Jonathan Grunwald
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte Sie gerne auf eine gedankliche Reise nach Meckenheim, eine Stadt in meinem Wahlkreis, mitnehmen. In der Apfelstadt, wie wir Meckenheim aufgrund der Vielzahl von Obstbauern auch nennen, befindet sich ein großer Schulcampus. Auf einem Areal im Zentrum der Stadt arbeiten ein Gymnasium, eine Realschule und eine Hauptschule Hand in Hand. Der geteilte Pausenhof und schulformübergreifende Projekte führen zu einer engen Verzahnung und zu Freundschaften quer über die drei Schulformen. Mehr noch: Die Stadt Meckenheim bietet als Schulträger jeder Schülerin und jedem Schüler eine Schulplatzgarantie. Was bedeutet dies in der Praxis? Wenn eine Schülerin beispielsweise in der fünften Klasse in der Realschule eingeschult wird und nach zwei Jahren ersichtlich wird, dass die Leistungen auch einen Besuch auf dem Gymnasium zulassen würden, kann diese Schülerin die Schulform unbürokratisch wechseln. Es ändert sich dabei weder der Schulweg, noch werden die bestehenden Freundschaften zerrissen. (Zuruf von Dr. Dennis Maelzer [SPD]) Aber die Schülerin erhält durch den Schulwechsel ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Bildungsangebot, das sie fordert und fördert. 24.01.2024 Doch nicht jede Schülerin und jeder Schüler in Meckenheim möchten Abitur machen. Die Stadt hat deshalb gemeinsam mit der Handwerkskammer und ansässigen Betrieben das MeGA-Projekt, die Meckenheimer Garantie für Ausbildung, geschaffen. Dabei schließen Schüler bereits während ihres letzten Schuljahres einen Vertrag mit einem Betrieb in der Region ab, der verbindliche Rechte und Pflichten enthält. Statt wie üblicherweise 10 bis 15 % verlassen circa 70 % der Schüler die Geschwister-Scholl-Hauptschule in Meckenheim mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte und ein klares Bekenntnis für die berufliche Bildung. Erst im vergangenen Sommer durfte ich unsere Schulministerin Dorothee Feller auf dem Schulcampus in Meckenheim begrüßen, wo sie sich das gegliederte Schulsystem, die enge Vernetzung der drei Schulen und das MeGA-Projekt aus der Nähe anschauen konnte. Liebe Kollegen der FDP, das in Ihrem Antrag aufgeführte gegliederte Schulsystem, die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen, eine Benotung ab der dritten Klasse und starke Strukturen der beruflichen Bildung sind doch gängige Praxis bei uns in Nordrhein-Westfalen. Es ist schön, dass Sie dies noch einmal in einem Antrag zusammenfassen. Sollten Sie Ihre Ausführungen auch einmal mit einem Praxisbeispiel unterfüttern wollen, liebe Franziska Müller-Rech, vermittle ich sehr gerne einen Kontakt nach Meckenheim zum Schulcampus; von Bonn sind es mit dem Auto nur 20 Minuten. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Danke schön! – Zuruf von Marcel Hafke [FDP]) Im Antrag wird ein Bekenntnis zum gegliederten Schulsystem und zur Vielfalt der Schulen in NRW gefordert. Für die Vorbereitung des nächsten Antrags empfehle ich, vorab einen kurzen Blick in den Zukunftsvertrag zu werfen. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Dort heißt es – ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin –: „Um Chancengerechtigkeit zu schaffen, werden wir auf der Basis des Schulfriedens zu gezielten und nachhaltigen Verbesserungen in unserem vielfältigen Schulsystem kommen.“ Und weiter: „Wir begrüßen schulformübergreifende Kooperationen der Schulen und prüfen den Abbau möglicher rechtlicher Hürden.“ Die Position der Zukunftskoalition dürfte damit klar sein. Wir tragen der Individualität unserer Schülerinnen und Schüler Rechnung und bieten ihnen ein Landtag breites Bildungsangebot, das vielfältige Wege für jede und jeden Einzelnen eröffnet. (Lachen von Thorsten Klute [SPD]) Zu Recht weisen Sie auf die Bedeutung außerschulischer Lernorte, auf die enge Kooperation von Hochschulen und auf Wettbewerbe wie „Jugend forscht“ hin. Lernorte wie beispielsweise das Deutsche Museum in Bonn begeistern für Bildung und wecken bei Schülerinnen und Schülern das Interesse für KI und Technologie. (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Der Besuch solcher außerschulischen Lernorte und die Teilnahme an Wettbewerben liegen in der Verantwortung der Schulen. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam in unseren Wahlkreisen Werbung für außerschulische Lernorte und auch für Wettbewerbe machen. Ich bin fest davon überzeugt: Es mangelt nicht an spannenden Lernorten und auch nicht an Wettbewerben. Wir müssen die bestehenden Angebote nur besser an unsere Schulen kommunizieren. Das ist eine Aufgabe für uns alle. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Gestatten Sie mir zum Abschluss eine Bemerkung zum Leistungsgedanken. Jedes Kind ist mit Talenten, Stärken und Schwächen ausgestattet. Zentral bleiben daher der Blick auf den einzelnen Schüler und die einzelne Schülerin sowie der Gedanke des Förderns und Forderns. Die zunehmende Heterogenität in unseren Schulklassen über alle Schulformen hinweg macht diesen Grundsatz noch bedeutsamer. Unsere mehr als 200.000 Lehrerinnen und Lehrer stellen sich dieser Herausforderung jeden Tag. Für ihren Einsatz, ihre Motivation und ihre didaktisch-methodischen Ansätze, mit denen sie Schüler auf ihrem Bildungsweg begleiten und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten, sind wir ihnen allen sehr dankbar. Ob Förderklassen für Hochbegabte, die JuniorAkademien in Nordrhein-Westfalen oder Wettbewerbe wie die Mathematik-Olympiade – der Leistungsgedanke ist zentral und findet deshalb auch in der nordrhein-westfälischen Bildungsarchitektur Berücksichtigung. Darüber hinaus verschafft der verstärkte Einsatz digitaler und KI-basierter Lernanwendungen weitere Möglichkeiten, ein maßgeschneidertes Lernangebot zu entwickeln, das die individuellen Stärken jedes Kindes zukünftig noch besser berücksichtigen wird. In diesem Sinne freue ich mich auf die weiteren Beratungen im Ausschuss und danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) 24.01.2024
