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Andreas Bialas

SPD 25.01.2024 Sitzungen 18/55

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschichten hören, Geschichten erzählen, Geschichten schreiben und Geschichten lesen – das ist ein riesengroßer Schatz. Es ist die Macht der Imagination. Es ist die Macht der Sprache. Vor allen Dingen ist es auch der Geist der Freiheit. Das alles ist gute Literatur. (Beifall von der SPD und Frank Jablonski [GRÜNE]) Mit ihr stoßen wir das Tor zur Welt und das Tor zu uns selbst ganz weit auf. Wir können in mannigfaltigen Lebens-, Menschheits- und Weltentwürfen schwelgen. Wir begleiten unsere Heldinnen, leiden unter Verlusten, erfreuen uns an Erfolgen, fiebern bei dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse mit, lernen die Sittengemälde der Vergangenheit kennen und öffnen die Fantasie für die Zukunft, erleben das typisch Menschliche – den Makel, aber auch die Größe –, verhandeln Entwürfe und vieles mehr. Gute Literatur, gute Worte und gute Geschichten sind ein Bollwerk der Demokratie und der Freiheit. Nicht umsonst wird das gute und freie Wort bekämpft. Nicht umsonst versuchen die Despoten der Welt, die Worte zu verbieten oder zu instrumentalisieren. In der Literatur erhalten wir die Chance, unsere Welt in Natur und Kultur sowie uns Menschen, unsere Verfasstheit und unsere zukünftigen Ziele in reichhaltigsten Facetten zu beleuchten – und das alles mittels der Schönheit. Wir können viele Leben durchleben und müssen keinen Tod sterben. Daher geht als Erstes ein großer Dank an alle, die uns das mit den Geschichten und den Zugangsmöglichkeiten zu den Geschichten ermöglichen. (Beifall von der SPD und Frank Jablonski [GRÜNE]) Literatur wird in der Förderung fast traditionell stiefmütterlich behandelt. Was Schreiben lernen, Unterstützung für die Literaten, Unterstützung bei der Vermittlung und Verbreitung, Förderung von Veranstaltungen und Festivals etc. angeht, haben wir Landtag durchaus gute Sachen im Land; überhaupt keine Frage. Aber im Vergleich zu anderen Sparten ist das alles noch sehr viel ausbaubarer. Übrigens – das ist die andere Seite, die man immer wieder erwähnen muss –: Das verfügbare Geld kann durchaus auch abgerufen werden. Man kann immer nur alle in dem Feld Tätigen ermuntern, dies zu tun. Kurz zu einem anderen Bild: Wir haben Kunsthochschulen für bildende Kunst. Wir haben Hochschulen für Musik und Tanz. Wo bleibt die Ausbildung für Literaten? Wo sind die Kurse für kreatives Schreiben? Bei anderen Sparten gehen wir immer von einem Lernen aus. Bei der Literatur hingegen gehen wir stets von sich selbst entfaltenden Genies aus. Darauf können wir durchaus noch ein wenig anders schauen. Ein anderer Punkt – er ist auch schon benannt worden – ist von enormer Bedeutung: Der eigenständige und unabhängige Zugang zu Geschichten bedarf neben Institutionen wie beispielsweise den Literaturbüros auch der Bibliotheken und einer spezifischen Kulturtechnik, nämlich der des Lesens. Die sich deutlich zeigenden Defizite in den Blick zu nehmen und ihnen nicht nur mittels eines Bildungsträgers zu begegnen, sondern auch außerschulisch oder zusammen mit der Schule umfassende Angebote und Settings zu schaffen, ist ein Feld, welchem das Ministerium und auch wir Abgeordneten uns widmen. Und das ist gut so. Ich möchte am Ende meiner Rede auch den regierungstragenden Fraktionen danken. Wir haben über das Thema schon länger debattiert. Auch in Haushaltsverhandlungen haben wir darüber teilweise gestritten und diskutiert. Nun gibt es diesen Antrag. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass regierungstragende Fraktionen auf die Opposition zugehen und fragen, ob sie dabei mitgehen will. Für diesen guten Umgang, den wir demokratische Fraktionen im Kulturausschuss pflegen, möchte ich mich ausdrücklich bedanken. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Diesen Weg möchten wir gerne weitergehen, besonders auch dann, wenn es um den weiteren Bereich der kulturellen Bildung geht. Wer die Liebe zur Literatur bekennt und wer die guten Worte fordert, der muss sie auch bezahlen. Übrigens wird das auch unmittelbar belohnt, quasi mit einem Qualitätssiegel. Denn wer für die Literatur brennt und sie darüber hinaus auch noch fördert, ist ein sehr kluger Mensch. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der FDP) 25.01.2024

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