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André Kuper

30.11.2023 Sitzungen 18/49

Vielen Dank, Herr Dr. Vincentz. – Für die Landesregierung spricht der eben schon angesprochene Minister Laumann. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir alle haben in den letzten Monaten und Jahren bestimmt mehr als einmal etwas über Endometriose gelesen. Ich glaube auch, dass viele von uns im Bekannten- bzw. im weiteren Bekanntenkreis schon von dieser Krankheit und der Betroffenheit gehört haben. Meine Vorrednerinnen haben ausgeführt, was diese Diagnose für die betroffenen Frauen bedeutet. Es ist schwer verständlich, dass der Weg zur Diagnose häufig so lange dauert, wie es hier dargestellt wurde. Wo können wir ansetzen, um für die Betroffenen die Diagnosestellung zu beschleunigen und die Versorgung zu verbessern? Die Ursachen für eine Endometriose sind noch nicht genau bekannt. Deswegen ist es erst einmal gut, dass der Bund im September Förderrichtlinien veröffentlicht hat, um weitere Forschungen in Bezug auf diese Krankheit zu finanzieren. Die medizinischen Standorte in Nordrhein-Westfalen betreiben bereits Ursachenforschung, die die Landesregierung finanziell unterstützt und bezahlt. Für die Weiterentwicklung der Versorgung könnte möglicherweise ein Projekt Erkenntnisse schaffen. Hierzu werden wir zeitnah einen Austausch mit den Kassenärztlichen Vereinigungen initiieren. Zusätzlich sollten wir eine Sensibilisierung bei den Behandelnden in den Blick nehmen, damit die betroffenen Frauen ihre Diagnose schneller bekommen. In den Weiterbildungsordnungen der Ärztekammer für die Zulassung der Fachärztinnen und Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist Endometriose bereits an mehreren Stellen verankert. Darüber hinaus bestehen zu diesem Thema bereits viele Fortund Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärztinnen und Ärzte. 30.11.2023 Wir werden den Dialog mit den beteiligten Akteuren führen und gemeinsam prüfen, ob diese Angebote noch ausgebaut und verbessert werden müssen. Ziel muss sein, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte einem Verdacht auf Endometriose zügiger nachgehen. Diese Krankheit ist nun einmal eine klassische Frauenkrankheit. Die Versorgungsprobleme lenken dann aber auch den Blick auf die Notwendigkeit, geschlechterspezifische Aspekte bei der Gesundheit und Versorgung stärker zu berücksichtigen, wie Sie das auch in Ihrer Rede, Kollege Vincentz, gesagt haben. Es gibt auch klassische Männerkrankheiten oder die stärkere Zurückhaltung von Männern, Vorsorgeuntersuchungen oder Hilfe bei psychischen Problemen in Anspruch zu nehmen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es daher, diese Aspekte deutlicher in die Lehrpläne des ärztlichen Studiums aufzunehmen, wie das beispielsweise die neue Medizinische Fakultät der Universität Bielefeld in ihrem Modellstudiengang bereits umgesetzt hat. Wir bringen diese Perspektive auch im Bund und in der EU ein, beispielsweise bei den Stellungnahmen des MAGS zur Reform der Approbationsordnung für Ärzte oder bei der laufenden Revision des EU-Arzneimittelrechts. Das Thema „Endometriose“ kann also ein Aufhänger bei der Entwicklung hin zu einer individualisierten Medizin sein, bei der es darum geht, geschlechterspezifische Akzente in allen Bereichen des Gesundheitswesens mitzudenken: von der Prävention über die Arzneimittelversorgung bis hin zu Diagnostik und Therapie. Hierzu wird die Landesregierung mit allen Akteuren in den Austausch treten und überlegen, ob dies nicht ein geeignetes Thema für die Landesgesundheitskonferenz 2025 wäre. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP)

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