Zacharias Schalley
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Deutschland und Nordrhein-Westfalen altern. Wir haben in Deutschland seit den 70er-Jahren ein kontinuierliches Geburtendefizit. Es werden weniger Kinder geboren, als Menschen sterben. Allein im vergangenen Jahr gab es in NRW rund 70.000 mehr Todesfälle als Geburten. Woran liegt es, dass jede fünfte Frau in Deutschland kinderlos ist und sich immer mehr Frauen bewusst dafür entscheiden? Zahlreiche Studien belegen hingegen, dass Kinder für den Körper und den Geist gesund sind. Studien in Australien ergaben, dass Mütter ein höheres Wohlbefinden haben. In Norwegen stellte man ein höheres Selbstwertgefühl von Müttern fest. Andere Studien belegen eine höhere Resistenz gegen Erkältungen und einen besseren Blutdruck. Das Elternsein hat also zahlreiche positive Implikationen. Dennoch ist das Ideal, das in der Öffentlichkeit und in den Medien präsentiert wird, die kinderlose Frau, die Karriere macht und sich selbst verwirklicht, als wären Karriere und Selbstverwirklichung ein Widerspruch zur Familiengründung. Woran liegt das? Im Jahr 2022 kam eine Studie der Hochschule Gera, in der bewusst kinderlose Frauen nach ihrer Motivation befragt wurden, zu dem Ergebnis, dass Kinder als Gegenspieler der Selbstverwirklichung angesehen würden. Das erklärt auch, warum alle ökonomischen Maßnahmen, die die Politik bisher ergriffen hat – Kinderfreibeträge, Kindergeld etc. –, nicht zu einer demografischen Trendwende geführt haben. Es braucht eine geistige Wende, die die positiven Aspekte von eigenen Kindern hervorhebt. (Beifall von der AfD) Erinnern Sie sich noch an die Werbung der nordrhein-westfälischen Firma Vorwerk am Anfang der 2000er-Jahre? Bei einem Vorstellungsgespräch wird eine Frau vom männlichen Chef in spe abschätzig gefragt: „Ihr Beruf? Oder sind Sie nur …?“ Die Frau erwidert selbstbewusst: „Ich arbeite in der Kommunikationsbranche und im Organisationsmanagement. Außerdem gehören Nachwuchsförderung und Mitarbeitermotivation zu meinen Aufgaben. Kurz: Ich führe ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen.“ Was in diesem Werbespot der arrogante männliche Chauvinist ist, sind heute links-grüne selbsterklärte Feministinnen. Das im Werbespot unausgesprochene „Hausfrau und Mutter“ zeigt die Lebenslüge des modernen Feminismus. Wenn man die Frauen wirklich befreien und emanzipieren will, sollte man Landtag anerkennen, dass der Beruf „Hausfrau und Mutter“ erfüllend und sogar von besonderem Wert sein kann. Aber was läuft auf den Kanälen der öffentlichen Meinungsmacher? Typische Titel von SWR, WDR oder ähnlichen Ablegern lauten: (Zuruf von Marcel Hafke [FDP]) Kinderlos aus Überzeugung. – Bewusst kinderlos: Darum wollen wir keine Kinder haben. – Oder auch: My so-called selfish life – Kinder? Nein, danke! (Zuruf von den GRÜNEN) Bei all dem handelt es sich um Berichte mit dem Ziel, das Auf-die-Welt-Bringen von Kindern in ein negatives Licht zu rücken. Und auf #regrettingmotherhood schildern Frauen wiederum Gründe dafür, warum sie es bereuen, Kinder auf die Welt gebracht zu haben. Trotz alledem wissen Eltern, dass Kinder Blut, Schweiß und Tränen kosten. Die Sinnerfüllung geht aber tiefer als jeder kurzfristige Spaß, den man in seiner Freizeit hat. Der britische Philosoph Roger Scruton stellte richtigerweise fest, dass ein Unterschied zwischen den Dingen mit einem Wert und den Dingen mit einem Preis existiere: Dinge mit einem Wert befriedigen, was wir sind, und nicht nur das, was wir begehren. Kinder auch deshalb großzuziehen, damit etwas von einem selbst das eigene irdische Dasein überdauert, befriedigt tausendmal mehr als jeder verpasste Urlaub und jede Beförderung im Karrierehamsterrad. Vielleicht sage ich es noch plakativer, weil wir das Thema „Einsamkeit“ auch schon häufiger im Landtag hatten: Menschen mit solch einem Lebensstil werden am Ende ihrer Tage einsam in unseren Pflegeeinrichtungen versauern. Für eine kinderreiche Zukunft brauchen wir eine rundum aktivierende Familienpolitik. Hier geht es nicht nur um mehr Betreuungsplätze, ein höheres Elterngeld oder den schnöden Mammon, sondern es geht um eine Wende in den Köpfen, welche die Leistungen von und in Familien wieder in den Fokus rücken und kinderfeindlichen Einstellungen gegensteuert. (Zuruf von der SPD) Eine negative Demografie hat fatale Auswirkungen auf unsere wirtschaftliche Stabilität, auf die Stabilität unserer Sozialsysteme, auf unsere kulturelle Identität und nicht zuletzt auf das persönliche Glück und die Gesundheit. Es bedarf ganzheitlicher Konzepte, mit denen junge Eltern unterstützt und junge Paare ermutigt werden, sich für die Elternschaft zu entscheiden, indem ihnen die positiven psychischen und gesundheitlichen Seiten des Elternseins verdeutlicht werden. 16.05.2024 Ich bin sehr zuversichtlich, denn die Wände in den Köpfen hat bereits begonnen. Die AfD ist bei den 14- bis 29-Jährigen die stärkste Kraft. Es ist mir daher ein besonderes Vergnügen, den alternden linken Kadern zu sagen: Eure Kinder wählen AfD. (Beifall von der AfD) Auch die aktuelle Shell Jugendstudie zeigt – ich zitiere –: „Familie und soziale Beziehungen sind die mit Abstand wichtigsten Wertorientierungen, die so gut wie alle Jugendlichen für sich gewährleistet sehen wollen; sogar wichtiger als ‚Eigenverantwortlichkeit‘ und ‚Unabhängigkeit‘ […]“ Wer Familiengründung positiv sieht, wird selber einmal eine Familie gründen. Und wer Familie negativ sieht, der stirbt kinderlos und mit ihm diese Einstellung. So gesehen löst sich das Problem von bewusster Kinderlosigkeit ganz simpel, nämlich demografisch. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
