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Dr. Martin Vincentz

AfD 21.03.2024 Sitzungen 18/59

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Lipödem ist Thema des heutigen Antrags. Ich freue mich immer, wenn wir über einzelne Erkrankungsbilder sprechen, denn auch ein Parlament ist am Ende ein Querschnitt der Bevölkerung, und in der allgemeinen Bevölkerung ist das Gesundheitswissen meistens eher so mittelprächtig ausgeprägt. Von daher ist es immer gut, wenn man das eine oder andere wichtige Erkrankungsbild durchdekliniert, auch um ein allgemeines Verständnis dafür zu erzeugen. Es wurde eben schon gesagt: Rund 3 Millionen – so schätzt man, genau weiß man es gar nicht – Frauen zumeist, einige wenige Männer, leiden in Deutschland unter dem Lipödem, einer krankhaften Zunahme von Adipozyten im Unterhautfettgewebe. Der eigentlich schwierige Punkt ist in den vorherigen Reden nicht ganz klar geworden, und den würde ich an dieser Stelle gerne einmal klarstellen: Die Differenzialdiagnostik ist in den Anfangsstadien gar nicht so einfach, weil viele der Leitsymptome, beispielsweise der Schmerz oder die Hämatome, zu denen es aufgrund der brüchigen Gefäßsituation im Gewebe kommt, in den Anfangsphasen gar nicht auftreten. Daher ist es gar nicht so einfach, das am Anfang bei normaler Fettverteilung mittels einer Differenzialdiagnose von einer normalen Adipositas zu unterscheiden. Wichtig ist, dass es therapierefraktär ist, es also auch bei einer Diät nicht dazu kommt, dass man an gewis-Landtag sen Stellen das Fett wieder verliert, sondern die Adipozyten, die Fettzellen, aufgrund der Durchblutungssituation vor Ort wahrscheinlich nicht angesprochen werden, also das Fett dort weiterhin bleibt. Wenn wir jetzt allerdings darüber sprechen, dass das nicht in der Medizin angekommen sei, dann bin ich, glaube ich, ein gutes Beispiel dafür, dass dem doch so ist. Es ist immerhin Inhalt im deutschen Curriculum, nimmt in der Ausbildung der Medizinstudenten immerhin einige wenige Minuten ein. Ich möchte daran erinnern, dass es 8.000 zum Tode führende Erkrankungen gibt, die man in einem Medizinstudium nebenher auch noch lernen muss. Es ist aber durchaus Thema, und die Leute werden dafür sensibilisiert. Sie haben gestern Abend noch zu später Stunde einen neuen Staatsvertrag zum IMPP auf den Weg gebracht. Das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen achtet schon darauf, dass man auch dazu einige Fragen bekommt, sodass sich der normale Medizinstudent darüber auch informiert. Viel wichtiger, als dass der Hausarzt oder der Phlebologe – der es auf jeden Fall erkennen wird, weil er darüber wegen seines Ausbildungscurriculums deutlich mehr weiß – dazu geschult werden, ist der Stand der Forschung. Insbesondere über die Therapie ist bislang nämlich relativ wenig bekannt. Es wurde angesprochen, dass es eine groß angelegte Studie gibt, die LIPLEG-Studie. Die läuft allerdings jetzt erst, und mit ihr muss erst herausgefunden werden, ob die Liposuktion, also die Fettabsaugung, der konventionellen, der herkömmlichen Therapie überlegen ist oder ob zum Beispiel die Lymphdrainage, die Schmerztherapie, die Fettreduktion auf herkömmlichem Wege unter Umständen bessere Ergebnisse als ein doch immerhin mit Risiken verbundener Eingriff hervorbringen. Das sollte man im Sinne der evidence-based medicine zumindest noch abwarten. Dann weiß man auch, ob es tatsächlich eine Therapieüberlegenheit gibt. Dann weiß man auch, ob es für die Menschen tatsächlich einen Vorteil gibt, sich dieser doch sehr belastenden Operation zu unterziehen, bei der es einige, auch zum Tode führende Nebenwirkungen geben kann. Am Ende des Tages bin ich froh, dass wir es überweisen. Ich denke, es wird am Ende zu einer Anhörung führen, in der man noch mal mit Betroffenenverbänden spricht. Weil es hinter diesem Erkrankungsbild auch einen hohen Leidesdruck bei vielen Frauen gibt, muss man sich das durchaus sehr zu Herzen nehmen und das Thema auch ernst nehmen. Vielleicht muss man auch dafür sensibilisieren, sodass verschiedene andere Forschungsprojekte angesprochen werden. Doch noch einmal: Bevor jetzt im politischen Raum relativ unwissend Behandlungsmethoden forciert und 21.03.2024 gefordert werden, die am Ende des Tages unter Umständen vielleicht sogar noch einen Therapienachteil für betroffene Personen haben, sollten wir zunächst erst einmal abwarten, was die groß angelegte Studie mit sich bringt. Dann kann man tatsächlich wissenschaftlich fundiert sagen, ob das der richtige Weg ist oder wir einen anderen einschlagen müssen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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