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Zacharias Schalley

AfD 21.03.2024 Sitzungen 18/59

Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Laube, Gartenzwerg, die Fahne des örtlichen Fußballvereins oder Schwarz-Rot-Gold, die eigene Ligusterhecke satzungsgemäß auf 1,25 m genauso penibel getrimmt wie diejenige des Nachbarn kontrolliert wird – das Kleingartenwesen ist einerseits klischeebehaftet und andererseits typisch deutsch. 21.03.2024 Noch deutscher ist, dass in NRW das Kleingartenwesen sogar Verfassungsrang genießt, eine meiner Ansicht nach schöne Wertschätzung der betulichen Welt der Kleingärtner. Sie wurden von Herbert Grönemeyer musikalisch gewürdigt, und in Sachsen und Sachsen-Anhalt gibt es sogar Parteien, die direkt aus der Kleingartenbewegung entstanden sind. Möglicherweise liegt auch hierin einer der Gründe, warum die SPD sich mit diesem Antrag den Kleingärtnern andienen will; denn diese sind nicht nur gut organisiert, sondern auch ein nicht zu unterschätzendes Wählerreservoir. In NRW gibt es etwas über 150.000 Kleingärtner. Zum Vergleich: Die Landesregierung hat knapp 160.000 Beschäftigte. – Vielleicht hat sich die SPD aber auch an ihre einstige Verwurzelung im Arbeitermilieu erinnert, das traditionell nach Schicht in die Laube pilgerte, um zu entspannen und den Garten zu pflegen. Als vor über 150 Jahren die Idee von Kleingärten aufkam, dienten diese zur Armutsbekämpfung, Gesundheitsförderung und Pädagogik. Sie waren eine Reaktion auf akute Probleme der Industrialisierung. Später verpachtete man die Parzellen und – auch das typisch deutsch – gründete Vereine mit Satzungen. So wurde das Kleingartenwesen zur Institution und Tradition. Traditionen sind die Lösungen für Probleme, an die wir uns nicht mehr erinnern. Doch mittlerweile sind Krisen und Probleme ein Dauerzustand. Wie so häufig, bieten auch hier Traditionen eine Lösung. Der Kleingarten übernimmt, wie bereits in früheren Krisenzeiten, wichtige Funktionen in der Versorgung mit Lebensmitteln. Hier wird nicht nur bloße Selbstversorgung betrieben. Häufig legen die Kleingärtner auch großen Wert darauf, alte Sorten zu erhalten und möglichst ökologisch anzubauen. Die Funktion der Erholung ist eine Grundkonstante des Kleingartens. Gerade das unverhältnismäßige Einsperren während der Coronalockdowns drinnen hat vielen Menschen den Wert eines eigenen „Draußen“ greifbar vor Augen geführt. Wenn Wohnraum knapp war, bot und bietet die Laube Obdach. Viele Lauben wurden im ausgebombten Nachkriegsdeutschland zu vollbewohnbaren Domizilen umgebaut. Angesichts des auch unserer Tage wieder angespannten Wohnungsmarktes, aber auch steigender Pachtpreise für Parzellen und kaum neuen Kleingartenanlagen in der Stadtplanung, bleibt der Bedarf auch heute virulent. Nur, warum der Wohnungsmarkt angespannt ist, verdrängen die woken Kreise, die sich den Kleingärtnern andienen, lieber. Der Elefant, der im Raume steht, wird nur von der AfD als solcher benannt und heißt „ungezügelte Massenmigration“. Die Kleingartenparzellen waren auch immer ein Rückzugsraum. Wenn der Staat übergriffig wurde, dann konnte man sicher sein: Hinter Jägerzaun und Landtag Ligusterhecke ist man für sich und vor allem vom Staat unbeobachtet – außer vielleicht vom Parzellennachbarn. So konnte man in der Gartenlaube heimlich Feindsender hören oder Westfernsehen gucken oder heute JUNGE FREIHEIT lesen. Der alte Laubenpiper und Schrebergärtner lässt es sich in seinem traditionellen Rückzugsraum gottlob nicht nehmen, die Dinge schonungslos beim Namen zu nennen und Wahrheiten schnörkellos anzusprechen. Doch die SPD will die Kleingärtner jetzt auch in die Mobilisierung im Namen der Energiewende und des Klimaschutzes einbinden: Wie kann der Schrebergarten endlich klimafest gemacht werden? Wie lässt er sich zu einem CO -Senker erhöhen? Helfen Mikrosolarkraftwerke und ähnliche Spielereien, das quälende Gewissen zu beruhigen und den Weltschmerz zu lindern? Wir in der AfD begrüßen die Klein- und Schrebergärten unbedingt als erhaltenswert, sehen aber auch zeitgeistkonforme Verunstaltungen der Schrebergartenkultur kritisch. Wir möchten die Kleingärten vor der linken Politisierung bewahren und verstehen sie vor allem als Rückzugsorte der Freiheit und des Privaten. Das möchten wir auch feiern, wenn 100 Jahre Klein- und Schrebergartenkultur wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken: der Schrebergarten als privates Refugium der Seelenerdung, aber auch einer unpolitisierten Geselligkeit, die sich dem Allmachtsanspruch übergriffiger Ideologien entzieht. In diesem Sinne sehen wir den Antrag der SPD in seiner übergeordneten Tendenz natürlich kritisch. Aber im Bewusstsein, dass Ihre Zeitgeisthudelei die Ligusterhecke nicht überwinden wird, stimmen wir gerne zu. (Beifall von der AfD – Norwich Rüße [GRÜNE]: Oh!)

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