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Anke Fuchs-Dreisbach

CDU 21.03.2024 Sitzungen 18/59

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unter dem letzten Tagesordnungspunkt heute sprechen wir über eine noch recht unbekannte Krankheit, obwohl sie geschätzt 4 Millionen Menschen, überwiegend Frauen, betrifft. Es geht heute um die Lipödemerkrankung. Die Frau Kollegin Schneider hat soeben schon einige Symptome aufgezählt. Genau weil diese Erkrankung noch nicht so bekannt ist, kann es aber nicht schaden, wenn heute jeder Redner noch einmal auf die Symptome eingeht und deutlich macht, wie groß der Leidensdruck bei den Patientinnen und Patienten ist. Beim Lipödem handelt es sich um eine Vermehrung des Unterhautfettgewebes. Diese chronische Fettverteilungsstörung betrifft vor allem die Beine, die Hüfte und oft auch die Arme. Neben der sichtbaren Fettvermehrung leiden die Betroffenen regelmäßig auftretenden Schmerzen, Wassereinlagerungen und unter einer deutlich erhöhten Berührungs- und Druckempfindlichkeit der Haut. In öffentlichen Anhörungen des Deutschen Bundestags haben Sachverständige dargelegt, dass die Betroffenen bereits in frühen Stadien der Erkrankung teils unter schwersten Schmerzen leiden. In fast allen Fällen werden die Symptome, wenn sie unbehandelt bleiben, mit zunehmender Zeit schlimmer und führen zudem sehr häufig auch zu schweren psychischen Folgeerkrankungen. In meiner Zeit als Physiotherapeutin waren Lymphpatienten meistens Dauerpatienten. Eine Lip-Lymphödempatientin habe ich über die ganzen 15 Jahre hinweg, die ich in der Praxis tätig war, als ihre Lymphtherapeutin begleiten dürfen. Der Anspruch und das Ziel in der Physiotherapie ist eigentlich die Heilung der Patienten. Daher muss man ein bisschen Acht darauf geben, dass beim Patienten und auch beim Therapeuten kein Frust aufkommt, wenn man Lymphpatienten leider nur Linderung und nicht die erhoffte Heilung verschaffen kann. Frühe Stadien des Lipödems werden häufig nicht diagnostiziert, da die Ärzte zu wenig im Krankheitsbild sensibilisiert und fortgebildet wurden. Eine Umfrage der LipödemGesellschaft e. V. zeigt, dass eine operative Therapie zu einer deutlichen Verbesserung 21.03.2024 des Beschwerdebilds und zu einer Förderung der Arbeitsfähigkeit führen kann. 2019 hat der Gemeinsame Bundesausschuss entschieden, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Operation im Stadium 3 für die Betroffenen übernehmen. Das war ein erster richtiger Schritt, reicht für die Betroffenen aber leider nicht aus. Von 1.461 betroffenen Frauen gaben 50 %, also die Hälfte, in einer Umfrage an, dass sie sich für die Operation verschulden mussten, um sich früher behandeln zu lassen. Ich fand die Zahl ziemlich erschreckend und überraschend. Damit habe ich nicht gerechnet. Die 2021 vom Gemeinsamen Bundesausschuss finanzierte LIPLEG-Studie begrüßen wir sehr. Die Erprobungsstudie soll klären, welche Nutzen die Liposuktion im Vergleich zu einer konservativen und symptomorientierten Behandlung hat. Eine Expertenanhörung im Deutschen Bundestag hat bereits im September 2022 verdeutlicht, dass zur Behandlung eines Lipödems die Liposuktion, also der operative Eingriff, frühzeitiger erfolgen müsse, da dieser in frühen Krankheitsstadien einfacher und kostengünstiger durchzuführen sei. Die Umfrage der LipödemGesellschaft ergab zudem, dass sich über 90 % der Befragten erneut operieren lassen würden. Sie bestätigten zudem, dass die Operation zu einer verbesserten Lebensqualität beigetragen habe. CDU und CSU haben im Bundestag im Juni 2023 diesbezüglich einen vielversprechenden Antrag eingebracht, der weitere Verbesserungen für die Betroffenen beinhaltet, darunter eine frühere Übernahme der Operationskosten durch die Krankenkassen außerhalb der bereits erwähnten LIPLEG-Studie. Deckungsgleich zu den heutigen Anträgen von FDP und SPD sollten zudem die Strukturen von Lipödemselbsthilfegruppen gestärkt, die Bevölkerung im Rahmen einer Kampagne aufgeklärt und die Ärzte in den Aus- und Fortbildungen zur Erkrankung besser sensibilisiert werden. FDP und SPD haben diesen Antrag im Bund abgelehnt. Sie hatten im letzten Jahr auf Bundesebene die Möglichkeit, eine Verbesserung für die Betroffenen zu erzielen. Dank Ihrer Entscheidung fehlt für die Betroffenen weiterhin eine zufriedenstellende Behandlungssituation. Der Überweisung des Antrags stimmen wir natürlich zu. Wir freuen uns auf die Debatte im Ausschuss. – Ich danke für die Aufmerksamkeit und wünsche allen gleich einen schönen Feierabend. (Beifall von der CDU) Landtag

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