Franziska Müller-Rech
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich darf mich als Erstes bei der SPD-Fraktion für den Antrag bedanken, weil er eine sehr wichtige Debatte angestoßen hat. Ich kann insoweit zustimmen, als dass Lehrersein in der Tat mehr als Unterricht ist. Es gehören zum Beispiel Schüler- und Elterngespräche und organisatorische Aufgaben in den Schulen dazu, manche Lehrer sind leider auch Administrationen für IT-Ausstattungen, Konfliktlösungen, Unterrichtsweiterentwicklung und vieles mehr. Deswegen führen wir heute zu Recht die Debatte darüber, ob das Arbeitszeitmodell, das schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, noch zeitgemäß ist – zumal jede Fächerkombination bei Lehrkräften unterschiedlichen Arbeitsaufwand mit sich bringt. Das gilt zum Beispiel mit Blick auf Abschlussprüfungen, Klausuren und Klassenarbeiten. Nicht zuletzt steht jede Schule vor unterschiedlichen Herausforderungen – zum Beispiel durch einen höheren Sozialindex, durch Inklusions- und Integrationsaufgaben. Ich möchte es nicht unterlassen, an dieser Stelle die Talentschulen und das Startchancen-Programm zu nennen, weil sie genau dort ansetzen, einen 20.03.2024 wichtigen Baustein zu mehr Chancengerechtigkeit darstellen und zu einer gerechteren Behandlung der Schulen mit Ressourcen führen wird. (Beifall von der FDP) An der Lehrerarbeitszeit mit Blick auf diese Schulen anzupacken, wäre nur konsequent. Ein Modell, das dem besser gerecht wird, wünschen wir als Freie Demokraten uns auch. Deswegen war die Expertenanhörung dazu so wichtig. Wir haben mit einem eigenen Antrag zum Arbeitsplatz Schule zusätzliche, zahlreiche Entlastungsvorschläge gemacht. Diese sind natürlich in Bausch und Bogen leider abgelehnt worden. Mich verlässt aber die Hoffnung nicht, dass trotz der Ablehnung einzelne Punkte aus unserem Antrag von der Landesregierung schrittweise abgearbeitet werden. Dabei würden wir natürlich sehr gerne unterstützen. Zum Beispiel sehen wir Bewegung beim Thema „doppelte Schulleitung“. Wir erwarten aber auch einen Anstoß der Landesregierung, die Arbeitszeit von Lehrkräften zu erheben, die tatsächliche Arbeitsbelastung zu messen und die Arbeitszeit neu zu gestalten. Das gilt im Übrigen nicht nur für Lehrkräfte, sondern für alle Professionen an unseren Schulen. Der Antrag der SPD ist nicht in allen Punkten der richtige Ansatz. Es gibt durchaus andere Ansätze als das Arbeitszeitmodell aus Hamburg. Die Kritik daran haben wir eben schon gehört. Ein wichtiger erster Schritt wäre aus unserer Sicht, zunächst ein Lastenheft zu erstellen und in einen Prozess einzusteigen, der die Arbeitszeit von Lehrkräften und weiterem Personal in NRW neu ordnet. Das geht zum Beispiel auch im Deputatsmodell. Das hat etwa Sabine Mistler vom Philologenverband in der Anhörung vorgetragen. Wir als Freie Demokraten sind da offen – Hauptsache, wir kommen zu einem gerechteren Modell als dem heutigen. Dafür muss die Landesregierung jetzt sorgen. Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen, dass es ein gerechtes, zeitgemäßes und vergleichbares Arbeitszeitmodell für Lehrkräfte in NRW, wie von der SPD gefordert, aus unserer Sicht nur in Kombination mit einem insgesamt attraktiveren Arbeitsplatz Schule und leistungsgerechter Vergütung gibt. Daher ist das Anliegen des Antrags an sich zwar gut und berechtigt, aber es fehlen uns ein paar Punkte, und der Antrag setzt noch nicht die richtigen Akzente. Deswegen werden wir uns heute bei der Abstimmung enthalten. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
