Prof. Dr. Daniel Zerbin
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Innovatives Lernen und Lehren sind wichtige Voraussetzungen, um eine exzellente Hochschullandschaft zu schaffen. Thematisch trifft der Antrag von CDU und Grünen daher ins Schwarze. Gerade in einer Welt des Wandels und der Unsicherheit ist es wichtig, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Kluge und gut ausgebildete Köpfe sind deshalb die wichtigste Ressource unseres Landes. Sie sind die Voraussetzung, um die nächsten Generationen erfolgreich durch das 21. Jahrhundert zu bringen. Ihr Antrag wird klangvoll mit der Überschrift „Campus der Zukunft“ beworben – doch was bezweckt er? In erster Linie sollen qualitativ hochwertige Bildungsangebote und eine hochwertige Bildungsinfrastruktur als Schlüssel zum Erfolg genutzt werden. Die Landesregierung soll Hochschulen sensibilisieren, bei der Planung und Sanierung von Gebäuden aktuelle Forschungsergebnisse, veränderte Flächenbedarfe und ein verändertes Arbeits- und Lernverhalten zu berücksichtigen. Stichwörter sind hier „pädagogische Architektur“ sowie „Anbindung ins Stadtbild“. Es sollen nachhaltige Mobilitätskonzepte erstellt, ein Austausch zwischen Bauverantwortlichen und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb gefördert sowie die schnellere und bürokratieärmere Umsetzung von Bauprojekten an Hochschulen erreicht werden. Das alles klingt erst einmal sinnvoll und nützlich. Doch kommt beim Lesen des Antrags die Frage auf – da ging es mir wie meinen Vorrednerrinnen –, weshalb Sie solche Selbstverständlichkeiten in einen Antrag bringen. Eine schnellere und bürokratieärmere Umsetzung wäre sehr löblich, doch letztendlich liegt es doch an Ihnen als regierungstragende Fraktionen, hieran über Gesetzgebungs- und Bauverfahren konkret etwas zu ändern. 15.12.2023 Was überhaupt nicht im Antrag vorkommt, sind soziale Fragen, zum Beispiel, wie eine Lernkultur an Hochschulen aussehen soll. Wissenschaft muss frei sein. Die Dominanz linksextremer Ideologien an unseren Universitäten passt dazu nicht, von der Sicherheitslage beispielsweise für jüdische Studentinnen und Studenten ganz zu schweigen. Wie die Situation an unseren Hochschulen wirklich ist, wurde uns von Vertretern jüdischer Studenten in einer Anhörung sehr unmittelbar berichtet. Von dieser Problematik, geschweige denn von einer Lösung, liest man nichts im vorliegenden Antrag. Mit der Auslüftung der Talare hat man im Kulturkampf der 1970er-Jahre an unseren Hochschulen nahezu die gesamte Tradition der letzten 1.000 Jahre weggeblasen. War das klug? Wohl eher nicht. Das zeigt der Erfolg insbesondere angelsächsischer Universitäten im internationalen Vergleich. Tradition ist bekanntlich nicht das Halten der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme. Über die Verbindung der alten deutschen Universitätskultur mit Innovationen der Gegenwart hat man sich keine Gedanken gemacht. Die Idee, die Sie hier verfolgen, wird in ein paar Jahren möglicherweise so en vogue sein wie die Plattenbauten in Berlin-Marzahn. Ich komme zum Schluss. Der vorliegende Antrag enthält wichtige Aspekte. In guter DDR-Tradition werden aber die wahren Probleme nicht benannt, das gilt insbesondere für das Fehlen von Freiheit und Sicherheit an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Auch über die Verbindung der jahrhundertealten deutschen Universitätskultur zur Gegenwart und zur Zukunft wird sich im Antrag ausgeschwiegen. Wir werden uns daher enthalten. Dennoch wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten und alles Gute für 2024. Ich kann mich dem anschließen, was meine Vorrednerrinnen gesagt haben: Ich bedanke mich ebenfalls für die gute Zusammenarbeit im Wissenschaftsausschuss. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD und Dr. Christian Blex [fraktionslos])
