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Dr. Martin Vincentz

AfD 15.05.2024 Sitzungen 18/63

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vorweg eine kurze Bemerkung vorweg zu Frau Dr. Höller. Es war ausgerechnet Herr Ludger Volmer, der 1994 im 15.05.2024 Deutschen Bundestag zum damaligen Kanzler Kohl sagte: Wir werden Sie jagen. – Es war übrigens auch der SPD-Oberbürgermeisterkandidat in Hagen, der sagte: Wir werden Sie jagen. – So viel dazu. (Andreas Keith [AfD]: Komisch!) Wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen immer vier Finger auf einen selbst zurück. (Beifall von der AfD) Sie wissen: Bevor ich ins Parlament eingezogen bin, war ich als Arzt tätig. Auch dort kommt es immer wieder zu Gewalt – man behandelt Menschen oft in Extremsituationen –, aber die Schokolade hat die Gewalt deutlich überwogen. Es waren die älteren Damen, die einem zu Weihnachten mal etwas Nettes wie selbstgemachte Plätzchen oder zu Ostern den Schokohasen mitgebracht haben. Gewalt gab es auch, aber der Arzt ist in der Bevölkerung sehr hoch angesehen. Als Politiker bzw. als ich einer Partei beigetreten bin, sah das freilich anders aus. Dann hat sich plötzlich alles geändert – das lag nicht an mir, sondern schlichtweg an der Tatsache, dass ich plötzlich ein Parteibuch hatte. Die gleichen Personen, die vorher noch getuschelt hatten, dass bei mir im Wartezimmer so viele syrische Flüchtlinge saßen, meinten plötzlich, über den „Nazi-Arzt“ tuscheln zu müssen. Personen, die noch vor Wochen von mir gerettet wurden, kamen in meinen Behandlungsraum und schrien mich an, weil ich so ein schlimmer Nazi sei. Als Nächstes kamen die Aufkleber – erst vor der Praxis und dann vor meiner persönlichen Wohnanschrift. Dann wurden die Autoreifen zerstochen. Dann kamen die Schmierereien an der Hauswand. Dass Luft aus den Reifen abgelassen wird – diese Übung hatten wir in der Zwischenzeit häufiger. Das ist immer noch besser als die Nägel, die man unter den Reifen findet. Auch das passiert leider häufiger. Unter AfDlern spaßen wir: Das ist alles besser als unsere drei Smarts damals im Wahlkampf; die wurden nämlich abgefackelt. Würde das bei uns passieren, bei mir zum Beispiel unter dem Carport, dann stünde das Kinderzimmer gleich mit in Brand. Vielen Dank dafür! Erste persönliche Gewalterfahrungen habe ich am Infostand gemacht. Dort wurde ich angespuckt, geschubst, mit dem Kuli beworfen, den ich gerade ausgegeben hatte, und bedroht. Dass Infoabende von uns wegen Bedrohungen abgesagt werden, ist mittlerweile Realität. Wir finden kaum noch Lokalitäten, weil teilweise sogar Lokalpolitiker dort anrufen und Wirte bedrohen. (Christian Loose [AfD]: Und Landespolitiker!) Erst vor wenigen Tagen wurde ein Infoabend von uns von der Antifa gestürmt. Landtag Ich selbst kam auf einer Vortragsreise gerade noch so in den Saal, wurde dann aber mit einem Faustschlag in den Nacken begrüßt. Meinem Vater, zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt, wurde eine Presslufthupe ans Ohr gehalten, und dann wurde abgedrückt. Das Trommelfell hat es nicht mitgemacht. An einem anderen Vortragsabend warf man einen angezündeten Böller in die Menge. Ich schaffte es gerade noch, den Mann vor mir wegzudrücken und mich in Sicherheit zu begeben. Der Mann vor mir hat den Böllerwurf trotzdem nur mit leichten Verbrennungen und mehreren Wochen Behandlung überstanden. Unsere Parteitage sind ein wahrer Spießrutenlauf inklusive brennender Straßenbarrikaden