Auftakt für einen gemeinsamen Prozess sein, um die kulturelle Bildung in unserem NRW zu sichern, zu stärken, sie als einen Schwerpunkt zu benennen, um dann Schritt für Schritt in den Handlungsfeldern konkretere Forderungen zu erarbeiten und sie insgesamt weiterzuentwickeln. Ich freue mich darauf. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP)
