Susanne Schneider
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Fachkräftemangel stellt aktuell die größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt dar. Gleichzeitig kommen erhebliche Veränderungen auf die Arbeitswelt zu: fortschreitende Digitalisierung, der Einsatz von KI, aber auch die Klimaanpassung. Dazu werden weitere Veränderungen kommen, die wir jetzt noch gar nicht absehen können. Daher müssen wir offen für Wandel und Fortschritt sein. Wenn man jedoch den SPD-Antrag liest, könnte man den Eindruck bekommen, es ginge vor allem um das Konservieren von Industriearbeitsplätzen. Als Freie Demokraten setzen wir jedoch auf Innovation und eine neue Dynamik im Sinne der Wirtschaftswende. In einer digitalisierten Arbeitswelt entstehen permanent neue Tätigkeitsfelder, und neue Berufsfelder werden hinzukommen. Wir wollen daher ein Labor „Arbeit 4.0“ gründen, um Austausch, Wissenstransfer und Modelllernen bei Themen der Arbeitswelt der Zukunft zu befördern. Angesichts der Transformation der Arbeitswelt müssen die Initiativen des Landes zur Fachkräftesicherung gemeinsam mit Kammern, Verbänden, Tarifpartnern und der Bundesagentur für Arbeit weiterentwickelt werden. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Dazu müssen wir insbesondere Branchen und berufsspezifische Bedarfe und Best-Practice-Beispiele zum Wissenstransfer in den Fokus nehmen. Lebenslange Weiterbildung hat in einer Welt im Wandel zentrale Bedeutung. Aus-, Fort- und Weiterbildung bleiben das ganze Leben Grundlage für sozialen Aufstieg und beruflichen Erfolg. Die Entscheidung für Weiterbildung darf nicht finanziell erschwert werden. Mit dem Qualifizierungschancengesetz wurden Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten bereits verbessert und deren Förderung ausgeweitet. Zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit und den Sozialpartnern müssen aber Information und Beratung weiter ausgebaut werden, um eine stärkere Inanspruchnahme dieser Möglichkeit zu erreichen. Landtag Weiterbildung benötigt einen einheitlichen Zertifizierungsrahmen, um Qualität und Vergleichbarkeit zu sichern. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) Wir setzen uns außerdem für einen aktiven Ausbau von modularen, digital gestützten und damit zeit- und ortsunabhängigen Weiterbildungsangeboten in Nordrhein-Westfalen ein, gerade auch durch die Hochschulen, aber auch durch die Kammern und durch private Anbieter. (Beifall von Angela Freimuth [FDP]) So können Strukturen des lebenslangen Lernens entstehen, die Angebote bestehender Bildungseinrichtungen zusammenführen, öffnen und erweitern. Eine digitale Arbeitswelt braucht aber auch andere Regeln. Wir wollen auf Bundesebene das Arbeitszeitgesetz im Rahmen der EU-Richtlinie flexibler gestalten und die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten ausbauen und nicht durch komplizierte Vorgaben für Homeoffice einengen. Eine Möglichkeit wäre es, eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit einzuführen. Damit könnte sich jeder die Arbeit selbst einteilen. Aber keine Sorge, auch dabei ist ein moderner Arbeitsschutz möglich. Niemand soll weniger Pausen machen oder mehr arbeiten als bisher. Aber die Einteilung der Arbeitszeit muss flexibler möglich sein. Die Summe der täglich notwendigen Ruhezeit bleibt bestehen. Flexible Regelungen sollen jedoch in einem Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung rechtssicher ermöglicht werden. Zudem darf die von vielen gelebte und geschätzte Vertrauensarbeitszeit, in der Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmer selbstständig über ihre Arbeitszeit bestimmen können, zukünftig nicht eingeschränkt oder gar verhindert werden. Mehr Flexibilität und Selbstbestimmung führen zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (Beifall von der FDP) Mehr Freiheit in diesem Bereich wirkt sich auch positiv auf Arbeitszufriedenheit und Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus. Es gibt zahlreiche Aspekte, die wir im Ausschuss weiterdiskutieren können. Ich freue mich darauf und danke Ihnen fürs Zuhören. (Beifall von der FDP)