wie in Bayern, Polizeihelis und Polizeihundertschaften, die versuchen, einen irgendwie heil in den Saal reinzubringen. An einem Infoabend wollte meine Frau mitkommen. Sie hatte mich schon länger nicht mehr sprechen gehört. Sie war seinerzeit schwanger. Was soll man machen? Einer starken Frau redet man nichts aus, also ist sie mitgekommen. Als wir ankamen, war der Eingang zu dem Saal allerdings schon versperrt. Es hat auch nicht lange gedauert, dann wurden wir erkannt. Meine Frau wurde geschubst. Ich habe mich vor sie geworfen. Mein Anzug wurde zerrissen. Mir wurde aufs Ohr geschlagen. Es hat relativ lange gedauert, bis unsere eigenen Sicherheitskräfte da waren, um uns durch die Menge zu zerren und in den Raum zu bringen. Die Polizei war an anderer Stelle gebunden. Seitdem kann ich meine Frau nicht mehr mitnehmen. Sie möchte auch nicht mehr mitkommen. Gut hat das zuletzt auch der Neujahrsempfang in Münster gezeigt; dort war es wieder so. Der Eingang war blockiert, die Polizei sagt: Gucken Sie doch selbst, wie Sie klarkommen. Irgendwie kommen Sie da durch. – Es war gut, dass ich meine Frau nicht dabeihatte, denn am Ende mussten wir angesichts maskierter Personen, die uns hinterhergelaufen sind, Fersengeld geben, um noch irgendwie sicher zum Auto zu kommen. Bei einer Kundgebung – auch im Wahlkampf – flogen erst Eier, von denen mich eins an der Schulter traf, danach die Flaschen und die Dosen. Eine Glasflasche verfehlte mein Gesicht nur um wenige Zentimeter. Das hätte auch anders ausgehen können. Meine Tochter hat mittlerweile Angst, allein im Erdgeschoss zu spielen, weil wieder Menschen an unseren Autos rummanipuliert haben und man dieses Mal unsere Nummernschilder geklaut hat – schön! Jetzt möchte sie nicht mehr allein unten bleiben. Meine Ehefrau sagte in einer ruhigen Minute zu mir: Wie weit drehen die das noch? Als Nächstes mani-15.05.2024 pulieren die die Bremsen. Ich möchte die Kinder nicht allein erziehen. Und Sie haben allen Ernstes die Chuzpe, hier bei einem Tagesordnungspunkt, bei dem es um Gewalt gegen Ihre Mitmenschen geht, wieder nur in Parteifarben zu denken und eine Partei gezielt auszuschließen. (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Weil Sie Hetzer sind!) Es geht hier darum, miteinander gegen Gewalt einzustehen, und nicht darum, mit dem Finger auf Einzelne zu zeigen. Sie sind diejenigen, die hinterher wieder über die Spaltung der Gesellschaft schimpfen, sind aber heute selbst in diesem Moment nicht bereit, sich genau vor diejenigen zu stellen, die in dieser Nation am häufigsten angegriffen werden. (Beifall von der AfD) Sie tun so, als käme die Gewalt von rechts. Sie tun so, als käme die Gewalt von der AfD. (Zuruf von Dagmar Hanses [GRÜNE]) Dabei werden alle Angriffe auf Parteien mit Ausnahme der Linken, selbst die Angriffe auf die Grünen oder auf die SPD, bezogen auf Gewalttaten maßgeblich von Linken und nicht etwa von Rechten begangen. (Dagmar Hanses [GRÜNE]: Falsch! – Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Unver- schämtheit! Eine Beleidigung, was Sie da abliefern!) Wenn es hier und heute also darum geht, vielleicht mal ein bisschen Menschlichkeit zu zeigen, (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Unver- schämtheit!) dann haben Sie erneut versagt. Sie sollten sich was schämen! (Beifall von der AfD – Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Das ist eine Beleidigung, was Sie da abliefern!)

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