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Franziska Müller-Rech

FDP 24.01.2024 Sitzungen 18/54

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist dringend notwendig, dass wir über das Leistungsprinzip in unseren Schulen debattieren. (Thorsten Klute [SPD]: Ja, das finde ich auch!) Beginnen möchte ich mit einem Zitat aus der Süddeutschen Zeitung zu einem anderen Thema, näm-Landtag lich zum Staatsangehörigkeitsgesetz, das mich wirklich schockiert hat: „Eine Schande aber ist das erbarmungslose Leistungsprinzip, das die FDP dem Gesetz eingepflanzt hat.“ Das Leistungsprinzip ist nie eine Schande. Es ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Gesellschaft. (Beifall von der FDP) Ohne die Fleißigen im Land gibt es kein Wirtschaftswachstum, gibt es keinen Wohlstand und kann es auch keinen starken Sozialstaat geben. Deshalb muss sich Leistung wieder lohnen, auch in der Schule. Im Kölner Stadt-Anzeiger schreibt Michael Felten heute: „Kinder wollen etwas leisten, […]“ Genau so ist es. Ich möchte auch noch einmal betonen: Es ist keine Schande, eine sehr gute Note für eine sehr gute Leistung zu bekommen. Wir müssen aber vor allem dafür sorgen, dass die Qualität unserer schulischen Bildung wieder wettbewerbsfähig wird. PISA, IQB und andere Vergleichsstudien zeigen, dass das dringend nötig ist. Jetzt kommen die Grünen und andere Linke daher und wollen die Kinder am liebsten vor sich selbst beschützen: Bloß keinen Wettkampf, bloß keinen Wettbewerb, bloß alle in Watte packen. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Hört doch mal auf, die Grünen als links zu bezeichnen!) Kinder müssen aber lernen, mit Feedback umzugehen – ob positiv oder negativ –; das ist unausweichlich. (Beifall von der FDP) Wenn es nach uns Freien Demokraten geht, soll das am besten schon in der Schule, in einem geschützten Raum, passieren und nicht erst im Berufsleben. Schule muss ein Ort sein, an dem Kinder über sich hinauswachsen können, sich ausprobieren können und Stolz auf die eigene Leistung entwickeln können. Die Grünen wollen, dass wir Kindern ein Feedback zu ihren Leistungen und die Vergleichbarkeit, etwa durch Ziffernoten, verwehren, dass es kein Sitzenbleiben mehr gibt, also alle einfach durchgeschleift werden, dass Kinder auf dem Gymnasium bleiben, obwohl sie dort überfordert sind. (Kopfschütteln von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Das hat nichts mehr mit individueller Förderung und Leistungsorientierung an unseren Schulen zu tun. Dann wird Bildung gleichgültig. Und so werden die PISA-Ergebnisse unserer Kinder garantiert nicht besser. (Beifall von der FDP) 24.01.2024 Deshalb fordern wir, dass wir die Lust auf Leistung in den Köpfen unserer Kinder wieder stärker verankern. Hier möchte ich insbesondere auf unterschiedliche Schulabschlüsse eingehen und das sagen, was wir Freien Demokraten meinen, wenn wir über Leistung und Talente sprechen: Jedes Kind ist anders. Wir dürfen aber nicht den Fehler machen, Talente nur auf akademische Leistungen zu begrenzen. Handwerkliche, technische, künstlerische und viele weitere Talente sind mindestens genauso wichtig und förderwürdig. Auch ist das Abitur weder der sichere noch der einzige Weg zum Glück. Deshalb ist es so wichtig, dass wir auch die Haupt-, Real- und Sekundarschulen in unserem Land nicht vergessen. (Beifall von der FDP) Nicht jeder muss Politikwissenschaften und Soziologie studieren. (Zuruf von Matthias Kerkhoff [CDU]) Wir brauchen so viele Menschen im Land, die die Dinge in die Hand nehmen, sich die Hände schmutzig machen und mit uns zusammen auch mal den Karren aus dem Dreck ziehen. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Und das mit dir?) Millionen Leistungsträger in diesem Land haben kein Abitur und nicht studiert. All das ist keine Schande. Ganz im Gegenteil: Wir dürfen all diejenigen nicht vergessen. Dafür müssen wir unsere mittleren Schulabschlüsse stärken. Leistung ist so vielfältig wie unser Land. Aber eines ist klar: Wir brauchen wieder mehr Lust auf Leistung. (Beifall von der FDP) Wir stellen eine Vielzahl von Forderungen an die Landesregierung, um die Zukunftsfähigkeit der Bildung, aber auch unserer Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen zu verbessern. Lassen Sie mich noch eine weitere Forderung zu einem Thema vorstellen, das nicht nur uns, sondern das ganze Land aufgeregt hat. Wir müssen dringend über den Schulsport sprechen. Schule besteht nicht nur aus den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe. Auch Bewegung gehört dazu. Sie kann und muss bewertet werden. Deswegen muss auch der Wettkampfcharakter der Bundesjugendspiele erhalten bleiben. Wir brauchen keinen symptomatischen grünen Wattebausch um unsere Kinder. Wir können und müssen unseren Kindern etwas zutrauen, und zwar auch im sportlichen Wettkampf. Eine Teilnehmerurkunde ist kein Symbol des Scheiterns oder des Nichtkönnens, sondern sie ist ein Ansporn, sich durch die eigene Leistung verbessern zu wollen und beim nächsten Mal eine Siegerurkunde zu bekommen. (Beifall von der FDP) Landtag Das gilt übrigens auch für andere Sportarten. Ich selbst kann offenbaren: Ich war unfassbar schlecht im Bodenturnen. Das war überhaupt nicht meins. (Zuruf von Dr. Dennis Maelzer [SPD]) Das hat mich aber nicht sehr frustriert. Ich habe nämlich im Schwimmen eine Ehrenurkunde bekommen. Wie soll so eine Erfahrung unseren Kindern schaden? Wie wollen wir Sport eigentlich im Alltag verankern, wenn wir so eine Angst vor dem Wettkampf haben? (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Wer hat die denn?) Wir brauchen Kinder und Jugendliche, die bereit sind, alles zu geben und über sich hinauszuwachsen, statt aus Angst vor dem Scheitern es gar nicht erst zu probieren. Ich freue mich sehr, wenn wir im Ausschuss in die Fachdebatte einsteigen und unsere vielen Forderungen einzeln durchgehen. – Vielen Dank dafür, dass Sie mir zugehört haben, und bis bald im Ausschuss. (Beifall von der FDP)

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