Dr. Martin Vincentz
Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben gerade über Gründungsklima gesprochen. Eine ganz praktische Möglichkeit, das Gründungsklima in NRW weiter zu verbessern, können wir uns anhand dieses Tagesordnungspunkt einmal anschauen, denn wir haben schon sehr oft an dieser und an anderer Stelle über den Fachkräftemangel gesprochen und eine Reihe von Anhörungen durchgeführt, nur konkrete Schritte lassen dann doch oftmals ein wenig vermissen. So wäre die Meisterfortbildung eine praktische Möglichkeit, dem Gründungsklima, aber auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die wird oft an Meisterschulen durchgeführt, kostet dort mehrere Tausend Euro. Je nachdem, zu welchem Meister Sie sich fortbilden lassen, können das durchaus mal 12.000 Euro sein. Da entscheidet dann oftmals der Geldbeutel der Eltern, der eigene Geldbeutel, ob man sich das zutraut, ob man es macht oder nicht. In einer Situation, in der wir von konservativer Seite vielleicht eher von einer bürgerlichen Leistungsgesellschaft träumen, von linker Seite vielleicht eher von Aufstieg durch Bildung, ist es eigentlich unhaltbar, dass es immer noch davon abhängt, wieviel Geld ich mitbringe, um gegebenenfalls meine persönlichen Bildungsabschlüsse und Bildungsideale zu verwirklichen. Das ist in Bayern längst erkannt worden. Auch Hessen hat Folge geleistet. Man muss fairerweise sagen: Nicht alles ist schlecht in Bayern. Dort werden schöne Autos produziert, gutes Bier gebraut und eben eine kostenlose Meisterfortbildung eingeführt. Zwei der drei Dinge erfüllen wir auch in NRW. Auch wir haben schöne Autos und gutes Bier, aber eben keine kostenlose Meisterfortbildung. Was wir haben, ist eine Meisterprämie. Die ist allerdings für die aktuellen Kosten deutlich zu niedrig angesetzt und so trennen manchmal Tausend, manchmal immerhin noch mehrere Hundert Euro von einer Kostenfreiheit der Meisterprämie. Da gibt es noch Luft, Raum und Möglichkeit, das zu verändern. Das mag für den einen oder anderen hier im Raum eher banal klingen und vielleicht eine eher kleine Summe sein. Wenn man sich aber vorstellt, als Geselle quer einzusteigen und den Meister machen zu wollen, können das unter Umständen Summen sein, die eine Biografie gänzlich verändern und jemanden aktiv davon abhalten, diesen mutigen Schritt zu gehen, sich als Meister fortzubilden und dann unter anderem dazu beizutragen – egal ob Männlein, Weiblein oder was auch immer –, ein Unternehmen hier in Nordrhein-Westfalen zu gründen. Daran sollte uns allen gelegen sein. Landtag Es ist eben nicht nur der Meister im Handwerk, der Handwerksmeister, sondern es gibt genauso Industriemeister oder verschiedene Fachmeister, sei es beispielsweise auch nur der von mir eben angesprochene Braumeister, auf den wir doch alle gern zurückgreifen. Daher wäre das ein guter Schritt. Es würde das Land und den ohnehin schon belasteten Haushalt in der aktuellen Situation auch gar nicht viel kosten, würde man da aufstocken. Man gäbe aber vielen angehenden Meistern eine echte Sicherheit, dass es nicht zulasten des eigenen Kontos ginge, sondern man hätte die Möglichkeit, dort hintergrundunabhängig Menschen nur aufgrund ihrer Leistung, aufgrund ihres klugen Kopfes zu fördern und dafür zu sorgen, dass wir mehr Meister in NRW haben – in einer Situation, in der wir wie gesagt sehr oft über den Fachkräftemangel sprechen. So hält uns im Prinzip wenig davon ab, diesen Antrag heute durchzuwinken, weil – noch einmal – zwei Regierungen, die CSU-Regierung in Bayern und die CDU-Regierung in Hessen, diesen Schritt schon gegangen sind. Ich kann mir trotzdem vorstellen, wie die Abstimmung am Ende ausfallen wird, weil es eben nicht von der CSU und nicht von der CDU, sondern von der AfD kommt. Trotzdem es ein guter Gedanke ist, wird er von allen anderen abgelehnt werden. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
