Andreas Keith
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Unterstützen, prüfen, anbieten – und täglich grüßt das Phrasenschwein. Kein zusätzliches Geld, keine Wertschätzung, keine Idee, wie man die Abwanderung von jungen Trainern verhindern will. Aber alles der Reihe nach. Den Vereinen in Deutschland fehlen Übungsleiter. Dass engagierte Trainer, die abends nach der Arbeit noch die Kraft aufbringen, die Jugendmannschaft ihres Vereins zu trainieren, nicht gerade vom Himmel fallen, dürfte mittlerweile selbst dem letzten Sportpolitiker auch in Nordrhein-Westfalen aufgefallen sein. Die Aufopferungsbereitschaft, die Begeisterung und die Motivation, die viele Übungsleiter mitbringen, sind hoch, genauso wie der Zeitaufwand. Doch die Anerkennung, die sich viele von ihnen wünschen, bleibt oft auf der Strecke, insbesondere mit dieser Landesregierung. Da verwundert es auch nicht, dass viele einfach hinschmeißen. Doch das ist nicht erst seit gestern so. „Übungsleiter dringend gesucht“ und „Bedarf so dringend wie nie“: Westfälische Nachrichten, November 2021. „Im Siebengebirge droht Kinderturnen das Aus“ und „Es fehlt an Übungsleitern“: General-Anzeiger, Januar 2019. „Vereine suchen händeringend Übungsleiter“: Westdeutsche Zeitung, Juli 2018. Turnern gehen die Übungsleiter aus: Westfälische Nachrichten, März 2009. Das Problem ist also kein neues. Rot-Grün hatte schon zwischen 2000 und 2005 die Mittel für die Übungsleiterpauschale drastisch von 11,6 Millionen auf 7,5 Millionen Euro zusammengestrichen. Auch im schwarz-gelben Kabinett Rüttgers hieß es ab 2005 nur noch: sparen, sparen, sparen – auf Kosten des Sports. Dass es unter Schwarz-Grün noch schlimmer geht, zeigt Ihr Haushaltsentwurf für 2024, in dem sie ursprünglich die Übungsleiterpauschale spürbar kürzen wollten. Erst nach massivem Widerstand des organisierten Sports verblieb die Förderung auf dem bisherigen Niveau, demselben wie seit 20 Jahren. Genau in diese Tradition reiht sich dieser lauwarme Schaufensterantrag, mit dem angeblich die Übungsleiterausbildung gestärkt werden soll, nahtlos ein. 20.03.2024 Aber schauen wir mal im Detail auf diesen großen Wurf. Schüler an NRW-Sportschulen sollen im Leistungsfach Sport die Möglichkeit erhalten, während der Sekundarstufe II die Übungsleiter-C-Lizenz abzulegen. Potz Blitz! Wer ist denn darauf gekommen? Es soll geprüft werden, ob Lerninhalte unter anderem aus dem Sportleistungskurs auch außerhalb der Schule beim Erwerb der C-Lizenz anerkannt werden können. Damit wollen Sie wirklich den Übungsleitermangel stoppen? Selbst für schwarz-grüne Verhältnisse ist dieser Antrag mehr als dünn und das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht. Die Wahrheit ist: Sie wollen mit diesem Antrag ein Problem lösen, das es ohne Ihre verfehlte Sportpolitik nicht gäbe – mit Lösungen, die schon längst angeboten werden. Denn Jugendliche ab 16 Jahren haben schon jetzt die Möglichkeit, bei der Sportjugend das Aufbaumodul Übungsleiter C zu machen. Doch das Problem liegt dabei woanders, und zwar in der Zeit danach; in der Abwanderung der Übungsleiter. Nehmen wir das Beispiel des Breitensportvereins TV Horst-Eiberg: Auf fünf Abteilungen mit 110 Mitgliedern kommen dort ganze zwei – zwei! – lizenzierte Übungsleiter. Der Vorsitzende beklagt: „Unser Badminton-Jugendtrainer studiert jetzt in einer anderen Stadt. Er hinterlässt eine Abteilung mit 20 Mitgliedern […].“ Zwar gibt es dort engagierte Eltern, die einspringen, die nötige Qualifikation haben sie aber nicht, zumal alle zwei Jahre eine Fortbildung ansteht, die man auch noch selbst bezahlen muss. Eine große steuerliche Entlastung für das Ehrenamt? Kein Wort dazu in Ihrem Antrag. Dabei wäre diese längst überfällig. Einige Vereine können es sich schließlich nicht einmal mehr leisten, die Ehrenamtspauschale zu bezahlen. Übungsleiterpauschale, Wertschätzung und steuerliche Entlastung: Das sind drei Stellschrauben, an denen Sie drehen müssten, um die Probleme halbwegs in den Griff zu bekommen. Aber da in Ihrem Antrag nichts davon steht, wird er auch nichts bringen. Da können Sie noch so viel stärken, unterstützen, prüfen – vielleicht, warum, wieso, weshalb. Das alles wird am Ende des Tages nichts mehr wert sein. Er ist wie eine Fußballweltmeisterschaft in Katar oder Saudi-Arabien: scheinheilig, überflüssig und unnütz. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
