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Florian Braun

CDU 25.01.2024 Sitzungen 18/55

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt geht es also ums Lesen, um die Freude daran und um das, was die Lektüre von Literatur bewirkt. Lesen ist Zugang zu Wissen, zu kritischem Denken, weckt Kreativität und Empathie. Man lernt, Gedanken zu gewichten, Behauptungen zu vergleichen und auch gegeneinander abzuwägen. Bücher öffnen das Tor zur Welt und lassen die eigene Fantasie aufblühen. Neben dem Kennenlernen neuer Sichtweisen, neben den Denkanstößen und neben dem Eintauchen in andere Welten ist diese Prozesshaftigkeit des Lesens für mich etwas ganz besonders Faszinierendes. Während man liest, entwickelt sich also etwas. Es entstehen Bilder im eigenen Kopf. Man spinnt Figuren weiter, schaut in die Vergangenheit und macht sich auch Gedanken über die Zukunft. Irgendwie nimmt das Einfluss auf die eigene Selbstfindung. In einer Welt, die nie stillsteht, ist Lesen gleichzeitig ein hervorragendes Mittel zur Entschleunigung. Oft erwische ich mich, wie ich aufhöre, zu lesen, und anfange, zu denken. Denken Sie alle einmal zurück, wie es für Sie selbst war, Bücher zu entdecken und sich in stunden- und nächtelanger Lektüre zu verlieren. Ich weiß noch sehr genau, wie ich in jungen Jahren Bücher verschlungen habe. Wie unvergleichlich muss das eigentlich sein, wenn man die Welt des Lesens als junger Mensch erstmalig für sich entdeckt? Jetzt habe ich erzählt, was Lesen und das Auseinandersetzen mit Literatur so besonders macht, zumindest aus meiner ganz persönlichen Sicht. Wieso reden wir heute im nordrhein-westfälischen Landtag genau darüber? Wir wollen, dass mehr Menschen von dem Lesefieber angesteckt werden, dass mehr Menschen Freude im Umgang mit Literatur erfahren, weil eine starke Vorstellungskraft, das Hinterfragen und das eigenständige Denken wichtige Eigenschaften in unserer Gesellschaft sind und weil wir traurigerweise wissen, dass die Kompetenzen im Bereich „Lesen“ bei unseren Jüngsten in Teilen deutlich zurückgegangen sind. Wer lesen kann und die Bedeutung von Worten erfasst, der kann einen Schulabschluss machen, sich eine eigene Meinung bilden und sein Leben selbst in die Hand nehmen. Gegen den Rückgang der Lesekompetenz und für den aktiven Umgang mit Literatur wollen wir daher etwas tun – nicht nur innerhalb des Schulgebäudes, sondern auch außerhalb. Ideen dafür bietet der vorliegende gemeinsame Antrag von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP. Öffentliche Büchereien und Bibliotheken sind niedrigschwellige Orte der Begegnung, der Auseinandersetzung und des Erlebens von Literatur. Die Stadtbibliothek in Köln-Porz war für mich ein zweites Zuhause. Ich habe regelmäßig die maximale Anzahl Landtag von 25 Büchern mit nach Hause geschleppt. Von „WAS IST WAS“ bis zu „Prinz Eisenherz“ war so ziemlich alles dabei. Was lernten wir als Kinder, und was lernen Kinder heute auf diese Weise? Natürlich lernt man, dass man Verantwortung für diese Bücher übernimmt und diese nach spätestens vier Wochen wieder zurückbringt. Verantwortung und das Prinzip des Teilens spielen da also ebenfalls eine Rolle. Diese kulturschaffenden und wissensvermittelnden Orte wollen wir durch die Unterstützung von Kooperationen zwischen ehrenamtlichen Kräften stärken und den Zugang für Kinder und Jugendliche gerade aus bildungsferneren Strukturen fördern. Ich habe es angesprochen: Die Ergebnisse von Bildungsstudien des vergangenen Jahres haben uns schmerzlich vor Augen geführt, dass es um die Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler aktuell besser bestellt sein sollte. Im Bereich der Schulpolitik haben die schwarz-grüne Koalition und die Landesregierung bereits einige Maßnahmen angestoßen, um an unseren Grundschulen das Erlernen von Basiskompetenzen zu erleichtern. Zu Beginn des Schuljahres hat Schulministerin Feller zum Beispiel die Erhöhung der verbindlichen Lesezeit eingeführt – eine sehr gelungene Maßnahme, wie ich finde. (Beifall von Andrea Stullich [CDU] und Frank Jablonski [GRÜNE]) Das Erlernen von Sprache, Lesen und Schreiben kann nicht alleine in der Schule stattfinden, sondern ist vor allem auch Aufgabe von Familie zu Hause. Einen wirksamen Beitrag können ebenso Dritte Orte schaffen: Netzwerke und Initiativen, die Kinder an die Hand nehmen und gemeinsam mit ihnen lesen. Solche Lesepaten und Lesementoren sind Gold wert und leisten ihren Beitrag, um die heute in Rede stehende Freude am Lesen zu wecken und zu fördern. Daher adressieren wir mit unserem Antrag auch diese Netzwerke und Institutionen. Wir wollen sie besser vernetzen, bekannter machen und ihre Ideen und Qualifikationen einbeziehen. Dann wären da noch unsere Literaturfestivals, allen voran das – ich bin so frei, das so zu formulieren – Aushängeschild: die lit.COLOGNE. (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: lit.RUHR!) Das mittlerweile größte Literaturfestival Europas findet im Herzen unseres Landes statt. Als Kölner bin ich natürlich besonders stolz und vorfreudig. Mit der lit.kid.COLOGNE richtet sich zudem eine Reihe von Veranstaltungen direkt an Kinder und Jugendliche, um beim Nachwuchs die Neugier auf die Welt der Literatur zu wecken. Diese Festivals sind Multiplikatoren und Botschafter für Literatur und Kultur. Deshalb wird es auch darum 25.01.2024 gehen, diese Initiativen zur Vermittlung von Literatur finanziell zu unterstützen. Kurzum: Es gibt viele gute Gründe und viele gute Ideen. Ich bitte Sie daher herzlich um Zustimmung zum vorliegenden Antrag zur Stärkung des Lesens und der Literatur in Nordrhein-Westfalen sowie für mehr Freude am Lesen. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und Jo- chen Ott [SPD])

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