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Dr. Martin Vincentz

AfD 25.01.2024 Sitzungen 18/55

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Verschiedene große Zeitungen berichteten im Sommer 2023: Doppelt so viele Hitzetote wie Verkehrstote! – Das klingt in einem Land, das selbst das 177.-wärmste auf diesem Planeten ist, zunächst ziemlich alarmistisch. Aber Lauterbach – selbst in dieser Zeit im Urlaub in Italien – legte auf dem Nachrichtendienst X dann auch gleich nach: „Die Hitzewelle ist spektakulär hier. Wenn es so weiter geht, werden diese Urlaubsziele langfristig keine Zukunft haben. Der Klimawandel zerstört den Süden Europas. Eine Ära geht zu Ende.“ Das war eine Äußerung, die auf italienischer Seite wiederum für reichlich Verwirrung sorgte, wo man solche Temperaturen allgemeinhin einen guten Sommer nennt. So schaltete sich dann auch gleich das Ministerium für Tourismus ein und empfahl Lauterbach, doch demnächst gerne wieder in Italien Urlaub zu machen. Aber wie kommt es zustande, dass ausgerechnet Deutschland – wir erinnern uns: das 177.-wärmste Land der Welt – in den offiziellen Statistiken mehr Hitzetote aufweist als beispielsweise das soeben genannte Italien? Die Antwort ist relativ einfach: Das Robert Koch-Institut – wir kennen es noch aus der Zeit, als es Coronatote erfasste – zählt einfach jeden – gemessen am Durchschnitt im Sommer – zu viel Verstorbenen als Hitzetoten. Nicht etwa nur jeder, der durch direkte Einwirkung von Hitze, zum Beispiel durch einen Hitzschlag, stirbt, sondern jeder Tote der bei 100 möglichen Confoundern im Sommer die Zahl der erwarteten Todesfälle übersteigt, ist ein Hitzetoter. Analog käme also eine mögliche Zweigstelle des Robert Koch-Instituts in der Antarktis zu dem Ergebnis, dass jemand, der im Juli dort erfröre, ein Hitzetoter wäre. Man ist immer wieder erstaunt, was in der Wissenschaft passiert, wenn die Politik dort ihren Einfluss geltend macht. Das heißt natürlich nicht, dass man Hitzewellen auf die leichte Schulter nehmen soll. Bei allem Spott über die politisch orchestrierte Panik vor der Hitze haben schließlich auch wir bereits vor Jahren gefordert, mit Hitzeschutzaktionsplänen besonders gefährdete Personen vor hohen Temperaturen zu schützen. Investitionen in eine Klimaanlage im Altersheim oder eine weitere helfende Hand, die im Sommer auf die Trinkmenge der Bewohner achtet, sind sinnvolle und vor allen Dingen vergleichsweise günstige Investitionen, wenn man bedenkt, was Sie auszugeben gedenken, um aus Deutschland heraus das Weltwetter zu verändern. Sie haben damals natürlich abgelehnt und werden auch den heutigen Antrag ablehnen, obgleich sowohl global als auch in Europa ungefähr – da ist sich die Wissenschaft einig –, zehnmal mehr Menschen durch Kälte als durch Hitze sterben, vor der Sie so 25.01.2024 eindringlich warnen und geradezu eine Panik schüren. Wenn Sie an anderer Stelle so leidenschaftlich die Hitzeschutzaktionspläne diskutieren, ist es mindestens genauso sinnvoll, dass wir uns hier an dieser Stelle über Kälteschutzaktionspläne unterhalten. Jedes Jahr erfrieren immer wieder Menschen mitten in unseren Städten, auch hier in Deutschland, auch in Nordrhein-Westfalen: ein Armutszeugnis für jede Sozialpolitik und ein ansonsten hochentwickeltes Industrieland. Das allerdings stellt nur die Spitze des Eisbergs dar, wie wissenschaftliche Forschungen beispielsweise aus den USA zeigen. Dort sterben jedes Jahr 12.000 Menschen an extremer und 132.000 Menschen an moderater Kälte. In London ereignen sich über 70 % der kältebedingten Todesfälle an Tagen mit mehr als fünf Grad Celsius. Extrem niedrige Temperaturen, die schneller zum Tod führen –zugestanden –, treten nur an wenigen Tagen oder Wochen im Jahr auf, während es Wetterlagen mit gemäßigt niedrigen Temperaturen viel öfter gibt, insbesondere bei uns. Aber bereits moderate Kälte kann den Körper unter massiven Stress setzen, der für eine Zunahme beispielsweise von kardiovaskulären Ereignissen führt. Insbesondere vor dem Hintergrund der gestiegenen Energiepreise und dem konsekutiv angepassten Heizverhalten vieler Bürger, die es sich schlicht nicht mehr leisten können, eine warme Wohnung zu haben, was dann von der Bundesregierung wiederum als vorbildlich geframt wird, sind die Auswirkungen auf die Gesundheit und auch auf das Leben der Menschen geradezu absehbar. In Großbritannien ist die Zahl der Kältetoten daher im letzten Jahr bei ebenfalls gestiegenen Energiepreisen bereits um 20 % angestiegen. Für Deutschland werden solche Zahlen vorsorglich gar nicht erst erhoben. Auch das ist wiederum ein Offenbarungseid für Ihre Sozialpolitik. Es ist daher dringend und dringender denn je, genau jetzt hinzusehen und uns überhaupt in die Lage zu versetzen, auch in Deutschland die Größe des Problems mit vernünftigen Zahlen zu erfassen, um dann in Zusammenarbeit mit den Kommunen zielgenau und effizient helfen zu können. Daher kann ich Sie an dieser Stelle nur einmal bitten, unserem Antrag zuzustimmen, auch wenn Sie sonst gerne in Hitzepanik verfallen, und zumindest hier Herzenswärme zu zeigen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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