Christian Loose
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Frauen sind dümmer als Männer“ – so könnte man den Antrag der FDP ganz im Sinne eines Rainer Brüderle beschreiben. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Was?) Denn nichts anderes steckt inhaltlich in diesem Antrag, in dem es heißt, dass die Frauen schlechter mit Steuern und Bürokratie umgehen können und deshalb die Hilfe des starken Vaters Staat benötigen. (Zurufe von Lena Teschlade [SPD], Tim Ach- termeyer [GRÜNE] und Franziska Müller- Rech [FDP]) Dieser Antrag der FDP macht eine jahrzehntelang erfolgreiche Frauenbewegung zunichte. Frauen haben sich dafür starkgemacht, nicht diskriminiert zu werden und nicht als das schwache oder dumme Geschlecht betrachtet zu werden. (Zuruf von Heike Wermer [CDU]) Landtag Und dann kommt dieser Antrag von Herrn Bockes und Herrn Höne von der FDP. (Zuruf von Thorsten Klute [SPD]) Mich hat dieser Antrag an eine Folge von „Der 7. Sinn“ aus den 70er-Jahren erinnert. In dieser Sendung ging es um Tipps für den Straßenverkehr. Die Frauen wurden in dieser Folge als ungeschickt dargestellt. Sie missachten häufiger die Vorfahrt und fahren langsam, weil ihnen die Übung fehlt. Sie können schlecht einparken. Wenn sie es dann doch mal geschafft haben, sind sie so blöd, dass sie die Tür öffnen, ohne auf die Radfahrer zu achten. (Zurufe von Heike Wermer [CDU] und Frank Müller [SPD]) Außerdem benutzen sie den Rückspiegel nur zum Schminken. Im Film werden die Männer aufgefordert, keine Witze über Frauen zu machen, die nichts von Motor und Technik verstehen. Dieses Klischee von der fehlenden Ahnung von Motor und Technik aus dem Film setzt sich in dem Antrag der FDP nahtlos fort. Für die Frauen seien die komplexen Steuerthemen eine Hürde, heißt es von der FDP. (Lachen von Franziska Müller-Rech [FDP]) Deshalb fordert die FDP – ich zitiere –: „niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Weiterbildung in finanziellen Fragen zu entwickeln, […]“ Was wie eine Satire klingt, meint die FDP leider wirklich ernst. Dieser Antrag ist eine Verhöhnung der Intelligenz unserer Frauen, der Stärke unserer Frauen. (Lachen von Franziska Müller-Rech [FDP]) Liebe FDP, unsere Frauen brauchen keine speziellen Schulungen, um Versicherungen und Verträge zu verstehen. (Anja Butschkau [SPD]: Wer sind denn „un- sere Frauen“?) Es mag sein, dass Sie das anders sehen. Aber es ist so. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Es ist so, klar!) Die Frauen in Deutschland sind stark. Nein, unsere Frauen brauchen schlicht faire und gleiche Bedingungen, genauso wie Männer. Gründer, egal ob Frauen oder Männer, brauchen gute Rahmenbedingungen, das heißt geringere Steuern, geringere Abgaben, geringere Bürokratie, geringere Energie- und Standortkosten. Aber bei diesen Themen wollen weder Sie noch der Rest hier im linken Saal etwas ändern. 21.03.2024 Die AfD wiederum wird sich dieser Probleme annehmen, wie sie es schon in dem Zehnpunkteplan dargestellt hat; (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) denn die AfD ist die Partei der Lösungen, (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) die Partei für Freiheit, Wohlstand und Vernunft. (Anja Butschkau [SPD]: Ja, ja! – Thorsten Klute [SPD]: So wie Maximilian Krah!) Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch ein paar erfolgreiche Frauen vorstellen – Frauen, die es ganz ohne einen FDP-Antrag geschafft haben. (Zuruf von Dr. Günther Bergmann [CDU]) Nummer eins wirkte in Minden. Fast 2 Milliarden Umsatz, fast 600 Mitarbeiter: Die Gründerin dieses erfolgreichen Unternehmens heißt Melitta, Melitta Bentz, und hat vor 150 Jahren den Kaffeefilter erfunden. (Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE]) Nummer zwei ist einer von zwei Menschen auf der Welt, die zwei Nobelpreise in zwei unterschiedlichen Bereichen erhalten haben: Marie Curie, Nobelpreis in Chemie und Nobelpreis in Physik. (Zurufe von Franziska Müller-Rech [FDP], Ju- lia Eisentraut [GRÜNE] und Tim Achtermeyer [GRÜNE]) – Ja, Herr Achtermeyer, dass Sie diese Frau nicht würdigen, zeigt natürlich Ihre eigene … (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Sie sind so emp- findlich! – Weitere Zurufe: Ja!) – So empfindlich sind Sie? (Zurufe von den GRÜNEN und Franziska Mül- ler-Rech [FDP]) Marie Curie ist eine erfolgreiche, wunderbare Frau, die wir alle schätzen sollten – Nobelpreis in Chemie und Nobelpreis in Physik. Nummer drei wirkt ebenfalls in NRW: Frau Maja Voss, die Chefin von Tintometer aus Dortmund. Diese Firma stellt Geräte für die Wasseranalyse her, egal ob für Frischwasser, Abwasser oder Kühlwasser, und liefert in 140 Länder der Welt – wieder eine Frau. (Zuruf von Nadja Lüders [SPD]) All diese Frauen brauchten keinen FDP-Antrag. Auch in der Politik gibt es erfolgreiche Frauen – sei es die Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Italien, sei es die französische Oppositionsführerin Marine Le Pen oder sei es die promovierte Chefin der einzig Landtag verbliebenen Oppositionspartei in Deutschland Dr. Alice Weidel. (Zuruf von den GRÜNEN: Alles Nazis!) Selbst bei den Grünen kann man als Frau ganz ohne Studienabschluss, ganz ohne Ausbildung und ganz ohne außerhalb der Politik gearbeitet zu haben Parteichefin werden. (Zuruf von Julia Eisentraut [GRÜNE]) Sie sehen: Erfolgreiche Frauen brauchen diesen FDP-Antrag nicht. Erfolgreiche Frauen setzen sich schlicht durch. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Bei Ihrer Fraktion ist das aber nicht so!) Für Freiheit, Wohlstand und Vernunft! – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
