Dr. Ralf Nolten
Danke schön. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hintergrund des SPD-Antrags sind nicht verlängerte kommunale Mietverträge. An den bisherigen Standorten soll in Düsseldorf Ende 2024 und in Köln Ende 2025 Schluss sein. Die zentralen Großmärkte in NRW – neben den genannten sind das noch Duisburg und Essen – sind unter dem Dach der GFI Deutsche Frischmärkte zusammengeschlossen und versorgen Wochenmärkte, Restaurants, Kantinen und Großküchen mit gut 2 Millionen Tonnen Lebensmitteln jährlich, davon 85 % Obst und Gemüse sowie 10 % Fisch und Fleisch. Das ist nicht wenig, aber der Anteil der Einkäufe auf Wochenmärkten an den Einkäufen der privaten Haushalte machte 2022 laut GfK-Daten bei Frischgemüse und Frischobst nur gut 1 % aus. Von den Anbietern sind zwei Drittel Großhandelimporteure. Es geht also sehr viel um Südfrüchte. Nur ein Viertel der Anbieter sind Erzeuger und vermarkten direkt über den Großmarkt. Im Rahmen der Direktvermarktung dürften Großmärkte als Beschaffungsquelle keine große Bedeutung haben, weil darüber kaum anonyme Frischware verkauft wird. Es gibt Handelsplattformen, auf der Direktvermarkter ihre Produkte austauschen können. Auch der Kölner Ernährungsrat äußert sich in seiner Stellungnahme skeptisch: „Großmärkte sollten in der Tat […] einen wichtigen Absatzmarkt für regionale bzw. heimische Landwirtschaft darstellen, tun das aber nicht per se.“ Der Deutsche Fruchthandelsverband schreibt Ihnen noch deutlicher ins Stammbuch: „Die Ausführungen in dem vorliegenden Antrag legen nahe, dass die Rolle der landwirtschaftlichen Direktvermarktung völlig falsch eingeschätzt wird.“ Fallen Großmärkte weg, wird der Zustellgroßhandel profitieren, zwar ohne Inaugenscheinnahme der Ware, aber mit Vorteilen bei den Transportkosten und den Umweltbelastungen. Transgourmet, Handelshof, CHEFS CULINAR und METRO Lieferservice wachsen beständig. Das hat die Anhörung ergeben. 25.04.2024 Im Krisenfall soll die Beschaffung über den Großmarkt eine Alternative sein – wenn er denn Ware hat. Warum es ein Betreiber eines Großmarktes leichter als übrige Akteure in der Wertschöpfungskette haben soll, sich international Ware zu besorgen, erschließt sich auch nach der Anhörung nicht. Insbesondere die großen Erzeugergroßmärkte wie Landgard bündeln über lokale Erzeugergemeinschaften das Angebot Hunderter Erzeuger in unseren Gemüseanbauregionen Vorgebirge und Niederrhein. Gerade in der Coronakrise hat sich die Wertschöpfungskette als äußerst flexibel und anpassungsfähig gezeigt. Die Passage der erwähnten Initiative des EU-Parlaments „Ensuring food security and the longterm resilience of the EU agriculture“ zur „strategic importance of logistics centres, in particular wholesale markets, as an integral and complementary part of primary agricultural production“ nur auf den Großmarkt und nicht auf die Erzeugergroßmärkte zu beziehen, ist schon eine steile Interpretation. Von Letzteren bezieht insbesondere der Lebensmitteleinzelhandel seine Ware. Natürlich ist es immer gut, neben Marktführern noch eine weitere Vermarktungsoption zu besitzen. Großmärkte sind aber weder zur Preisfindung zentral – hier dürften im Gegensatz zu den Erzeugergroßmärkten noch andere Dienstleistungen einfließen – noch sind sie angesichts der Wettbewerbssituation zur Daseinsvorsorge erforderlich. Wer einmal den Roisdorfer Erzeugermarkt oder den benachbarten Fruchtkontor besucht hat, weiß: Auf dem Feld wird hergerichtet, nicht in der Großmarkthalle. Der postulierte Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung ist hier nicht größer als bei den Erzeugergroßmärkten. Die SPD-Forderung zur Aufnahme der Groß- und Wochenmärkte in die Liste des immateriellen Kulturerbes wurde von niemandem in der Anhörung unterstützt, auch nicht auf Nachfrage. Fazit: Großmärkte sind ein Spiegel der stadtpolitischen Wertschätzung. – So schreibt es richtigerweise der Deutsche Fruchthandelsverband. Die Betreibermodelle sind unterschiedlich: als Eigenbetrieb der Stadt, als Betrieb der ansässigen Großhändler, mit oder ohne die Stadt als Immobilienbetreiber. Großhändler und Stadt sind gefordert, sich über den Bau und den Betrieb verkehrsgünstig gelegener moderner Hallen zu verständigen. Das funktioniert vielleicht nicht in Köln, aber für den Düsseldorfer Großmarkt geht es weiter, wie die Großmarkthallen jüngst über ihre Internetseite verkündeten. Es braucht das Land nicht, weder mit Studien noch mit Förderprogrammen. – Vielen Dank. Landtag (Beifall von der CDU und Dr. Gregor Kaiser [GRÜNE])
