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Dorothee Feller

14.12.2023 Sitzungen 18/52

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! 30 % der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland erfüllen nicht die Mindestanforderungen in Mathematik. Circa 23 % fehlen die Grundkenntnisse in den Naturwissenschaften, und ca. 25 % verfügen nur über eine sehr eingeschränkte Lesekompetenz. Diese deutschlandweiten Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie auf der Datengrundlage 2022 sind erschreckend und reihen sich in die Ergebnisse der jüngsten IQB-Studien ein. Zwar gab es nach 2003 in den PISA-Studien zunächst einen Aufwärtstrend, jedoch haben sich die Ergebnisse seit 2012 in Mathematik und seit 2015 im Lesen kontinuierlich verschlechtert. Was ist in den letzten zehn Jahren in Deutschland passiert oder gerade nicht passiert, dass sich die Kompetenzen Landtag unserer Schülerinnen und Schüler so signifikant verschlechtert haben? Sicherlich haben die Pandemie und die damit einhergehenden Schulschließungen zu den Ergebnissen beigetragen. So ist der Abwärtstrend zwischen 2018 und 2022 besonders ausgeprägt. Doch die Pandemie vermag weder den Zeitraum noch die Intensität der Leistungsverschlechterung zu erklären. Was wir hingegen beobachten, ist, dass sich unsere Gesellschaft und damit auch die Schülerschaft in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat. So kommen immer mehr Kinder aus einem sozialen Umfeld, das ihre Bildungsanstrengungen zu wenig unterstützen kann. Die Beteiligung der Eltern insgesamt an der schulischen Bildung ihrer Kinder ist spürbar zurückgegangen. Eine Flut an Informationen und schrecklichen Bildern zu globalen Krisen erreicht über Social Media täglich ungefiltert die Kinderzimmer. Bei der Einschulung sind Kinder nicht nur unruhiger, sie kommen auch mit einem deutlich geringeren Wortschatz. Mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre hat die Schulentwicklung nicht in gleichem Maße Schritt gehalten. Doch alle Kinder – ich betone ausdrücklich: alle Kinder! –, die in unseren Schulen sind, haben ein Recht auf gute Bildung und ein Recht auf Teilhabe. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Daher gilt es nun, den Rückstand aufzuholen, ohne dabei jedoch die Schulen zu überfordern. Denn auch das hat so mancher Reformversuch der Vergangenheit gezeigt: Von Aktivismus getriebene Schnellschüsse sind nicht die Lösung. Kinder sind keine Maschinen, die wir kurzerhand umprogrammieren können, wenn uns das Ergebnis ihrer Leistung missfällt. (Beifall von Andrea Stullich [CDU]) Mit meinem Kollegen aus Hamburg stimme ich überein: „Die Forderung nach einem […] Neustart […] ist die beste Methode, um den Karren an die Wand zu fahren. […] Evolution statt Revolution, das ist der Weg für eine erfolgreiche Schulpolitik.“ Eine entscheidende Rolle mit Blick auf notwendige Verbesserungen der schulischen Leistungen spielt eine gute Unterrichtsqualität. Viele Schulen melden zurück, dass sie in den vergangenen Jahren mit vielen zusätzlichen Anforderungen belastet wurden und zu wenig Orientierung erhalten haben. Guter Unterricht ist zentrales Element für Bildungserfolg – und den gilt es zu stärken. In Nordrhein-Westfalen haben wir uns schon nach den letzten IQB-Ergebnissen auf den Weg gemacht. Bereits seit Monaten legen wir einen Fokus auf die Stärkung der Basiskompetenzen. Um die Schulen hierdurch nicht zusätzlich zu belasten, setzen wir vor 14.12.2023 allem auf Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. So haben wir ihnen wissenschaftlich und praktisch erprobte Konzepte, Materialien und Lernplattformen zur gezielten Stärkung der Basiskompetenzen zur Verfügung gestellt. Alle Materialien sind darauf ausgelegt, auch in den fünften und sechsten Klassen der Sekundarstufe I Anwendung zu finden und, wenn erforderlich, auch darüber hinaus. Mit unserem Handlungskonzept Unterrichtsversorgung ist es uns zudem bereits gelungen, innerhalb eines Jahres knapp 4.000 Menschen zusätzlich ins System zu bringen. Wir haben 465 neue Studienplätze für die Lehrämter an Grund- und Förderschulen geschaffen und konnten rund 450 Referendarinnen und Referendare mehr einstellen als noch im Jahr zuvor. Gemeinsam mit dem Familien- und dem Gesundheitsministerium sind wir in guten Gesprächen, wie eine frühzeitige Diagnostik und Förderung bei der Schulanmeldung, aber auch im frühkindlichen Bereich die Kinder besser auf die schulischen Anforderungen vorbereiten können. Nicht zuletzt nehmen wir die Ausbildung der Lehrkräfte in den Blick. Auch hier braucht es mutige Schritte, um die Ausbildung einerseits attraktiver zu machen und andererseits die Qualität der Ausbildung zu sichern. Nur so gewinnen wir mehr junge Menschen für das Lehramt. Die Möglichkeit der Ein-Fach-Lehrkräfte oder eines weiteren Seiteneinstiegs begrüßen wir ausdrücklich. Eine Verkürzung des Referendariats kommt hingegen mit Blick auf die Ausbildungsqualität meines Erachtens nicht in Betracht. Bereits während der Pandemie haben wir Maßnahmen ergriffen. Unser Programm „Ankommen und Aufholen nach Corona“ hat erfolgreich zum Ausgleich pandemiebedingter Lücken beigetragen. Die Daten zur PISA-Studie sind erhoben worden, noch bevor das Programm seine Wirkung entfalten konnte. Eines ist besonders wichtig: In unserem Schulsystem arbeiten tagtäglich hoch engagierte Lehrkräfte und viele weitere Kräfte daran, unseren Kindern und Jugendlichen trotz aller Herausforderungen eine gute Bildung zu ermöglichen. – Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihren Einsatz! (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen, dass echte Veränderungen Zeit brauchen. Doch die wichtige Botschaft ist: Wir sind unterwegs und werden unseren eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Landtag

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